Kurt Haller will den Ruhestand auf seinem Weg im Zeilwald genießen. Foto: factum/Granville

Im Ortswald gibt es nun den Kurt-Haller-Weg. Haller hat als Waldarbeiter den Forst geprägt wie kein anderer.

Hemmingen - Oft ist es nur ein Vorrecht der Verstorbenen, einen Platz oder eine Straße nach sich benannt zu bekommen. Nur selten gebührt die Ehre den Lebenden, die in ihrem Leben eine so besondere Leistung erbracht haben, dass sie von den Mitmenschen früh genug bemerkt wird, und sich die Frage stellt, warum man denn mit der Widmung bis zu dessen Tod warten sollte.

Einer dieser Lebenden ist Kurt Haller. Dem Hemminger, der lange Jahre als Waldarbeiter tätig war, ist im Zeilwald ein Weg gewidmet worden. Seit Anfang Juni gibt es dort nun den Kurt-Haller-Weg. Der Bürgermeister Thomas Schäfer sagt, dass es sicherlich ungewöhnlich sei, einer noch lebenden Person einen Weg zu widmen. Doch der Grund ist: ohne Haller kann sich der Bürgermeister den Hemminger Wald nicht vorstellen. „Er stand in den letzten Jahrzehnten als eine Art Synonym für den Wald“, sagt Schäfer. Derselben Meinung seien auch die Waldarbeiter-Kollegen und der Revierförster Steffen Frank gewesen. Aus diesem Grund habe man sich für die Widmung entschieden.

Besonders stolz ist er heute noch auf die Waldhütte

300 Meter lang ist der Weg, der quer durch den Zeilwald führt. Überrascht sei Haller gewesen, als man ihm bei einer Festlichkeit beim Abschluss der Forsteinrichtung mitteilte, dass man in dem Wald, den er in all den Jahren ins Herz geschlossen hat, einen Weg nach ihm benennen wolle. „Mir steht so etwas nicht zu“, sagt der 67-Jährige bescheiden. Aber dass es ihn wirklich ehrt, kann Haller nicht verbergen. Das merkt jeder, der ihm zuhört, wenn er vom Hemminger Wald erzählt.

Schon als Kind war Haller begeistert von der Pflanzenwelt. Sein Vater, einst Mitglied des Gemeinderats und der Waldkommission, nahm ihn als Zwölfjährigen mit den Wald. Und sein Patenonkel, Paul Marquardt, war Vorarbeiter der Waldarbeiter. Später wurde auch Haller zum Vorarbeiter.

Besonders stolz ist er heute noch auf die Waldhütte, die er 1987 zusammen mit drei anderen Waldarbeitern in nur sechs Wochen gebaut hat. Die Hütte befindet sich in der Nähe der Straße nach Hochdorf. Knapp fünfzig Meter, nachdem Haller in die Waldeinfahrt eingebogen ist, taucht linker Hand eine dunkelbraune Hütte aus Fichtenholz auf. Haller öffnet die Tür. Im Innenbereich hängen Gaslampen von der Decke, ein Ofen aus Ziegelsteinen wärmt bei Nacht und im Winter, und sogar eine Küche befindet sich hier. Die Hütte wird noch regelmäßig genutzt: Ob während der traditionellen Brennholzversteigerung oder als Pausenort für die Waldarbeiter. Haller klappt die Fenster auf, um den Raum zu lüften. „Nachher kommen die Hemminger Landfrauen für eine Waldbesichtigung“, sagt er.

Lothar und die katastrophalen Folgen für den Wald

Dann nimmt er einen Rahmen von der Holzwand. Ein glänzende Medaille und eine Urkunde stecken hinter der Glasscheibe. „Für außergewöhnliche Leistungen bei der Schadensbehebung nach dem Orkan Lothar“, steht auf dem Papier. Gezeichnet ist sie vom Revierförster Steffen Frank im Dezember 2000. Haller erinnert sich an Lothar und seine katastrophalen Folgen für den Hemminger Wald: „Es gab überwiegend alte Bäume. Viele wurden vom Orkan so stark beschädigt, dass wir sie abholzen mussten“, erzählt er. Monate später war der Zeilwald plötzlich kahler als zuvor. „Es hat einem die Tränen in die Augen getrieben.“

Der Mann, der eigentlich Landwirt gewesen ist und lange Jahre eine Schweinezucht auf einem Hof in Hemmingen betrieben hat, sagte heute: „Der Wald war bei mir immer an erster Stelle.“ Haller ist nun mit 67 Jahren in den Ruhestand gegangen. Künftig will er nicht mehr im Hemminger Wald arbeiten, sondern ihn nur noch genießen – entweder auf dem E-Bike oder mit seinen zwei Enkeln beim Spazieren, und sicher auch auf seinem Kurt-Haller-Weg.

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