Die deutschen Schulen schaffen es nicht, die schwächeren Schüler ausreichend zu fördern: Fast jeder vierte Neuntklässler hat in Mathe die Mindestkenntnisse nicht erreicht. Foto: dpa/Armin Weigel

Beim jüngsten Schulleistungstest in der neunten Klasse erreichen die Schulen im Land in Mathe, Physik, Chemie und Biologie nur Durchschnittswerte. Die Testsieger bauen derweil ihren Vorsprung aus.

Stuttgart - Die baden-württembergischen Schulen haben beim jüngsten Leistungsvergleich des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) erneut nur mäßig abgeschnitten. Zwar sind die Leistungen der getesteten Neuntklässler in den Fächern Mathematik, Physik, Chemie und Biologie im Vergleich zur vorherigen Untersuchung im Jahr 2012 leicht gestiegen, aber die Bildungsforscher erkennen darin keine signifikante Verbesserung, sondern Stillstand.

Im gleichen Zeitraum haben Bayern und Sachsen erneut bewiesen, wie leistungsfähig ihr Schulsystem ist und sich beim Test in Mathe und den naturwissenschaftlichen Fächern noch einmal deutlich verbessert. Sie haben ihre Spitzenposition unter den Bundesländern ausgebaut, während Baden-Württemberg in allen Disziplinen sehr nah am gesamtdeutschen Durchschnittswert liegt. Die Zeiten, als die frühere Stuttgarter Kultusministerin Annette Schavan (CDU) sich bei den Pisa-Tests über einen Spitzenrang freuen konnte, wirken aus heutiger Sicht fast wie aus einem anderen Leben. Ihre Nach-Nach-Nachfolgerin Susanne Eisenmann (CDU) muss mit dem Etikett Mittelmaß für das baden-württembergische Schulwesen zufrieden sein. Die Schulen im Südwesten erbringen lediglich durchschnittliche Leistungen.

Die besten Länder bauen ihren Vorsprung aus

Zwar mögen es weder die Bildungsforscher um die Wissenschaftlerin Petra Stanat noch die Kultusminister der Länder, wenn zwischen den Ländern anhand der Testergebnisse Rangfolgen aufgestellt werden. Aber die beiden Spitzenplätze sind bei der aktuellen IQB-Studie mit Bayern und Sachsen klar besetzt, während Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz abgerutscht sind.

Stanat betont, dass die Ergebnisse in Deutschland im Vergleich zwischen 2012 und 2018 insgesamt stabil geblieben sind. Die IQB-Chefin wertet dies schon als Erfolg, weil die Unterschiede in der Schülerschaft zwischen den beiden Untersuchungen noch größer geworden sind.

Jeder vierte Neuntklässler verfehlt in Mathe den Mindeststandard

Dennoch sind die Ergebnisse im Einzelnen nicht befriedigend. In Mathematik lagen bundesweit nur 44,9 Prozent der getesteten Schüler auf oder über dem Wissensstand, den die Bildungsforscher als Regelstandard definieren. Baden-Württemberg schneidet mit 46,5 Prozent nur wenig besser ab. In Sachsen (56,2 ) und Bayern (55,2) erreicht immerhin deutlich mehr als die Hälfte der Schüler dieses Niveau. Am anderen Ende der Skala liegt Bremen, wo das für deutlich weniger als ein Drittel der Schüler gilt ( 28,6) und das Saarland (36,9).

Besorgniserregend ist vor allem, dass fast jeder vierte Neuntklässler in Deutschland den Mindeststandard in Mathe unterschreitet. Daran hat sich seit den ersten Pisa-Ergebnissen vor fast zwanzig Jahren nichts geändert. Die Schulen schaffen es in ganz Deutschland nach wie vor nicht, die schwächeren Schüler so zu fördern, dass sie im Unterricht die Mindestkenntnisse erlernen. In Baden-Württemberg sieht es mit 22,5 Prozent etwas besser aus. Sachsen erreicht bei der Förderung der schwachen Schüler mit 14,2 Prozent den Spitzenplatz, Bayern liegt mit 17,2 Prozent knapp dahinter. Aber in Bremen verfehlen erschreckende 40 Prozent der Neuntklässler die Mindestanforderungen.

Die Gymnasien sacken ab

Im Fach Biologie sind die Leistungen insgesamt besser; 70,7 Prozent der Neuntklässler liegen bundesweit mit ihrem Wissen mindestens auf oder über dem Regelstandard. Baden-Württemberg liegt mit 69,4 Prozent haarscharf darunter. Bayern erreicht einen Spitzenwert von 80,3 Prozent, dicht gefolgt von Sachsen mit 79,1 Prozent, während Berlin (63,2) und Bremen (65,2) Schlusslicht sind.

Unter den Mindestanforderungen in Biologie bleiben in Bayern nur 2,0, in Sachsen nur 2,1 Prozent der Schüler. In Baden-Württemberg sind es 6,0 beim Schlusslicht Berlin 10,5 Prozent.

Ein weiteres Alarmzeichen ist, dass die Gymnasien bundesweit bei der Wissensvermittlung in allen mathematisch- naturwissenschaftlichen Fächern deutlich schlechter geworden sind. Getestet wurden 44941 Schüler auf 1462 Schulen in allen 16 Bundesländern.

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