Begutachtung der Pläne: Fahrradfahrer und Landratsamt-Vertreter auf der Ausbaustrecke Foto: factum/Bach

Schon jetzt pendeln viele Radler zwischen Ehningen und Böblingen. Bald wird es für sie bequemer: Der Kreis baut entlang der Herrenberger Straße einen weiteren Abschnitt des neuen Radschnellwegs.

Böblingen - Seit 25 Jahren radelt Uli Tessler am Stau vorbei. Jeden Morgen fährt er von seinem Wohnort Ehningen bis zu seinem Arbeitsplatz an der Hewlett-Packard-Straße in Böblingen und abends wieder zurück. „Und jeden Morgen freut man sich als Radfahrer, dass man am Stau vorbeifährt“, sagt er. Uli Tessler geht davon aus, dass bald mehr Menschen auf das Fahrrad umsteigen werden. Denn die Strecke entlang der Herrenberger Straße wird für 1,4 Millionen Euro auf einer Länge von zwei Kilometern zu einem komfortablen Radschnellweg ausgebaut. Im Frühjahr oder im Sommer sollen die Bauarbeiten beginnen. „Es handelt sich um einen wichtigen Abschnitt“, sagt Siegfried Zenger, der im Landratsamt für die Regionalentwicklung zuständig ist. Die Strecke führt zu vielen Arbeitsplätzen im Böblinger Gewerbegebiet Hulb und in Ehningen, wo allein bei IBM Tausende beschäftigt sind.

Vier Meter breit und eingeebnet

Auf vier Meter soll der bestehende Radweg entlang der Kreisstraße verbreitert werden, angefangen bei der Hewlett-Packard-Straße in Böblingen bis zur Böblinger Straße in Ehningen. Außerdem wird die Strecke etwas eingeebnet und erhält eine Beleuchtung. Seit dem vergangenen Jahr arbeitet die Kreisbehörde an den Plänen. Die Mittel stehen bereit, auch der 50-Prozent-Zuschuss des Landes ist genehmigt. „Wir sind sehr froh, einen weiteren Abschnitt in Richtung Herrenberg realisieren zu können“, sagt Siegfried Zenger. Und für den Anschluss an den Radschnellweg nach Stuttgart auf der anderen Seite von Böblingen ist in gewisser Weise auch gesorgt: „Es gibt sicher noch das eine oder andere Problem, das die Stadt lösen muss“, sagt er. „Aber da ist die Verwaltung dran.“ An der wegen Bauarbeiten gesperrten Herrenberger Straße werden Fahrradstreifen angefügt. Die Machbarkeitsstudie soll dann weitere Vorschläge für weitere Radschnellwege bringen.

Am Freitag stellte das Landratsamt den Entwurf für den Abschnitt zwischen Böblingen und Ehningen Mitgliedern der Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) und anderen Radpendlern vor. Die Streckennutzer hatten prompt Verbesserungsvorschläge. Einen Blendschutz gegen die Scheinwerfer der Autos und Lastwagen forderten sie unter anderem. Die Radler kritisierten außerdem den Parkplatz, der hauptsächlich von Lkw-Fahrern zum Übernachten genutzt wird. Dort sei oft kein Durchkommen. Auch die Wegeführung über die Kreuzung mit der Schickardstraße passt ihnen nicht, weil sie einen Schlenker machen müssen, statt wie die Autofahrer einfach geradeaus fahren zu können. Die größte Sorge bereitet den Radpendlern allerdings die Umleitung während der etwa sechs Monate dauernden Bauarbeiten: Sie führt kurvenreich über Schotterwege durch den Wald.

Für den Pendler ist das Wetter kein Problem

„Den Ausbau zum Radschnellweg finde ich super“, sagt Uli Tessler. Er wirbt für das Pendeln mit dem Rad: Die meiste Zeit sei das Wetter kein Problem, sagt der Ehninger. „Ihr müsst nicht im Stau stehen“, würde er den Autofahrern am liebsten jeden Morgen zurufen. Seiner Meinung nach lohnt sich die Investition: Auf der Strecke sei schon jetzt viel los – er rechne künftig mit noch mehr Fahrradfahrern, wenn sich die Bedingungen verbessert haben. „Im Augenblick fühlt man sich manchmal unwohl auf dem Radweg“, so Tessler. Kürzlich musste er auf dem Heimweg wegen eines Wildschweins eine Vollbremsung hinlegen. Eine solche Begegnung sei zwar nicht alltäglich, aber die Dunkelheit auf der Strecke wirke abschreckend. „Allein die Beleuchtung hilft, die Hemmschwelle zu senken“, sagt Tessler.

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