Platz für Arbeit, Bildung, Wohnen soll auf dieser Fläche im Herrenberger Süden entstehen. Etwa 47 Hektar groß ist die Fläche für den komplett neuen Stadtteil entlang der Gültsteiner Straße. Foto: / Bischof/Archiv

Die Aufgabe ist gewaltig: Bis 2040 will Herrenberg einen neuen Stadtteil mit Kitas, Schulen, Gewerbe und Wohnungen für rund 3000 Bürger aus dem Boden stampfen. Dafür nimmt die Gemeinde 202 Millionen Euro in die Hand und muss rund 260 Grundeigentümer an einen Tisch bringen.

Es dürfte die größte Neugründung seit der Nachkriegszeit sein, die jetzt die Herrenberger Verwaltung schultert. Im Süden von Herrenberg entlang der Gült-steiner Straße entsteht ein neuer Stadtteil, Herrenberg-Süd. Auf 47 Hektar gibt es Kindertagesstätten, Schulen und Wohnbebauung, vom verdichteten Bauen bis zur lockeren Einfamilienhaus-Siedlung. Auf mehr als 15 Hektar wird die Fläche für das reine Wohnen angegeben, damit würde die Einwohnerzahl von Herrenberg von etwas mehr als 33 000 Einwohnern um knapp zehn Prozent zunehmen.

 

Das letzt Wort hat das Regierungspräsidium

Am Dienstag wurde das rund 300 Seiten umfassende Planwerk in den Gemeinderat eingebracht, das „wir nun in den kommenden Wochen und Monaten gemeinsam diskutieren werden“, sagte der Herrenberger Oberbürgermeister Thomas Sprißler. Die Verabschiedung der Beschlussvorlage ist für den Mai vorgesehen, das letzte Wort dazu hat aber das Regierungspräsidium, das die Maßnahme genehmigen muss.

Die Rede war an diesem Abend im Gemeinderat auch von der gesellschaftlichen Verantwortung der Stadt, neuen Wohnraum zu schaffen. Die Zuzugsrate nach Herrenberg sei zwar gering, führte die Herrenberger Baubürgermeisterin Sabine Schreiber aus. Das bedeute jedoch nicht, dass die Bürger nicht in die Stadt ziehen wollten, sondern nur, dass es sie nicht könnten, weil eben kein Wohnraum vorhanden sei. Im Gegenteil, man sehe an der ständigen Zunahme von Pendlern nach Herrenberg, dass der Bedarf von Wohnraum immens sei.

Eine Menge Verhandlungsgeschick

Eine Menge Verhandlungsgeschick wird die Gemeinde brauchen, um die Grundeigentümer an einen Tisch zu bringen. Zu Beginn der Akquise hatten mehr als 260 Bürger auf dem Gebiet Eigentumsrechte. Nachdem schon etwa 40 Bürger verkauft haben, sind es jetzt noch 220 Herrenberger, mit denen die Stadt sprechen muss. Knapp 160 Eigentümer hätten zur Kaufofferte der Stadt erst einmal „nein“ gesagt. Die Baubürgermeisterin Susanne Schreiber zeigte sich überzeugt, dass in den jetzt folgenden Gesprächen eine für alle Seiten gute Lösung gefunden werden könne. Am meisten betroffen sind vier Landwirte, die auf dem Gebiet Ackerbau betreiben. Laut einem Gutachten der Stadt ist der Verlust der Felder für einen einzigen Betrieb existenzbedrohend, hier will die Gemeinde für Tauschflächen oder Ausgleichsflächen sorgen.

Rund 202 Millionen Euro werden unter anderem durch Grundstückskäufe und -verkäufe auf dem Areal umgesetzt. Die Stadt wird nach den Berechnungen der Stadtkämmerei bislang rund sieben Millionen Euro Verlust erleiden, ein Betrag, der aus dem laufenden Haushalt finanziert werden soll. Um das Stadtsäckel nicht übermäßig zu belasten, sollen künftig pro Jahr etwas mehr als 400 000 Euro für Herrenberg-Süd eingerechnet werden.

Drei Jahre hat die Stadtverwaltung geplant, um nun dem Gemeinderat den Plan für Herrenberg-Süd vorlegen zu können. Gemäß den modernen Erkenntnissen von Stadtplanung werden Wohnen, Schulen und Arbeitsplätze zusammenrückt, damit Verkehrsprobleme erst gar nicht entstehen können. Thomas Sprißler ist es wichtig, ein gut durchmischtes Gebiet zu haben, in denen junge Familien und Rentner gleichermaßen zusammen leben, das gut mit dem ÖPNV angebunden ist und das zukunftsfähige Arbeitsplätze bietet. Neben Gewerbe plant die Stadt eine Kindertagesstätte und eine Grundschule. Auch sollen dort eine weiterführende Schule und eine Sporthalle entstehen, die aber nicht nur dem Stadtteil, sondern auch der Gesamtstadt zu Gute kommen sollen.

Fahrplan der Entscheidungen

19. April
 An diesem Tag endet die Frist, an der Bürger Fragen an die Stabsstelle Herrenberg-Süd richten können. Die Mitarbeiter der Stadt bitten darum, die Fragen schriftlich zu stellen, die E-Mail-Adresse dazu lautet sued@herrenberg.de.

9. Mai
Öffentliche Informationsveranstaltung in der Herrenberger Stadthalle.

16. Mai
Erste Vorberatung im Technischen Ausschuss.

17. Mai
Zweite Vorberatung im Finanzausschuss Herrenbergs.

23. Mai
 Der Beschluss für das Entwicklungsgebiet soll im Gemeinderat gefasst werden.