Rechtzeitig zum Saisonstart präsentiert der Golfclub Schönbuch einen neuen Pächter. Das dreiköpfige Führungsteam hat einen mächtigen Partner im Rücken.
Gegrillte Buttermakrele, Wild-Currywurst mit Fleisch aus eigener Jagd, Frühlings-Brioche mit grünem Spargel, Hüttenkäse und pochiertem Wachtelei und zum Nachtisch frittierte Brandteig-Krapfen mit Vanillecreme und Kirschkompott. Der erste Gruß aus der Küche des neuen Golfclub-Restaurants beim „Pre-Opening“ am Donnerstagabend machte Appetit auf mehr.
Nach einem Vierteljahr Schließzeit und intensiver Umbauphase unter der Regie von Clubmitglied und Raumausstatter Marc Hertler brennt wieder Licht im Restaurant. An diesem Samstag findet die offizielle Eröffnung hier auf dem Holzgerlinger Schaichhof statt. Patrick Gärtner heißt der neue Betriebsleiter, der zusammen mit Küchenchef Mathias Rakus und seiner Stellvertreterin und Restaurantleiterin Franziska Peres diese nicht ganz alltägliche und sportlich herausfordernde Gastronomie führen wird. „Wir freuen uns richtig auf diese Aufgabe“, sagte Gärtner bei seiner Begrüßungsrede vor geladenen Gästen. Zugleich machte er deutlich, dass anfangs sicher noch kleine Fehler passieren werden, weswegen er schon jetzt zu konstruktiver Kritik einlud. „Nur so können wir besser werden“, sagte er in die Runde.
Nach dem letzten Pächterwechsel soll alles besser werden
Dass es besser wird, ist sicher auch die Erwartungshaltung des Vorstands. Schließlich gilt der Golfclub Schönbuch als einer der besten Golfplätze der Region Stuttgart. Das hat auch einiges mit dem Club-Restaurant zu tun. Unter der langjährigen Führung der Pächterfamilie Mayer hatte es sich einen sehr guten Ruf erarbeitet.
Dann gab es einen Pächterwechsel: Im März 2023 hatte der Böblinger Zwinger-Wirt Bernd Gürtler das Restaurant übernommen. Schon bald regte sich Kritik am Essensangebot, vor allem aber an dem als zu langsam empfundenen Service. „Es ist ja kein Geheimnis, dass uns die Gastronomie im Jahr 2024 stark beschäftigt hat“, berichtete Club-Präsident Johannes Hauser am Vor-Eröffnungsabend von „vielen negativen Erlebnissen“. Im November trennte man sich von Gürtler. „Das war einfach eine Nummer zu groß für ihn“, sagen Clubmitglieder.
Tatsächlich bringt dieses Engagement einige besondere Herausforderungen mit sich: Das während der Saison täglich von 11 bis 22 Uhr geöffnete Restaurant richtet sich nämlich nicht nur an die mitunter recht anspruchsvollen Golfer-Stammgäste, sondern steht zudem auch der breiten Bevölkerung offen. Außerdem stehen während der Golfsaison neben dem eigentlichen Betrieb im Restaurant und auf der Außenterrasse noch eine Reihe großer Turniere an, bei denen das Gastro-Team auch das Catering stemmen muss. Dafür muss man jede Menge Leute vorhalten. In der Saisonpause fährt der Betrieb dagegen deutlich herunter und es wird nur noch wenige Servicepersonal gebraucht.
Um diese Schwankungen zu überstehen, hat das neue Führungstrio einen starken Partner im Rücken. Der aus Herrenberg stammende Heiko Grelle ist Geschäftsführer der Stuttgarter Schräglage GmbH, einem weit verzweigten Unternehmen, das unter anderem die Gastronomie der Stuttgarter Spielbank und das VfB Club-Restaurant betreibt. Grelle, der in Böblingen lebt, und selbst beim GC Schönbuch den Schläger schwingt, hat zusammen mit seinem Co-Geschäftsführer Heiko Fuhr eigens eine Tochterfirma namens Schräglage Golf gegründet. Diese soll das Restaurant personell und logistisch unterstützen.
Küchenchef war zuvor im Bellevue und in Timo Hildebrand Vhy ! tätig
„Wenn hier Hochbetrieb herrscht, können wir Leute aus den anderen Gastronomien dazu holen“, erklärt Restaurantleiterin Franziska Peres. Die 27-Jährige stammt aus einer Hoteliersfamilie und hat beim Stuttgarter Maritim Hotel eine Ausbildung als Hotelfachfrau mit Zusatzqualifikation Hotelmanagement absolviert.
Auch Küchenchef Mathias Rakus bringt starke Referenzen mit: Unter anderem war der 45-Jährige für Alexander Scholz im Catering für Perkins Park, Bellevue und Staatsoper tätig, hat in Timo Hildebrands Vhy! seine Veggie-Kompetenz geschärft und davor bei Irma La Douce in Stuttgart und beim renommierten Schweizer Restaurant Blaue Ente gearbeitet. „Gelernt habe ich in Herrenberg im damaligen Residenzhotel“, sagt der gebürtige Leipziger.
Für das Speisenkonzept sieht er drei Säulen vor: Erstens das klassische Schräglage-Streetfoodangebot mit Burgern und Wraps, zweitens klassische schwäbische Küche mit Rostbraten, Maultaschen und Spätzle, drittens leichte und vegetarische Sportlerkost.
Geschäftsführer der Tochterfirma ist Patrick Gärtner. Der 31-Jährige hatte zuvor anderthalb Jahre lang das Club-Restaurant des VfB geleitet – zusammen mit Bjoern Bolz, bekannt als Geschäftsführer im Perkins Park und Betreiber des Restaurants Bellevue. „Dann kam für das Angebot der Geschäftsführerposition plus 25,1 Prozent Firmenanteil“, erzählt der gebürtige Böblinger. Das war ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte.
Als Gesellschafter dürfte er genau die Art von Identifikation mitbringen, die sich der Vorstand wünscht. Das wird schon daran deutlich, dass Gärtner seinen Wohnsitz an seinen Arbeitsplatz verlegt hat. „Ich wohne 50 Meter Luftlinie vom Golfplatz entfernt“, sagt er grinsend.
„Wir wollen hier eine Art Familienbetrieb ins Leben rufen“, sagt Heiko Grelle. Trotz seiner grauweißen Haare und dem eleganten Outfit scheint in dem 61-Jährigen der Spirit des einstigen Skaters, Surfprofis und Hip-Hop-Clubgründers noch immer sehr lebendig. Genau diesen „guten Spirit und diese Energie“ sehen Club-Präsident Hauser und Geschäftsfüher Marcel Gallmayer auch in dem neuen Führungstrio. „Wir haben ein sehr gutes Gefühl“, sagen die beiden.
Die Schräglage
Anfänge
Im Jahr 2006 eröffnet der in den USA und in Herrenberg aufgewachsene Heiko Grelle mit weiteren Mitstreitern gegenüber dem Stuttgarter Breuninger den Hip-Hop-Club Schräglage. Heutiger Sitz ist in der Hirschstraße, parallel zur Königstraße.
Vernetzung
Aus diesem Projekt entsteht ein ganzes Firmennetz mit Event-Catering, Foodtruck, Betriebsgastronomie (unter anderem in der Spielbank Stuttgart und im VfB-Clubrestaurant) sowie Beteiligungen in anderen Betrieben wie Fridas Pier, der Suessholz-Weinstube und dem Veggie-Restaurant Vhy! in Stuttgart oder dem Brow-Brauhaus in Leonberg. Außerdem vertreibt Schräglage unter seinem SL-Label heimische Produkte wie Bier, Wein und Gin.