Wilfried Porth ist für zwei Jahre gewählt – „dann sehen wir weiter“, sagt er. Foto: dpa/Marijan Murat

Der neue Südwestmetall-Vorsitzende Wilfried Porth ist Konfrontation von Daimler gewohnt, wo er gerade mit dem Betriebsrat im Clinch liegt. Dass dieser Funke auf die nahe Tarifrunde der Metallindustrie überspringen könnte, schließt er nicht aus. Besonders auf einen Vorschlag ist er nicht gut zu sprechen.

Stuttgart - Bei Daimler geht es gerade hoch her – jetzt wird ausgerechnet dessen Personalvorstand Wilfried Porth noch Verhandlungsführer der Arbeitgeber in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie. „Ich habe mir das gut überlegt“, sagt der Südwestmetall-Chef bei seinem ersten Auftritt im neuen Amt vor Journalisten. Aus seiner Sicht sei es dafür genau der richtige Zeitpunkt. „Denn die Themen, die uns in Untertürkheim, Sindelfingen oder anderswo bewegen, sind exakt die Themen, die uns in der Industrie bewegen.“

 

Da könne es schon sein, dass der Funke von Daimler auf die Tarifverhandlungen überspringt. „Aber dann springen die Themen über, die im Moment für alle schwierig sind“, sagt er. „Diesen Themen müssen wir uns stellen – unabhängig davon, woher der Vorsitzende des Verbandes kommt.“ Daimler sei von all den Problemen der Industrie „massiv betroffen“ – auch über seine Zulieferer. „Daher ist es für den Verband ein Zeichen, auf denjenigen zu setzen, der ein Spiegelbild dieser Situation ist und auch eine Stimme hat.“ Daimler eben. Daher hätte sich der Südwestmetall-Vorstand dazu entschlossen, mit seiner Wahl zum Vorsitzenden „dieses Thema offensiv anzugehen“.

„Berechenbar, aber mit harten Positionen“

Als „geradlinig und faktenorientiert“ beschreibt Porth seinen Verhandlungsstil. „Ich bin berechenbar, habe aber schon harte Positionen – und die vertrete ich dann auch.“ Dass er am Ende trotzdem kompromissfähig sei, zeige auch seine lange Amtszeit bei Daimler – in den zwölf Jahren als Personalvorstand sei er auch von der Arbeitnehmerseite stets bestätigt worden.

Die IG Metall muss sich dennoch auf konfrontative Verhandlungen einstellen. Porth will nicht nur über einen „breiten Strauß“ von Möglichkeiten diskutieren, um die Arbeitskosten zu senken – über die Pausenregelungen etwa. Auch will er, was die Arbeitgeber seit Langem beklagen, endlich die Komplexität der Tarifverträge angehen und den Betriebsparteien mehr Entscheidungsfreiheiten lassen. Insbesondere die Gewerkschaftsforderung nach einem Volumen von vier Prozent mehr Geld entweder für Lohnerhöhungen oder als Zuschuss bei einer Arbeitszeitverkürzung „lässt mich erst mal nicht besonders optimistisch sein“, sagt er. Die Tarifpartner hätten Zeit, eine Lösung zu finden. Aber „die Ausgangsforderung ist mit Sicherheit nicht hilfreich“.

Kein Verständnis für eine Viertagewoche

Vor allem kann Porth der Viertagewoche, die die IG Metall durchsetzen will, wenig abgewinnen. „Ich habe die Logik noch nicht ganz verstanden, wie wir Arbeitskosten senken und wettbewerbsfähiger sein wollen, wenn man die Arbeitszeiten senkt und über Zuschüsse die Kosten erhöht – das kann nicht funktionieren.“ Deshalb sei es nicht überraschend, „dass ich von dieser Forderung gar nichts halte“. Zwar sollte man kürzere Arbeitszeiten ermöglichen, dann aber ohne Teillohnausgleich, „damit es den Unternehmen wirklich hilft“. Arbeitsplätze könne man nicht durch Vereinbarungen absichern, wie die IG Metall sie vorschlage.

Porth will sich bei Südwestmetall voll einbringen, obwohl er schon etliche Aufgaben hat. „Wenn ich mich für etwas entscheide, dann kümmere ich mich auch, dann bin ich dabei – das gilt für diesen Posten ganz besonders, weil er nah an dem ist, was ich als Aufgabe beim Daimler habe.“ Gewählt ist er für eine Amtsperiode bis Mitte 2022 – dann sehe man weiter, so der 61-Jährige. „Vom Alter her werde ich irgendwann in Rente gehen – das ist alles hervorragend geplant.“ Im Moment gelte es aber, „die nächste Tarifrunde mit absoluter Priorität zu meistern“.