Albrecht Conrad spaziert gern durch Degerloch, um es kennen zu lernen. Foto: Ott

Am Sonntag feiert der neue Pfarrer der Michaelsgemeinde Albrecht Conrad, seinen ersten Gottesdienst vor Ort.

Degerloch - Unter Pfarrern gibt es einen häufig zitierten Spruch. „Das erste Jahr schaut man nur aus dem Fenster“, sagt Albrecht Conrad. Er muss es wissen, schließlich ist er ja Pfarrer. Die einen oder anderen werden ihn schon kennengelernt haben, vor einigen Wochen ist er mit der Familie nach Degerloch gezogen. Er hat eine Menge Besuche hinter sich gebracht und mit vielen Menschen gesprochen. So richtig los geht es für ihn aber am Sonntag. Dann feiert er seinen Investiturgottesdienst in der evangelischen Michaelskirche. Er füllt die Lücke, die das Pfarrer-paar Wiedenroth nach ihrem Weggang im Frühjahr hinterlassen hat.

Der Spruch mit dem Fenster, meint Conrad flugs, sei nicht so zu verstehen, dass er ein Jahr die Beine hochlegt. Weit gefehlt. „Man muss alles kennenlernen“, sagt er. Die Gemeinde, die Leute, den Ort. Also spaziert er durch Degerloch – das Auto benutzt er fast nie – und schaut sich um. Am Scharrenberg hat er Wein getrunken, bei Kickers-Heimspielen mit seinen beiden ältesten Kindern, sie sind neun und elf, mitgefiebert. Die beiden Kleinen, sie sind sechs und drei Jahre alt, sind dafür noch zu jung. Aber eigentlich, sagt der 41-Jährige, „sind wir Landeier ja VfB-Fans“.

Wer sich selbst als Landei bezeichnet, der wird auch nicht zürnen, wenn er ein Herumtreiber genannt wird. Aufgewachsen ist Conrad in Ilsfeld bei Heilbronn. Die Nähe zu Gott spürte er schon in der Kinderkirche. Er studierte Theologie in Bielefeld, Heidelberg, Erlangen und Tübingen. Seine Zeit als Vikar verbrachte er in der Friedenskirche in Stuttgart-Ost und in Istanbul. Dort war er ein Jahr lang in der evangelischen Gemeinde deutscher Sprache in der Türkei tätig und fuhr zu Gottesdiensten auch schon mal nach Antalya und Izmir. Es folgten Stationen als Pfarrer in Ditzingen und schließlich in Kirchheim am Neckar.

Ein Pfarrer für Alles

„Auf dem Dorf ist der Pfarrer für alles zuständig“, sagt Conrad. Kindergarten, Erwachsenenbildung, Kirchensanierung, Fußballturniere mit der benachbarten Moschee – bei all dem hatte Conrad in Kirchheim das Sagen. In Stuttgart sei das anders, die Kollegen würden sich die Aufgaben teilen. Welche Rolle ihm dabei zufallen wird, weiß er noch nicht. Aber „Gottesdienst, Schulunterricht und Seelsorge werde ich auf jeden Fall machen“, sagt er.

„Was mich hier fasziniert, ist die Mischung aus städtischem und dörflichem Charakter“, sagt er. Einerseits spüre er die Anonymität. Andererseits „gibt es noch eine ganz enge Verbundenheit“. Ohnehin, und das weiß er nicht nur von seinen Spaziergängen durch Degerloch, „ist das ein herrlicher Flecken Erde“.

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