Die Niedrigzinspolitik zwingt die Volksbanken zu Fusionen. Foto: dpa/Marijan Murat

Rund 9,7 Milliarden Euro Kundenvolumen: im Südwesten entsteht ein neuer Volksbank-Riese.

Kreis Böblingen/Reutlingen - Vom Schwarzwald bis zur Schwäbischen Alb spannt sich das Investitionsgebiet der neuen Volksbank, die am 2. Oktober entstehen soll. Die fünf Banken aus Calw, Böblingen Sindelfingen, vom Schönbuch und aus Weil der Stadt, die bisher unter dem Namen Vereinigte Volksbank firmieren, haben mit der Volksbank Reutlingen einen neuen Partner gefunden, die Fusionsgespräche laufen seit Februar. Wenn die Vertreter-Versammlung zustimmt, und davon gehen alle Entscheider aus, wird Reutlingen am 23. November unter dem Dach einer neuen Genossenschaft stehen, die dann einen Plural im Namen hat: Vereinigte Volksbanken soll das neue Institut heißen, das dann zu den ganz großen Volksbanken in Baden-Württemberg zählen wird.

„Keine fusionsbedingen Kündigungen.“

Zu diesem Schritt bewogen hat die Verantwortlichen vor allem der wirtschaftliche Druck, der durch die Niedrigzinspolitik auf den Banken lastet. Die sich nach Ansicht von Experten abzeichnende Wirtschaftskrise macht das Geschäft für die Geldinstitute nicht gerade einfacher. Also galt es, durch die Fusion mit Reutlingen Synergie-Effekte zu erzeugen. Was aber für die beiden Vorstandsvorsitzende nicht bedeute, Geschäftsstellen zu schließen und Personal abzubauen. „Es gibt keine fusionsbedingten Kündigungen“, verspricht Siegfried Arnold, der Chef der Volksbank Reutlingen.

Auch Wolfgang Klotz, der Vorstandsvorsitzende der Vereinigten Volksbank, bekräftigt, dass er die Fläche weiterhin bedienen wolle, schon allein wegen des Vertrauens, den die Mitarbeiter in der Region genössen. „Ein Reutlinger Handwerker, der einen Kredit braucht, der muss auch einen Ansprechpartner in Reutlingen finden“, sagt Klotz.

Die Zusammenschlüsse nehmen zu

Dennoch werde die Bank die natürliche Fluktuation im Unternehmen ausnutzen, und möglicherweise langfristig Personal abzubauen, sagt Arnold. Mittelfristig wollen die beiden Banken durch die Fusion in den nächsten fünf Jahren rund 15 Millionen Euro einsparen.

Die Zahlen der neuen Bank sind beeindruckend: Rund 76 000 Mitglieder hat die Genossenschaft. Sie versorgt 180 000 Privatkunden und 11 000 Firmenkunden, sie verwaltet ein Kundenkreditvolumen von rund 3,3 Milliarden Euro und ein Kundenvolumen von 9,7 Milliarden, die Bilanzsumme beträgt rund 4,3 Milliarden Euro. Wolfgang Klotz wird der Vorstandsvorsitzende der neuen Bank sein und Siegfried Arnold sein Stellvertreter. Sie geben die Leitlinien vor für 760 Mitarbeiter, die in 77 Geschäftsstellen ihren Dienst tun.

Weil die Zeiten schwerer werden, geht Wolfgang Klotz davon aus, dass auch die Fusionen zunehmen werden. Schon jetzt signalisiert er seinen Bank-Kollegen, dass er jederzeit zu Verhandlungen bereit sei.

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