Der traditionsreiche Steinheimer Handwerksbetrieb hat im benachbarten Murr (Kreis Ludwigsburg) ein neues Domizil gefunden. Dort besteht auch Potenzial für eine Erweiterung.
Wer durch die Friedrichstraße in Steinheim spaziert, stößt unweigerlich auf den Namen Daunquart. Das Firmenlogo des Sanitär-, Blech- und Heizungsspezialisten prangt an mehreren Gebäuden. Das Unternehmen ist tief in der Stadt verwurzelt. Vor 141 Jahren wurde der Betrieb hier aus der Taufe gehoben. Es fiel den Geschäftsführern Martin und Maxim Daunquart folglich nicht leicht, den Sitz nach so langer Zeit aus Steinheim weg zu verlagern. Doch inzwischen ist der Umzug über die Bühne gegangen – und die Fäden laufen in der Raiffeisenstraße 18 im benachbarten Murr zusammen.
„Es ist schon eine komische Situation. Wir wären gerne in Steinheim geblieben“, sagt Maxim Daunquart. Aber hinter der Entscheidung hätten betriebswirtschaftliche Erwägungen gestanden. Der neue Standort im Murrer Gewerbegebiet biete viele Vorteile, erklärt der 35-Jährige, der Energie- und Gebäudetechnik studiert hat.
Spielraum für eine mögliche Erweiterung
Unter anderem sei das Grundstück dort mehr als 1000 Quadratmeter größer. Eine brachliegende Wiese hinter dem Büro-, Werkstatt- und Lagerkomplex verschaffe Spielraum für eine mögliche Erweiterung. Zum Beispiel könnte hier ein Gebäude für die Schauräume hochgezogen werden. Die Ausstellung ist als einziger Teil des Firmen-Portfolios in der alten Heimat verblieben. „Verkehrlich ist die Lage auch besser“, erklärt Martin Daunquart und erinnert an die vergleichsweise schmale Friedrichstraße in Steinheim, durch die sich die Transporter des Unternehmens tagtäglich manövrieren mussten.
Allerdings, betonen er und sein Sohn Maxim, habe es auch in Steinheim funktioniert. Und manche Kunden hätten gerade die zentrumsnahe Lage geschätzt, weil man fußläufig vorbeischauen und sich zum Beispiel auf die Schnelle einen neuen Wasserhahn besorgen konnte. Doch in letzter Zeit sei die räumliche Situation „schwierig“ gewesen, wie Maxim Daunquart berichtet. Vor einigen Jahren sei dem Betrieb der Mietvertrag für ein Gebäude in der Friedrichstraße gekündigt worden. Interimsmäßig habe man eine Lagerhalle im Gewerbegebiet Kreuzwegäcker gepachtet. Doch dort habe man sich mit einem Drittel der bisherigen Fläche arrangieren müssen.
„Es ist schon eine komische Situation. Wir wären gerne in Steinheim geblieben.“
Maxim Daunquart, Geschäftsführer
So reifte die Idee, sich nach einer Alternative umzuschauen, bei der man auch die über mehrere Gebäude verteilten Lager, Büros und die Werkstatt in einer zentralen Immobilie würde bündeln können. „Wir haben zwei bis drei Standorte in Steinheim für einen Neubau überprüfen lassen“, sagt Maxim Daunquart. Doch stets gab es irgendwo einen Haken. In einem Fall lag das Grundstück im Hochwassergebiet, im anderen hätte eine Wasserleitung auf dem Areal den Handlungsspielraum eingeschränkt. Bei einem dritten Areal sei die Topografie so anspruchsvoll gewesen, dass man zu viel Geld in die Hand hätte nehmen müssen. Ein Neubau sei somit wirtschaftlich nicht sinnvoll gewesen, konstatiert er.
Schließlich ging aber doch ein Türchen auf. Maxim und sein Vater Martin standen mit der Kreissparkasse wegen der Finanzierung in Kontakt. Das Kreditinstitut regte als Alternative an, über den Erwerb eines Bestandsgebäudes nachzudenken. „Wir haben gesagt: ‚Klar, warum nicht, wenn es passt.’ Zwei oder drei Wochen später stand der Makler vor der Tür und meinte, er hätte etwas, das passen könnte“, erzählt Daunquart.
Gemeint war die Gewerbeimmobilie in der Raiffeisenstraße 18 in Murr, die sich in privater Hand befunden habe und von der man umgehend angetan gewesen sei. „Am 9. September war der Notartermin und am 1. November die offizielle Übergabe“, erklärt Maxim Daunquart. In dem Gebäude sei zuvor ein Automobilzulieferer angesiedelt gewesen, der Insolvenz angemeldet habe.
Alles in allem habe man 3,5 Millionen Euro für das Gebäude samt Umgestaltung investiert. Die Immobilie sei nicht einmal zehn Jahre alt. Die Büros habe man ohne aufwändige Modernisierungen beziehen können, auch einen großen Teil der Ausstattung übernommen. Das Gros des Umzugs habe man innerhalb von zehn Tagen bewerkstelligt. Seit dem 19. Januar laufen die Fäden bei Daunquart in Murr zusammen.
Im Frühjahr wird das auch an der Fassade deutlicher erkennbar sein, wenn die Schriftzüge des Vorgänger-Unternehmens abgezogen und durch den eigenen ersetzt werden – ganz so, wie man es aus der Friedrichstraße in Steinheim kennt.
Was dort nach dem Auszug mit den frei gewordenen Häusern geschieht, steht noch in den Sternen. „Vom Büro für einen Steuerberater oder eine Versicherung über ein Café ist vieles denkbar. Optimal wäre eine Vermietung. Das sind aber mittelfristige Überlegungen. Priorität hat gerade, in Murr alles am Laufen zu halten“, sagt Maxim Daunquart.
Mitarbeiter und Sparten
Gründung
Die Firma wurde 1885 von Carl Daunquart gegründet. Die Werkstatt stand damals in einem Haus, das bei den Steinheimern als Schlössle bekannt ist. Seit 1929 agiert der Handwerksbetrieb von der Friedrichstraße aus, aktuell mit 30 Mitarbeitern, darunter sechs Auszubildende.
Farben
Im Logo von Daunquart schimmern vier Farben, die für die vier Zweige des Betriebs stehen: blau für den Sanitärbereich, gelb für die Planung von Komplettbädern, rot für den Heizungsbau und grün für Arbeiten mit Blech. Mit Letzterem fing vor 141 Jahren übrigens alles an.