Der Landesrechnungshof empfiehlt mit Blick auf die Kunstakademie Karlsruhe die Schließung der renommierten Außenstelle Freiburg. Foto: dpa

In der Kulturpolitik des Landes droht ein neuer Streit. Der Landesrechnungshof empfiehlt mit Blick auf die Kunstakademie Karlsruhe die Schließung der renommierten Außenstelle Freiburg. 115.000 Euro sollen so eingespart werden. Auch die Atelier-Förderung für ­Absolventen der Kunstakademien in Stuttgart und Karlsruhe soll wegfallen.  

Stuttgart/Karlsruhe - Während beim Thema Musikhochschulen ­alles auf den Vorschlag von Dietrich Birk (CDU), vormaliger Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, hinausläuft, ohne Vorbehalt und unter Einbindung aller Landtagsfraktionen einen neuen Dialog zu beginnen, droht an anderer Stelle bereits neues Ungemach: Die traditionsreiche Außenstelle Freiburg der Kunstakademie Karlsruhe soll geschlossen ­werden. Dies fordert der Landesrechnungshof in seiner Denkschrift 2013.

In der den Stuttgarter Nachrichten vorliegenden Stellungnahme des Landes heißt es hierzu, es werde „die Aufgabe der Außenstelle Freiburg nochmals eingehend prüfen“. Man ist offenbar vorsichtiger als beim Thema Musikhochschulen. Ernst Caramelle, Rektor der Karlsruher Kunstakademie, will sich bisher nicht zu diesen Empfehlungen äußern. Spielt also die Akademie selbst mit der Konzentration auf Karlsruhe? Richtig bleibt in diesem Zusammenhang, dass es leicht ist, etwas Gewachsenes zu streichen, dass es aber kaum gelingt, etwas, das einmal verschwunden ist, neu zu beleben.

Kunstakademien fürchten qualitativen Einbruch der kunstwissenschaftlichen Lehre

In diesem Sinn darf man an die vor allem mit dem Namen Peter Dreher verbundene Bedeutung der Außenstelle Freiburg erinnern – und daran, dass Kunsthochschulen die umfassenden Rahmenbedingungen von der Berufung von Lehrenden bis hin zum Angebot vor Ort nur schwer steuern können.

Eine zweite Empfehlung des Landesrechnungshofs bleibt unkommentiert – nämlich „künftig keine Mietzuschüsse mehr für die Anmietung eines Ateliers durch Absolventen zu gewähren“. Eben dies aber birgt durchaus noch einiges Konfliktpotenzial, wird doch die wirtschaftliche Startlage für Absolventen der Kunstakademien immer schwieriger und zugleich das Ringen der Städte um herausragende junge Künstlerinnen und Künstler immer härter.

Nicht der Rechnungshof, sondern die ­baden-württembergische Landesregierung selbst wiederum dürfte für die weitaus größere Aufregung in den kommenden Monaten sorgen. Seit längerem gibt es nach Informationen der Stuttgarter Nachrichten Überlegungen, die Kunstakademien in Stuttgart und Karlsruhe nicht nur für die Ausbildung künftiger Kunsterzieher an Gymnasien, sondern auch für Studierende der Pädagogischen Hochschulen zu öffnen. Die Kunstakademien befürchten einen qualitativen Einbruch der kunstwissenschaftlichen Lehre und ein grundsätzliches Missverständnis bezüglich der Wertigkeit des Kunstunterrichtes. Dieser muss an Grund- wie an den weiterführenden Schulen tatsächlich dringend qualitativ verbessert werden. Und spätestens hier schließt sich der Kreis zu den Musikhochschulen und zu der Frage, wie die künstlerische Ausbildung der Zukunft gestaltet sein soll.

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