Offiziell eröffnet: Korntal-Münchingens Bürgermeister Alexander Noak (rechts) und sein Stellvertreter Kai Langenecker haben am Bahnhof die öffentliche Toilette eingeweiht. Foto: Geronimo Schmidt

Am Korntaler Bahnhof hat sich einiges getan. Nun steht dort ein öffentliches WC, und der Fußgängersteg über den Gleisen ist fertig saniert.. Trotzdem gibt es Ärger.

Die Erleichterung ist groß: Der Fußgängersteg über den Gleisen am Bahnhof Korntal ist wieder komplett offen – nachdem er seit dem Sommer gut fünfeinhalb Monate lang gesperrt war. Und das auch noch länger als geplant. Für Fahrgäste hatte die Sperrung teils massive Einschränkungen bedeutet.

 

Die einen mussten lange Umwege gehen, die anderen mussten sie fahren, wenn sie auf eine S-Bahn-Reise ohne Hindernisse wie Treppen angewiesen waren. Nun lässt sich der bald 50 Jahre alte Steg wieder wie gewohnt passieren. Der Weg verbindet den nördlichen und südlichen Teil der Stadt und ermöglicht einen barrierefreien Zugang zu den mittleren Gleisen.

Mit Kosten von etwas mehr als einer dreiviertel Million Euro rechnet die Stadt für die Sanierung. Die dringend nötig war, wies der Steg doch „erhebliche Schäden“ auf, wie ein Gutachten zeigte. Der Überbau war feucht und korrodierte, Beton platzte ab, der Belag war rissig und hatte offene Fugen. Verschiedene Bauteile der Brücke waren beschädigt. Neu ist jetzt auch die Beleuchtung und höher das Geländer, für mehr Sicherheit für Radfahrer.

Der Fußgängersteg am Bahnhof Korntal ist wieder offen. Er war wegen Sanierung über Monate gesperrt. Foto: Geronimo Schmidt

Vandalismus in der öffentlichen Toilette am Bahnhof hat Folgen für alle

Die Bahngleise mussten während der Arbeiten am Steg in Betrieb bleiben. Zu ihrem Schutz wurde ein Gerüst aufgestellt. Laut der Stadtverwaltung war außerdem der Gerüstaufbau und -abbau nur in der Nacht in den von der Bahn vorgegebenen Zugsperrpausen möglich. Das machte die Arbeiten kniffliger – und verzögerte sie.

So sah der Weg, der den nördlichen und südlichen Teil der Stadt verbindet und einen barrierefreien Zugang zu den mittleren Gleisen ermöglicht, vor der Sanierung aus. Foto: Simon Granville

Recht neu am Bahnhof Korntal ist auch das öffentliche barrierefreie WC. Das allerdings schon ziemlich gelitten hat: Seitdem es seit September steht, gab es laut der Stadtverwaltung bereits drei Vandalismusschäden: Klorollen wurden angezündet, Graffiti wurden angebracht, und die Toiletten wurden mit Fäkalien verunreinigt. Die Stadt zieht deshalb Konsequenzen: Entgegen der ursprünglichen Planung werde man vermutlich doch eine Schutzgebühr erheben müssen. Im Gespräch ist ein Euro, den Nutzer künftig bar oder mit der Karte zahlen können.

Bürgermeister: Deutsche Bahn hat sich einmal mehr aus der Verantwortung genommen

Etwa 200 000 Euro – einschließlich Fördergelder in Höhe von 30 Prozent – ließ sich die Stadt das stille Örtchen kosten. Sie nahm den Bau nach Diskussionen mit der Bahn selbst in die Hand, da das Unternehmen sich weigerte, eine Toilette zu errichten: Dafür ist laut dem Unternehmen der Korntaler Bahnhof zu klein beziehungsweise ist zu wenig los.

In Korntal-Münchingen sieht man das anders – zumal eine öffentliche Toilette ein großer Wunsch aus der Bevölkerung gewesen sei, gerade auf dem Bahnhofsvorplatz, auf dem viele Bahnreisende unterwegs seien. „Leider hat sich die Deutsche Bahn einmal mehr aus der Verantwortung genommen und sich nicht an der WC-Anlage beteiligt“, ärgert sich Bürgermeister Alexander Noak (parteilos).