Janus Baldermann freut sich auf die neue Aufgabe in der Schillerstadt und auf die vielen Projekte, die auf ihn warten. Foto: Andreas Hennings

Janus Baldermann sieht Quartiere als Chance für neuen Wohnraum

Marbach - Die Vorfreude auf seine neue Arbeitsstelle ist ihm förmlich anzusehen. Im Januar wird Janus Baldermann in die Fußstapfen von Ralf Lobert treten. Dass dies keine ganz leichte Aufgabe sein wird, weil der langjährige Stadtplaner in Marbach sehr große Fußstapfen hinterlässt, ist dem 26-Jährigen durchaus bewusst. Und doch beginnt er die Aufgabe mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein und viel Elan. Das wird im Gespräch mit dem gebürtigen Wuppertaler schnell klar.

 

Im Alter von vier Jahren zog Baldermann mit seiner Familie ins Württembergische nach Stuttgart-Weilimdorf. Inzwischen lebt er zusammen mit Ehefrau und der 17 Monate alten Tochter in Stuttgart-Hofen. Die Schillerstadt hat er bei vielen Ausflügen mit dem Fahrrad kennen- und liebengelernt. „Wir sind gern auf dem Neckarradweg unterwegs“, erzählt er. Die ersten Kontakte liegen aber noch weiter zurück, denn als Abiturient forschte er im Deutschen Literaturarchiv zu Kafkas Prozess. Und der Kunsthandwerkermarkt auf der Schillerhöhe war der Familie auch immer einen Besuch wert. „Mein Vater ist Bildhauermeister, da war das Pflicht“, erzählt Baldermann und schmunzelt.

Mit dem öffentlichen Personennahverkehr sind es rund 40 Minuten von daheim bis zur zukünftigen Arbeitsstelle, mit dem Auto – wenn es gut läuft – eine knappe halbe Stunde. Das ist machbar, aber die Baldermanns hoffen dennoch, bald eine Bleibe in der Schillerstadt zu finden. „Ich möchte Marbach erleben und nicht nur hier arbeiten. Ich will mich mit dem Ort identifizieren“, sagt der 26-Jährige.

Nach dem Abitur machte Baldermann erst einmal eine Lehre zum Landschaftspfleger. Danach arbeitete er zwei Jahre lang als Baumpfleger bei der Stadt Stuttgart. Ein „bürgernaher Job“, erzählt der 26-Jährige und lacht. „Ich war in ganz Stuttgart unterwegs, und wenn es um das sensible Thema Baumfällen geht, dann muss man gut vermitteln und erklären können.“ Zwei Unfälle bei Einsätzen gaben mit den Ausschlag, dass sich Baldermann 2017 an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen für das Studium der Stadtplanung einschrieb. Das eine Mal stürzte Baldermann von einer drei hohen Leiter, das andere Mal entglitt einem Kollegen bei einer Fällung ein Stück Stamm und traf Janus Baldermann linkes Knie.

Neben dem Studium begann der Stuttgarter eine 20-Prozent-Stelle bei Baugemeinschaften Stuttgart, einer Initiative von sechs Stuttgarter Architekturbüros, die gemeinschaftliche Wohnprojekte abseits des herkömmlichen Standards realisieren. In seiner Bachelorarbeit analysierte Baldermann unter dem Motto „zehn Jahre plus“ vier Projekte. „Es ging in dieser empirischen Forschung darum zu schauen, wie sich die Wohnbauprojekte entwickelt haben.“ Unter anderem hat sich Baldermann mit dem Französischen Viertel in Tübingen beschäftigt. Nachdem die Franzosen Anfang der 1990er-Jahre die Kasernen in der Universitätsstadt verlassen hatten, kaufte die Kommune die Grundstücke, plante und erschloss das Baugebiet. Anschließend verkaufte sie die Bauplätze an Baugemeinschaften. „Hier wurde Pionierarbeit geleistet. Es wurden Spielräume für eine andere, nachhaltige Art der Stadtentwicklung geschaffen.“ In eher ländlich geprägten Gegenden habe sich der Quartiersgedanke noch nicht so durchgesetzt, weiß der neue Stadtplaner, doch er ist überzeugt davon, dass er ein wichtiger Eckpfeiler in der Zukunft sein wird. „Es geht darum, Wohnraum für jeden zu schaffen und, wenn möglich, Menschen auch zusammenzubringen.“ Im Februar wird Baldermann sein Bachelorzeugnis in den Händen halten. Im Januar steigt er mit der Einarbeitung auf dem Marbacher Bauamt ein. Im März wird aus der 50-Prozent-Stelle dann eine 100-Prozent-Stelle. Die künftigen Kollegen hat der Neue schon beim eintägigen Probearbeiten kennen gelernt. „Ich freu mich auf die Arbeit im Team mit ihnen“, sagt der 26-Jährige. Langeweile wird keine aufkommen, das ist Janus Baldermann bewusst. Viele Projekte sind angestoßen oder schon am Laufen. „Und wenn man so viele Projekte hat, dann ist eine Priorisierung enorm wichtig“, betont Baldermann, der an der Stadtplanung die Vielfalt an Arbeitsfeldern liebt. „Man gestaltet, organisiert, saniert. Es ist eine in die Zukunft gerichtete Arbeit. Man muss Neuein Teamplayer sein, weil man mit einer Vielfalt an Akteuren zu tun hat.“