Die Mitarbeiterin Nora Sonn testet eine der Abfüllstationen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Shampoo am Stück, Zahnpasta als Tablette, Lippenstift in Papier: Mitten in Stuttgart hat der Laden Ohne PlaPla eröffnet. Laut dem Chef ist es die erste Plastikfrei-Drogerie Deutschlands.

Stuttgart/Ludwigsburg - Es ist ein ungewöhnlicher Laden in dieser Umgebung: Zwischen Theodor-Heuss- und Königstraße, in unmittelbarer Nähe zu Starbucks, Saturn und Tequila Bar gibt es nun eine nachhaltige Drogerie, Ohne PlaPla heißt sie. Keines der Produkte in den zu Regalen umgebauten, weiß angestrichenen Erntekisten enthält Mikroplastik, in keinem ist Palmöl enthalten, außerdem ist nichts in Plastik verpackt. Den Lippenstift gibt es in einer Papierhülse, Pflaster aus Bambus, Zahnpasta in Tablettenform oder im Fläschchen, Puder im Holzdöschen, Waschmittel in Form eines dünnen Blättchens, außerdem Glitzer, der biologisch abbaubar ist.

Teilweise gibt es solche nachhaltigen Produkte auch schon in klassischen Supermärkten und Drogerien, „aber oft sind diese Produkte dann plastik-, aber nicht palmölfrei – oder umgekehrt“, sagt Hergen Blase, der Geschäftsführer von Ohne PlaPla. In Unverpacktläden gebe es unterdessen nur eine sehr kleine Auswahl an Drogerieartikeln. Hergen Blase kennt sich in der Branche aus, vor anderthalb Jahren hat der 51-Jährige seinen Job beim Kaufland-Konzern gekündigt und einen Unverpacktladen in Ludwigsburg eröffnet. Die Drogerie in Stuttgart ist sein zweites Projekt. Und laut ihm ist es die erste Plastikfrei-Drogerie in ganz Deutschland.

Wer kein Gefäß dabei hat, kann trotzdem einkaufen

„Natürlich ist die Eröffnung ein Wagnis“, sagt Blase, „wobei das größte Wagnis zurzeit das Corona-Virus ist.“ Die vergangenen Monate seien für seinen Unverpacktladen in Ludwigsburg hart gewesen, er hatte große Einbußen. Aber die Pandemie habe nicht nur negative Auswirkungen, betont er. Viele hätten sich durch die Krise Gedanken gemacht, wie sie leben wollten, das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum sei gewachsen. „Bei vielen Menschen hat es Klick gemacht. Sie haben die Schnauze voll von Mikroplastik und Verpackungsmüll.“

Außerdem, so wirbt Blase, sei es ja auch viel schicker, nicht zig Plastikflaschen und -dosen in Bad und Küche herumstehen zu haben, sondern „schöne Gläschen und Schalen“. Im besten Fall nämlich sollen die Kunden für jene Produkte, die zwingend eine Verpackung benötigen, ihre eigenen Gefäße mitbringen. Dadurch entsteht am wenigsten Müll. Wer kein Gefäß dabei hat, kann eines erwerben oder gegen Pfand ein Marmeladenglas ausleihen.

Vor allem Männer würden sich schwer tun

Und warum hat er ausgerechnet dort, hinter dem Schlossplatz, und nicht in den etwas alternativer geprägten Stadtbezirken Stuttgart-Süd, -West oder -Ost seine nachhaltige Drogerie eröffnet? „Das war nicht geplant“, gibt Hergen Blase zu. Weil sich der ebenfalls hinter dem Schlossplatz ansässige Greenality, ein Laden für fair und nachhaltig produzierte Kleider, vergrößert und zusätzliche Räume angemietet hat, wurden rund 60 Quadratmeter an der Fürstenstraße 5 frei. „Der Inhaber von Greenality, Markus Beck, hat mich gefragt, ob ich Interesse hätte, Untermieter zu werden.“ Weil es dort keine Lagerräume gibt, stand schnell fest, dass ein Unverpacktladen mit Lebensmitteln nicht funktioniert – eine Drogerie aber schon.

Auch wenn es sich heute kaum mehr eine Firma erlauben kann, nicht auf Nachhaltigkeit zu achten, so sei bewusster Konsum noch immer eine Nische, sagt Blase. „Die Masse kauft im Discounter ein.“ Das zeigen auch die Zahlen: Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft fallen pro Jahr bei jedem Bundesbürger 37,4 Kilogramm Müll aus Plastikverpackungen an. Vor allem Männer würden sich mit der Umstellung auf plastikfreie Produkte schwer tun, weiß Blase. Den Gedanken, plötzlich festes Shampoo oder Duschgel zu verwenden, lehnten viele ab. Doch auch für diejenigen, die unter der Dusche unbedingt eine flüssige Masse in den Händen haben wollen, hat er etwas im Angebot: ein Shampoopulver, das man zu Hause selbst anrührt.

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