Hany Azer wirft hin. Foto: dapd

Pro-Bahn-Sprecher Matthias Oomen will auch neuen S21-Chef mit Verantwortung konfrontieren.

Stuttgart - Mit Äußerungen zum Rückzug von S-21-Projektleiter Hany Azer hat Matthias Oomen, Bundespressesprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn, in Internetforen für Diskussionen gesorgt. Am Mittwoch teilte Oomen auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass er Drohungen gegen Azer in keinster Weise als legitimes Mittel im Streit um S21 betrachte.

In einem Internet-Beitrag hatte Oomen zum Abgang Azers am Montag geschrieben, dass dieser Rücktritt "in erster Linie verdeutlicht, wie wichtig es unterm Strich ist, Personen mit persönlicher Verantwortung auch persönlich verantwortlich zu machen und die Personen mit der persönlichen Verantwortung zu konfrontieren. Eine Taktik, die ausbaufähig ist, dem nachfolgenden Bauleiter darf es hier an dieser Stelle nicht anders gehen".

Die Deutsche Bahn hatte Azers Rückzug unter anderem mit Anfeindungen und Drohungen gegen den Projektleiter erklärt. Der 61-jährige Bauingenieur habe nur noch mit Personenschutz außerhalb des Büros arbeiten können. Auch Azers Familie ist bedroht worden.

Hendryk M. Broder wirft Landesregierung Mobbing vor

Oomen bezeichnete es am Mittwoch als "völlig absurd und ehrrührig", wenn ihm unterstellt werde, er würde Drohungen gegen Azer gutheißen: "In dieser bewussten Fehlinterpretation steckt eine Menge sinnentstellender Boshaftigkeit." Auch für seinen Verband Pro Bahn seien Drohungen kein legitimes Mittel. Laut Oomen sei es "die Pflicht eines jeden kritischen Bürgers" gewesen, Azer mit seiner Verantwortung für S21 zu konfrontieren Mit der nervlichen Belastung habe Azer leben müssen, meint Oomen - "genau so, wie es der zukünftige Bauleiter tun muss".

Die Umstände bei Azers Rückzug werden auch von Hendryk M. Broder aufgegriffen. In einem Beitrag für "Welt Online" wirft der bekannte Autor den Grünen in der Landesregierung vor, Mobbing und Nötigung gegen Azer mit der "Brisanz" des Projekts rechtfertigen zu wollen. Im Südwesten werde Mobbing "nur noch dann verfolgt, wenn es ökologisch nicht vertretbar ist", spottet Broder.

Am Samstag beginnt um 14.30 Uhr am Hauptbahnhof eine Großkundgebung gegen S21. Auf der Rednerliste steht auch Matthias Oomen. Musik: Chain of Fools und Konstantin Wecker.

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