Nicht nur weil er keine Lupe hat, meidet KNITZ Packungsbeilagen. Foto: dpa/Mascha Brichta

„Zu Risiken und Nebenwirkungen...“ Ein in die Jahre gekommener Warnhinweis bei Medikamenten wird gendergerecht umgedichtet.

Zu den banalsten, aber auch wahrsten Wahrheiten gehört die Erkenntnis, dass der Ton die Musik macht. Nicht nur Musikanten, findet KNITZ, sollten das beherzigen, sondern auch das maulende Volk.

 

KNITZ wird bei jedem Werbespot für Heilmittel daran erinnert, wie wichtig die Tonlage ist – und zwar immer dann, wenn gewissermaßen im Abspann eines Spots der Hinweis ertönt: „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“

Hohe Hypochonderquote

Am häufigsten ist der Spruch, der so im Paragrafen 4, Absatz 3, des Heilmittelwerbegesetz festgelegt ist, im Vorabendprogramm zu hören. Wohl hat die Reklamewirtschaft herausgefunden, dass zu dieser Zeit die Siechtums- und Hypochonderquote unter den Zusehenden besonders hoch ist.

Apropos hoch. Hochinteressant findet KNITZ, wie der Warnhinweis erklingt. Rein lautstärkemäßig scheint er stets etwas leiser zu sein als die eigentliche Reklame. Und egal ob eine Männer- oder eine Frauenstimme zu hören ist, „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ wird flüssig gesprochen, eher beiläufig. So wie: „Ach übrigens, wenn Du morgen Tante Mechthild triffst, sag ihr doch schöne Grüße.“

Kein Mensch käme bei so einem Tonfall auf die Idee, dass die eben angepriesenen Pillen oder das beworbene Sälble einen Schaden anrichten könnten. Längst ist „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ – ob im Original oder in abgewandelter Form – zu einem geflügelten Spruch geworden. KNITZ hat schon etliche Texte damit beendet, wenn ihm kein besserer Schluss eingefallen ist.

Doch nun sollen dem geflügelten Spruch die Flügel gestützt werden. Nach gut drei Jahrzehnten im Dienste der Volksgesundheit wird der Satz gendergerecht verändert, damit auch im letzten Bürger und der letzten Bürgerin die Erkenntnis keimen kann, dass es auch Ärztinnen gibt.

KNITZ vertraut auf Frau Doktor

KNITZ hätte das niemand sagen müssen. Er ist bei einer Frau Doktor in Behandlung und mit deren Diensten höchst zufrieden. Sein Vertrauen ist so groß, dass er nie die mit düsteren Nebenwirkungshinweisen angereicherten Beipackzettel liest. Sie wird schon wissen, was sie ihm verschreibt.

In einem Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministeriums ist bereits zu lesen, wie der neue Hinweis lauten soll: „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.“

KNITZ weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber er findet, der Entwurf holpert, kommt lang nicht so geschmeidig über die Lippen. Außerdem: Müsste es nicht heißen „fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke nach“? Doch vielleicht ist das ja auch Teil des Plans, dass der Hinweis nicht mehr so lapidar dahingesagt werden kann.

Fasst man übrigens Psychotherapeuten und Ärzte zusammen, dann sind inzwischen Frauen in diesen Berufsgruppen, wenn auch nur knapp, in der Überzahl. Eigentlich verblüffend, findet KNITZ, dass es so weit kommen konnte, wo doch Frauen in dem Warnhinweis seit einer halben Ewigkeit unterschlagen wurden.