Mit Barista-Kaffee und selbstgemachten Croissants will Yusa Sarioglu „Bonny’s Café & Bakery“ in Pleidelsheim etablieren – und sich vom Automatenkaffee der Konkurrenten absetzen.
Was braucht ein Mensch, um glücklich zu sein? Guter Kaffee und Croissants wären jedenfalls schon mal ein Anfang. Bei „Bonny’s Café & Bakery“ in Pleidelsheim gibt es seit kurzem beides. Inhaber Yusa Sarioglu hat sich mit seinem ersten eigenen Café einen Traum erfüllt – und will damit auch eine Marktlücke schließen.
Ausschlaggebend dafür war, dass sich Sarioglu eines Tages eine Barista-Kaffeemaschine zugelegt und angefangen hat, seinen Kaffee selbst zu machen. Seitdem kann er Automatenkaffee, wie es ihn fast überall gibt, nur noch „schwer“ trinken. Und mit seinem Problem sieht er sich nicht allein. Die Menschen hätten Bedarf nach gutem Kaffee – ob das für ihn und sein Café reicht, um sich langfristig zu etablieren?
Schwierig, die Einwohner von Pleidelsheim zu erreichen
Seit Ende Januar betreibt Sarioglu sein Café. Mit dem Start ist er durchaus zufrieden. „Es läuft gut an“, erzählt er. Vormittags sei es etwas ruhiger – so wie an diesem Donnerstag, als nur vereinzelt Kunden etwas zum Mitnehmen kaufen. Nachmittags sei dafür meistens mehr los.
„In diesem Ort ist es ein bisschen ruhiger. Deswegen dauert es auch ein bisschen länger, die Leute zu erreichen“, erklärt Sarioglu. Er selbst wohnt seit etwa 20 Jahren in Pleidelsheim. Doch es kämen nicht nur Einwohner, sondern auch viele Kunden von auswärts, die gerade auf der Durchreise sind und einen Stopp machen, um sich mit Kaffee zu versorgen. Auch deswegen sieht Sarioglu den Automatenkaffee von Tankstellen und Bäckereien als „Konkurrenten“.
In Deutschland hat sich eine Kaffeekultur entwickelt
Vor kurzem war der 25-Jährige in Italien und kam mit der dortigen Kaffeekultur in Kontakt. Es war ein starker Kontrast zu dem, was er in der Region rund um Pleidelsheim vorfindet. „Hier gibt es keinen Barista-Kaffee. Den nächsten gibt es vielleicht in Ludwigsburg oder Bietigheim.“
Dabei habe sich in Deutschland mittlerweile auch eine Kaffeekultur entwickelt. „Jeden Tag kaufst du Kaffee und er schmeckt dir nicht“, beschreibt er das Gefühl, das seiner Meinung nach viele hätten. Sein Café sieht er deswegen als „Anfang“: „Ich eröffne immer Geschäfte, die es so noch nicht gibt.“
Erfahrung mit Selbstständigkeit
Tatsächlich hat Sarioglu schon einige Erfahrung damit, selbstständig zu sein. Zuvor hatte er bereits einen Friseursalon und einen Autohandel. Im gastronomischen Bereich hat er noch nicht gearbeitet; die Idee mit dem eigenen Café hatte er aber schon, als er noch als Friseur gearbeitet hat. „Ich habe keine festgelegte Richtung. Ich bin flexibel“, sagt er.
Sarioglu betreibt das Café derzeit allein. Seine Mutter hilft vormittags mit, weil es ansonsten doch zu viel geworden wäre. Aber auch so hat er eine Sieben-Tage-Woche, denn am Montag, wenn eigentlich Ruhetag ist, erledigt Sarioglu die Einkäufe.
Doch das ist kein Vergleich dazu, wie es in seinen vorherigen Stationen war: Als Autohändler sei er etwa um drei oder vier Uhr am Morgen aufgestanden, dann nach Berlin gefahren, um dort ein Auto abzuholen, das dann am besten noch am selben Tag hier verkauft werden sollte. Und auch im Friseursalon sei er jeden Tag neun, zehn Stunden gestanden. „Jetzt ist es entspannter. Deswegen kann ich auch so viel machen“, erklärt er.
Etwa sich um Croissants zu kümmern, die neben gutem Kaffee der zweite Schwerpunkt seines Cafés sein sollen. Derzeit gibt es noch überwiegend türkische Backwaren wie Börek oder Açma, die von einer Bäckerei jeden Tag frisch angeliefert werden. Seit rund einer Woche ist er aber dabei, nach und nach die selbstgemachten Croissants ins Sortiment zu nehmen. Die könne man nämlich nicht einfach so auf den Tisch stellen: „Das muss man schon ein bisschen ausarbeiten.“
Die Croissants soll es zukünftig in allen erdenklichen Variationen geben: herzhaft belegt mit Käse, Sucuk oder Tomate-Mozzarella oder auch süß gefüllt mit Pistaziencreme oder Nutella. Aber auch verschiedene Tiramisu-Variationen, Macarons oder Kuchen sollen die Menschen anlocken. Und einen Lotus-Cheesecake dürfte Sarioglu auch leichter an Frau oder Mann bekommen als ein Auto.