Die Stadt Ludwigsburg und drei Logistikunternehmen starten ein Pilotprojekt. Der Umschlagplatz für den neuen Zustellservice wurde auf dem ehemaligen Nestlé-Gelände am Bahnhof eingerichtet.
Ludwigsburg - Statt mit dem Sprinter soll Paketpost in Ludwigsburg künftig auch mal mit dem Fahrrad zugestellt werden – genauer: mit dem Lastenrad. Die Stadtverwaltung hat drei Logistikunternehmen für ein Pilotprojekt gewinnen können. Als gemeinsames Zwischenlager für die Lieferungen fungiert eine Halle auf dem ehemaligen Nestlé-Areal am Bahnhof.
Dass hier die Konkurrenten Hermes, GLS und DPD gemeinsame Sache machen, mag der Laie erstaunlich finden. „Das ist für uns nicht neu“, sagt dagegen der DPD-Sprecher Sebastian Zeh und verweist auf ähnliche Beispiele in Dortmund und Berlin. „Die gemeinsame Nutzung hat positive Effekte für alle Beteiligten.“ Sie könnten sich etwa die Kosten für die Instandhaltung der Lagerflächen und die Sicherheitsvorkehrungen teilen.
Das Paketvolumen steigt täglich
Und es könnte noch sehr viel weiter gehen: „Man könnte auch gemeinsam eine Wechselbatteriestation betreiben,“ sagt der Sprecher des Unternehmens mit Sitz in Aschaffenburg. Die DPD teste das aktuell in einem Verbund mit einer Tankstelle in Berlin. In Ludwigsburg sei das bisher jedoch noch nicht vorgesehen.
„Durch die Coronapandemie wird der Online-Handel für viele immer mehr zum Alltag, und das Paketvolumen steigt“ sagt Matthias Knobloch, der Leiter des Fachbereichs nachhaltige Mobilität. „Da gilt es zu testen, wie sich die Auslieferung von Paketen möglichst flüssig und nachhaltig – mit weniger Emissionen wie zum Beispiel Lärm – abwickeln lässt.“ Auch die Logistikpartner glauben, mit der Kombination von Mikrodepot und gelenkigen Lastenfahrräder flexibler und effizienter arbeiten zu können.
Depot in leerer Fabrikhalle
Die Idee für das neue Lastrad-Angebot sei bei einem der regelmäßigen Treffen mit den Logistikunternehmen entwickelt worden, sagt Knobloch. Der Wunsch, den Paketverkehr umweltverträglicher zu gestalten, sei zur rechten Zeit gekommen: Augenblicklich seien auf dem zuletzt von der Firma Nestlé genutzten Franck-Areal Flächen frei, und Gebäude stünden leer.
„Dort bietet sich eine Zwischennutzung an“, sagt Knobloch. Mindestens so lange, bis entschieden ist, was auf Dauer mit dem Gelände geschehen soll. Noch sei das völlig offen. „Wir bieten die Nutzung zunächst kostenlos an“, sagt der Mobilitätsmanager. Aktuell geht es dabei um etwa 100 Quadratmeter, weshalb die Stadtverwaltung und die Logistiker von einem Mikrodepot sprechen. Eine Bilanz soll zum Jahresende gezogen werden. Vermutlich gebe es bis dahin das eine oder andere nachzujustieren, sagt auch der DPD-Sprecher Zeh. Man habe sich jedoch kein Zeitlimit gesetzt.
Radius ist abhängig von der Akkuleistung
Das Mikrodepot sei ein kleines Verteilzentrum, erklärt Knobloch. „Dort hat jeder der drei Anbieter seine eigene Ecke.“ Das Miteinander der Logistiker sei unkompliziert: „Wir kennen uns alle.“ Für die Paketdienste sei es wichtig, dass der Standort für das Umverteilen möglichst zentral gelegen sei. Der Radius für Lastenfahrräder hänge nicht zuletzt von der Akkuleistung ab. Im Schnitt liege die Reichweite bei 60 Kilometer, sagt Zeh. Pro Tag könnten mit einem Lastenrad etwa 100 Pakete ausgeliefert werden. Der Schwerpunkt der Auslieferung werde in der Ludwigsburger Innenstadt und in der Weststadt liegen. Am Anfang schickt die DPD einen Fahrer mit einem Fahrzeug auf die Fahrt. „Wenn das richtig angelaufen ist, stellen wir einen zweiten Fahrer und ein zweites Rad zur Verfügung“, sagt Zeh.
„Mit diesem Pilotprojekt möchten wir die nachhaltige Logistik als Teil der nachhaltigen Mobilität und Stadtentwicklung in Ludwigsburg fördern“, erklärt Oberbürgermeister Matthias Knecht. In Stuttgart-Ost und -Bad Cannstatt, so der DPD-Sprecher, seien die Modellprojekte einer Paketzustellung per Lastenrad vor kurzem eingestelltworden. „Dort wurden uns die Flächen für die Mikrodepots gekündigt.“ Offenbar habe sich die Stadt danach nicht ausreichend um Alternativen bemüht.