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Es gab Zeiten, da hätte der Wechsel des Hauptsponsors den VfB Stuttgart in finanzielle Not gestürzt. Diesmal reagiert der Fußball-Bundesligist erstaunlich gelassen. Klicken Sie sich durch die Bilder vom Training.

Stuttgart - Am Ende dieser Saison fährt der Energieversorger aus Karlsruhe die Leistung für den VfB Stuttgart herunter, was aber nicht bedeutet, dass die Lichter auf dem Cannstatter Wasen ausgehen werden. Statt bisher rund sieben Millionen Euro pro Saison gibt es vom künftigen Co-Sponsor nur noch 3,5 Millionen. Auf dem weißen Trikot mit dem roten Brustring wird in der nächsten Spielzeit ein anderes Unternehmen werben - was für die Kassenlage aber kein Problem sein muss. Im Gegenteil.

Nach Informationen unserer Zeitung führt der VfB Stuttgart schon seit Monaten Gespräche mit möglichen Nachfolgern - darunter auch die Prominenz aus der Internet- und Mobilfunkbranche wie T-Home, Vodafone oder O2. Im erbitterten Streit um Kunden und Märkte bauen die Netzbetreiber auf den Image- und Sympathietransfer der Sportart mit dem größten öffentlichen Interesse in Deutschland. Dafür machen die Kommunikationsriesen auch gern mal ein hübsches Sümmchen locker. Wählt der VfB schon bald die ganze große Nummer?

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Gut möglich, doch nach allem, was aus der Branche zu hören ist, wird sich das Team um VfB-Marketingchef Jochen Röttgermann Zeit lassen mit dem neuen Vertragsabschluss. Vor März, April wollen die Vermarktungsexperten das Geheimnis um den neuen Partner nicht lüften. Klar ist aber, dass der VfB ein schlechtes Geschäft machen würde, sollte er trotz Wirtschaftskrise und sportlicher Talfahrt nennenswert unter der Summe abschließen, die die Energie Baden-Württemberg überwies. "Das alles ist ein ganz normaler Vorgang", sagt Jochen Röttgermann, "wir werden eine gute Lösung finden."

Die Karlsruher EnBW-Zentrale müht sich dagegen nach Kräften, den Eindruck zu verwischen, man kehre dem VfB in schwierigen Zeiten den Rücken. "Wir sind in Gesprächen mit unserem Partner VfB Stuttgart", sagt Unternehmenssprecher Ulrich Schröder, "der Vertrag läuft am Ende der Saison aus, da ist das durchaus üblich. Der Ausgang dieser Gespräche ist nach wie vor offen. Wir werden die Ergebnisse nach Ende der Verhandlungen kommunizieren." Das gelte auch für alle anderen Partnerschaften mit Vereinen vor Ablauf der Sponsoring-Verträge.

Mit dem Zweitligisten Karlsruher SC ist der größte Energieversorger des Landes offenbar schon weiter. Nach Querelen zwischen Club und Unternehmen wurde der Sponsorvertrag über 1,5 Millionen Euro zu Beginn dieser Saison noch einmal um ein Jahr verlängert. Im Sommer nächsten Jahres plant das Unternehmen den Abpfiff, was den ohnehin schon klammen KSC finanziell an den Rand des Ruins treiben könnte.

Unbestritten ist inzwischen, dass sich die EnBW unter ihrem neuen Vorstandschef Hans-Peter Villis im Sponsoring-Bereich neu aufstellen will. Der frühere EnBW-Chef Utz Claassen bevorzugte das Sport-Sponsoring in der Spitze, Villis will das finanzielle Engagement breiter anlegen - doch das kostet. Die EnBW ziehe wieder wie früher mit der Gießkanne übers Land, nörgeln die Kenner der Branche. Die Strategie, mit Marketinggeldern Umsatz zu machen, ist unter Experten aber äußerst umstritten.

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Womöglich bleibt dem Energiekonzern aber gar nichts anderes übrig als diese Art der Landschaftspflege. Gemeindepolitiker und Bürgermeister betteln in Zeiten leerer Kassen regelmäßig in der Karlsruher Zentrale, wenn sie händeringend nach Zuschüssen für kommunale Projekte suchen. Dieselben Lokalgrößen sitzen mit am Tisch, wenn im Rat über den künftigen Energieversorger der Gemeinde entschieden wird. Und dabei können positive Stimmungslagen der EnBW gegenüber sicher nicht schaden.

Den VfB werden solche Feinheiten nicht mehr interessieren. Er plant die Zukunft mit einem neuen Hauptsponsor - und womöglich mit ganz neuen Verbindungen.

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