Mittendrin im Stadtgeschehen ist Pfarrer Florian Link am liebsten. Foto: Eva Funke

Florian Link übernimmt die Stelle des Geschäftsführenden Pfarrers der Nordgemeinde. Sein neues Amt tritt der 48-Jährige im November an.

Stuttgart-Nord - Florian Link weiß es erst seit gut einer Woche: Er wird neuer Geschäftsführender Pfarrer der evangelischen Nordgemeinde in Stuttgart und tauscht die Stadtkirche in Bad Cannstatt gegen die Erlöserkirche. Damit tritt der 48-Jährige die Nachfolge von Jochen Maurer an, der das Sonderpfarramt für christlich-jüdische Gespräche in der Württembergischen Landeskirche übernommen hat. „Pfarrer Maurer hat mich gefragt, ob ich mich auf die Stelle bewerben möchte und mir Mut gemacht“, sagt Link.

Mut braucht er, weil die Evangelische Nordgemeinde mit rund 5000 Mitgliedern wesentlich größer ist als die Stadtkirchengemeinde Bad Cannstatt mit 1600 Mitgliedern. Dort ist Link seit 12 Jahren Geschäftsführender Pfarrer. Außerdem erwartet die Nordgemeinde durch die Bebauung des Rosensteinareals rund 20 000 Neubürger, von denen etwa 4000 evangelisch sein dürften. Und: Die Mitglieder der Nordgemeinde haben ganz unterschiedliche soziale Hintergründe. „Das ist aber auch das Spannende und eine Herausforderung für mich“, sagt Link, und er ist überzeugt, dass sein Wechsel zum richtigen Zeitpunkt kommt: „Mir tut der Abschied von meiner Cannstatter Gemeinde leid. Aber man tut sich selbst keinen Gefallen, wenn man nicht mehr vor die Türe geht“, sagt Link. Er weiß, dass es „einfachere Pflaster“ als den Norden gibt. Doch nicht zufällig hängt an seiner Bürotür ein Schild mit der Aufschrift: „Tradition und Mut“.

Predigten sollen einfach, aber nicht banal sein

An Traditionen will Link insofern festhalten, als er in der neuen Gemeinde wie in Bad Cannstatt die Menschen durch Aktionen erreichen und sie einander näher bringen möchte. „Ich habe Spaß an Begegnungen mit Menschen. Damit passe ich in die stadtteilbezogene Arbeit, wie sie in der offenen und liberalen Nordgemeinde praktiziert wird.“ Davon ist Link überzeugt. „Ich bin einer, der mittendrin stehen möchte, wo sich das Leben abspielt.“ Begegnungen mit Menschen sucht er auch in seinen Predigten. Sein Ziel: einfach, aber nicht banal zu predigen. „Ich muss nicht beweisen, wie klug ich bin, sondern will die Menschen erreichen.“

Auch auf die Entwicklung der Kirchen in seinem neuen Tätigkeitsbereich ist er gespannt: der Umbau der Martinskirche zur Jugendkirche, die Sanierung und mögliche Rückbau der Brenzkirche in ihren ehemaligen am Bauhaus orientierten Originalzustand. Darauf freut er sich ebenso, wie auf die Gottesdienste in der Erlöserkirche: „Vor dem Gebäude ist ein wunderschöner Platz, der sich zu Begegnungen und gemeinsamen Essen eignet.“

Geboren wurde Link in Reutlingen, er stammt aus einer Pfarrerfamilie, war als Schüler in den USA und hat vor dem Studium eineinhalb Jahre in Frankreich und später ein Jahr auf dem Balkan gelebt. Dort hat er beim Aufbau eines Kinder- und Jugendhauses geholfen. „Eher aus Versehen. Eigentlich wollte ich nur drei Wochen bleiben, um Lebensmittel weiter zu transportieren. Daraus wurde nichts. Stattdessen haben wir ein Jugendhaus gebaut“, erinnert sich Link an die Mitte der 1990er Jahre. Erkennen, was nötig ist, Gelegenheiten ergreifen, kreativ und strukturiert Ziele realisieren – darin sieht Link seine Stärken.

Pfarrer werden wollte er aus Interesse am Menschen, nicht wissend, ob sein Glaube so stark ist, dass er die Berufswahl trägt. „Das hat sich entwickelt, als ich nicht mehr nachgedacht habe, ob ich in zehn Jahren noch glauben kann.“ Unschlüssig, ob er beruflich bei der Religion bleiben soll, war er nur einmal. Das war in dem Jahr auf dem Balkan: „Da habe ich erlebt, welcher Missbrauch mit dem Glauben getrieben wird“, sagt Link und kam zu der Entscheidung: „Jetzt erst recht. Die gemäßigten Kräfte müssen für den Frieden zusammenstehen.“ Im November fängt der Vater von zwei Söhnen und einer Tochter im Stuttgarter Norden an. Seine Frau ist auch Pfarrerin und arbeitet als Seelsorgerin am Marienhospital.

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