Wenn die Sommertage besonders heiß sind, ächzen vor allem die Städte unter der Hitze. Esslingen wappnet sich mit einem Schattenweg. Als Teil des Projekts wurde nun ein Trinkwasserbrunnen am Schelztorturm eingeweiht.
Es war die Esslinger Variante des bayerischen „O’zapft is“. Doch anders als beim Münchner Oktoberfest sprudelte kein Bier, sondern kristallklares Wasser. Das machte aber gar nichts. Im Gegenteil. „Schmeckt wunderbar. Wasser ist überhaupt unser wichtigstes Lebensmittel“, meinte Oberbürgermeister Matthias Klopfer bei der Einweihung eines neuen Brunnens in der Esslinger Innenstadt. Im Schatten des Schelztors soll der „Coolspot“ an heißen Sommertagen für Erfrischung, Abkühlung und Aufmunterung sorgen.
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Unscheinbar sieht er aus. Keine opulenten Formen, keine Skulpturen oder Inschriften, kein großes Wasserbassin – dieser Brunnen ist anders. Eine schlichte, an der höchsten Stelle etwa 1,25 Meter lange Stele mit einem Druckknopf, steht da am Rande einer Grünfläche. Doch respektlose Bemerkungen zum eher unauffälligen Äußeren des neuen Brunnens lässt Jörg Eckert nicht gelten. Der technische Leiter und Prokurist der Stadtwerke Esslingen (SWE) beschreibt den Neuen als ein hochintelligentes und hochtechnisches, ja gar hochtechnologisches Kunstwerk. Nach einem Druck auf den Knopf landet ein dünner Strahl mit kühlem Leitungswasser genau 30 Sekunden lang im Idealfall direkt im Mund eines Durstigen. Unabhängig von der Betätigung des Druckknopfes läuft das Wasser am Brunnen aber auch alle 30 Minuten selbsttätig für 15 Sekunden. Durch diesen automatischen Vorgang würden die Hygiene, die Schmackhaftigkeit sowie die Wasserqualität gewährleistet, sagt Eckert.
Stele mit Hightech
Die großen Brunnen führen nach Angaben der Stadtwerke alle kein Trinkwasser. Denn wenn das Wasser lange steht, nicht fließt und nicht bewegt wird, wird es schal, ungenießbar und ungesund. Doch die Röhren im neuen Trinkwasserbrunnen sind extra dünn gehalten, damit das Wasser schön spritzig bleibt. Für den Brunnen gelten die gleichen Regeln wie für Winterreifen: Die Faustformel „O bis O“ kann auch hier angewandt werden. Von Oktober bis Ostern wird der Brunnen abgebaut und im Lager der Stadtwerke eingemottet. Pünktlich zu Frühjahr und Sommer wird er aber alljährlich wieder installiert.
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Gut eineinhalb Jahre Vorarbeit seien nötig gewesen, bis der Brunnen in Betrieb gehen konnte, berichtet Eckert. Abstimmungen mit Gesundheitsamt und Landesdenkmalamt seien erfolgt. Und ein Wunderwerk der Technik sei der Brunnen auch. Er ist beispielsweise per Funk mit der Stadtwerkezentrale verbunden und meldet sich automatisch dort, wenn eine Störung vorliegt oder eine Reparatur notwendig ist.
Lange Vorarbeit
Der Brunnen am Schelztorturm soll nicht der einzige seiner Art bleiben. Ein, vielleicht sogar noch zwei weitere Anlagen sind in diesem Jahr in der Innenstadt geplant, verrät Katja Walther von der städtischen Stabsstelle Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Die genauen Standorte stünden jedoch noch nicht fest. Sie sollen in den nächsten Wochen benannt werden: „Wir sind noch in der Findungsphase.“ Die Brunnenensembles sollen Teil des geplanten Esslinger Schattenwegs sein. Es handle sich dabei um einen Rundkurs. Zu Länge und Verlauf will sie noch nichts Konkretes sagen, in einer Mitteilung der Stadtverwaltung heißt es dazu: „Auf einer West-Ost-Achse verbindet der Schattenweg bereits vorhandene sowie noch entstehende Grünanlagen und nutzt dabei bestehende Verschattungselemente wie Baumreihen und Sitzgelegenheiten. Die Stadtwerke sind dabei mit an Bord. „Wasser ist ja schließlich eines unserer Kerngeschäfte“, sagte der Geschäftsführer Jörg Zou bei der Brunneneinweihung. Die Stabsstelle Nachhaltigkeit und Klimaschutz der Stadt habe den Brunnen gekauft, die SWE haben ihn installiert und seien fortan auch für den Betrieb zuständig.
Aktiv gegen den Klimawandel
Die Brunnen und der Schattenweg sind Teil eines Maßnahmenpakets. Im Kampf gegen den Klimawandel, heiße Sommer und eine Erhitzung der Innenstädte bei hohen Temperaturen will die Stadt Esslingen nach eigenen Angaben die Stadtbäume stärken. Dazu sollen im Sommer Wassersäcke an den Stämmen angebracht und die Stämme weiß angemalt werden, damit das Sonnenlicht besser reflektiert wird. Aber auch der Schattenweg und die neuen Brunnen sollen eben Abkühlung an heißen Tagen liefern.
Der Esslinger Schattenweg
Verantwortliche
Der Brunnen soll Teil des geplanten Schattenwegs werden. Dieses Projekt wird von der Stabstelle Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Rahmen des vom Oberbürgermeister Matthias Klopfer ausgerufenen „Jahres der Innenstadt“ geleitet.
Verlauf
Der Esslinger Schattenweg soll auf einer West-Ost-Achse als Rundkurs durch die Innenstadt verlaufen. Laut Katja Walther von der Stadt Esslingen werden der Schillerpark und nach seiner Umsetzung auch der Neckaruferpark miteingebunden.
Ausgestaltung
Vorhandene Gewässer und Brunnenanlagen sollen als „blaue Flecken“ der Innenstadt in den Schattenweg integriert werden. Geplant sind außerdem „Coolspots“ mit Sitz- und Spielmöglichkeiten sowie Trinkwasserspendern.