Giannis Athanasopoulos hat bei Allianz MTV künftig das Sagen auf der Bank. Foto: Baumann

An diesem Montag geht’s wieder los: Die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart starten in die Vorbereitung in die Saison – mit dabei sind der neue Trainer Giannis Athanasopoulos und sechs Spielerinnen.

Stuttgart - Die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart starten in die Vorbereitung in die Saison. Zuvor steht der neue Trainer Giannis Athanasopoulos in einem Interview Rede und Antwort.

– Herr Athanasopoulos, haben Sie Ihren Urlaub denn genießen können oder komplett mit dem Videostudium von Gegnern und Neuzugängen verbracht?
Das nicht, aber ich war einen Monat lang in verschiedenen Trainingscamps in Italien und Kroatien, um dort schon potenzielle Spielerinnen im Hinblick auf das nächste Jahr zu beobachten, zum Beispiel von Collegeteams aus den USA. Das zahlt sich später vielleicht aus. Bei solchen Gelegenheiten habe ich zum Beispiel auch Valerie Nichol oder Michaela Mlejnkova entdeckt.
An diesem Montag starten Sie erst einmal mit dem Training zur nächsten Saison. Sind denn schon alle Frauen an Bord?
Leider nicht. Uns fehlen die vier Nationalspielerinnen Femke Stoltenborg und Nika Daalderop aus den Niederlanden, Michaela Mlejnkova aus Tschechien und auch unsere neue Libera Teodora Pusic, die mit Serbien unterwegs ist. Wenn ein Team bei der EM in Aserbaidschan und Georgien das Finale am 1. Oktober erreicht, werden sie erst am dritten oder vierten zurücksein und am achten Oktober ist schon Supercup in Hannover. Außerdem fehlt noch Jenna Potts, die ein paar Tage länger frei hat und Julia Schäfer wegen Prüfungen, so dass beide erst Ende der Woche zur Verfügung stehen. Es wird also nicht so einfach, die Mannschaft aufzubauen – aber wir versuchen unser Bestes.
Unabhängig von diesen Probleme, sind Sie denn mit dem Kader zufrieden?
Natürlich hätte ich gerne die besten Spielrinnen der Welt, aber das ist eine Frage des Geldes (lacht). Ja, ich bin wirklich glücklich. Wie alle wissen, mussten wir den Etat etwas herunterschrauben, aber für unsere finanziellen Möglichkeiten haben wir das Optimale daraus gemacht. Inzwischen wollen viele Spielerinnen nach Stuttgart kommen, weil sie wissen, dass sie hier den nächsten Schritt ihrer Entwicklung machen und dann dorthin wechseln können, wo sie mehr Geld verdienen. Siehe letzte Saison Kaja Grobelna oder jetzt Valerie Nichol, die nach Polen gewechselt sind.
Sie sind schon drei Jahre hier. Ist das ein Vorteil oder eher Nachteil, nachdem Sie vom Co-Trainer zum Chef aufgestiegen sind und nun moch mehr in der Verantwortung sind?
Ich muss damit umgehen, es ist meine persönliche Angelegenheit. Natürlich ist es ein Vorteil, dass ich hier alles kenne und mich jeder respektiert, aber manchmal muss ich jetzt eben auch harte Entscheidungen treffen, das ist die Aufgabe des Chefcoachs. Aber ich habe bereits mit allen Spielerinnen persönlich oder via Skype gesprochen, so dass ich keine größeren Probleme erwarte. Ich schätze mich jedenfalls glücklich, dass ich mein Hobby zum Beruf machen kann.
b>„Wir achten auf den Charakter“
Was erwarten Sie von den neuen Spielerinnen, machen sie die Mannschaft stärker?
Alle sind sehr ambitioniert und auch bereit, hart zu arbeiten. Die wichtigste Aufgabe wird sein, eine Einheit zu formen, danach kommt alles andere. Deshalb achten wir bei der Auswahl der Spielerinnen auch sehr stark auf den Charakter, weil auf dem Feld jeder für jeden da sein muss.
Können Sie vielleicht ein paar Worte zu Femke Stoltenborg sagen, die ja schon mal hier war, aber keine so erfolgreiche Zeit hatte.
Man muss berücksichtigen, dass Femke als erste Zuspielerin nach Stuttgart kam, doch dann hatte Valerie Nichol ein sehr gutes Jahr, so dass sich zwischen den beiden ein Konkurrenzkampf entwickelte. Femke hat gewisse Charakterzüge im Spiel, die Valerie nicht hat – und umgekehrt. Aber ich wollte sie unbedingt und habe großes Vertrauen in sie. Aber auch in Pia (Pia Kästner, Anm. d. Red.) Sie hat großes Potenzial, so dass sich auch da ein Zweikampf entwickeln kann.
Der Vorwurf an Ihren Vorgänger Guillermo Hernandez lautete ja, er würde zu wenig wechseln. Wird das anders werden?
Natürlich will ich alle spielen lassen und ihr Spielzeiten geben, aber sie sich im Training aufdrängen. Niemand hat einen Stammplatz, wirklich niemand, jede bekommt ihre Chance. Ich sage: Zeig mir, dass ich spielen will! Unterm Strich will ich nur das beste für die Mannschaft. Und da kannst du keine zwölf glücklichen Spielerinnen haben, sonst läuft etwas schief.

„Ich muss den Kopf hinhalten

Welche Rolle spielt Ihre Co-Trainerin Tamari Miyashiro, die schon in Stuttgart gespielt hat?
Sie ist eine große Persönlichkeit, die ihre Karriere wegen Knieproblemen beenden musste. Und sie sammelt jetzt als Co-Trainerin der US-Nationalmannschaft wichtige Erfahrungen, deshalb wird auch sie erst Mitte September hier sein. Außerdem ist sie eine Frau, das ist nicht schlecht für die Spielerinnen und mal ein anderer Ansatz. Sie wird als ehemalige Libera für Abwehr und Annahme verantwortlich sein, aber auch in alle Entscheidungen einbezogen, nur: letztendlich muss ich den Kopf hinhalten.
Wie stark schätzen Sie die Liga ein, bleibt es bei den üblichen Verdächtigen?
Natürlich sind Schwerin und Dresden starke Konkurrenten, aber auch Potsdam – und Vilsbiburg baut eine neue Mannschaft auf. Man darf in der Bundesliga jedenfalls keine Mannschaft unterschätzen, sonst hat man schnell mal verloren.
Sie haben drei erfolgreiche Jahre hinter sich. Was wird sich ändern?
Ich denke nicht allzu viel, weil – wie gesagt – die letzte Zeit sehr erfolgreich war und deshalb nicht alles falsch sein konnte. Ich werde aber versuchen, ein paar neue Ideen einzubringen und schon in der Vorbereitung etwas mehr Wert auf Teambuildung-Maßnahmen legen. Das war bisher kein großes Problem, aber ich denke trotzdem, dass wir uns in diesem Bereich noch verbessern können.

„Habe noch Kontakt zu Guillermo“

Sie pflegten eine Freundschaft zu Guillermo Hernandez, der gehen musste. Ist da zwischen Ihnen beiden etwas hängen geblieben?
Nein, überhaupt nicht. Natürlich war es nicht leicht, als er nach drei Jahren gehen musste. Aber wir haben nach wie vor regelmäßig Kontakt und ich wünsche ihm bei seiner neuen Aufgabe in Rumänien alles Gute. So ist eben das Leben.
Die deutschen Beachvolleyballerinnen blicken auf eine Erfolgreiche WM zurück, färbt das auf das Volleyball ab?
Ich muss zunächst mal sagen, dass ich keinen so großen Bezug zum Beachvolleyball habe. Aber wir kennen die Spielerinnen ja zum Teil hier vom Olympiastützpunkt und haben regelmäßig Kontakt mit ihnen. Und generell ist jeder Erfolg im Volleyball gut für die Sportart – egal ob auf Sand oder in der Halle.

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