Patrick Hickey ist festgenommen worden. Foto: AP

Die olympischen Spiele haben einen neuen Skandal: Der IOC-Funktionär Patrick Hickey steht unter dem Verdacht auf Schwarzhandel mit Eintrittskarten und Bildung einer kriminellen Vereinigung, er wurde verhaftet.

Rio - Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro werden von einem weiteren Skandal erschüttert: Der ranghohe IOC-Funktionär Patrick Hickey (Irland) ist am Rande der Spiele wegen des Verdachts auf Schwarzhandel mit Eintrittskarten und Bildung einer kriminellen Vereinigung verhaftet worden. Dies bestätigte die Polizei von Rio de Janeiro. Es sei ein Haft- und ein Durchsuchungsbefehl erlassen worden.

Der Zugriff soll Medienberichten zufolge am Mittwoch um kurz nach sechs Uhr morgens im IOC-Hotel Windsor Marapendi an der Atlantikküste im Stadtteil Barra erfolgt sein. Hickey (71) soll daraufhin über Unwohlsein geklagt haben und zunächst in ein Krankenhaus gebracht worden sein. Angeblich hat es zuvor einen Fluchtversuch gegeben.

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Der Ire, Präsident des Europäischen Olympischen Komitees (EOC) und Mitglied der Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees, gehört zum engsten Machtzirkel des deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach. Das IOC kommentierte den Vorfall zunächst nicht. Das Irische Olympische Komitee, dessen Präsident Hickey ist, teilte mit, es wolle zunächst die Situation klären und sich bis dahin jedes Kommentars enthalten.

IOC leidet unter Glaubwürdigkeitskrise

Der Skandal trifft das ohnehin angeschlagene IOC ins Mark. Zur Glaubwürdigkeitskrise und der weltweiten Kritik, der der Ringeorden seit der Verhängung zurückhaltender Maßnahmen gegen Russland infolge der Staatsdoping-Affäre ausgesetzt ist, gesellen sich nun die Ermittlungen gegen eines seiner mächtigsten Mitglieder. Hickey ist seit Jahren umstritten, vor allem, seit er als EOC-Chef die Europaspiele eingeführt hat und die erste Ausgabe an Baku/Aserbaidschan vergab. Der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew, der sein Land autokratisch führt und dem massive Menschenrechtsverstöße vorgeworfen werden, nutzte die Premiere der Veranstaltung für eine riesige Propaganda-Schau. Hickey verlieh ihm einen Orden für Verdienste um den Sport.

Hickey ist in zahlreichen Gremien vertreten und glänzend im Weltsport vernetzt. Seit 1995 ist er Mitglied des IOC, seit 2012 sitzt er in dessen „Regierung“. Er war Mitglied zahlloser Kommissionen, unter anderem der Koordinierungskommission der Spiele in Rio. Seit 1994 sitzt er in der Exekutive der einflussreichen Vereinigung der Nationalen Olympischen Komitees (ANOC), seit 2006 ist er deren Vizepräsident. Im Vorfeld der Veröffentlichung des McLaren-Berichts verurteilte Hickey den Vorstoß mehrerer Anti-Doping-Organisationen scharf, russische Sportler von den Spielen auszuschließen, sollten sich die Vorwürfe erhärten. In der IOC-Exekutive gilt er als einer der Unterstützer Russlands - auch, weil Sotschi 2019 die umstrittenen Europaspiele ausrichten soll.

Haftbefehle gegen vier Funktionäre von THG Sports erlassen

Hintergrund von Hickeys Verhaftung sind Unregelmäßigkeiten in Zusammenhang mit Ticketverkäufen über die irische Firma THG Sports, die vor vier Jahren in London noch offizieller Ticketpartner des Organisationskomitees der Spiele war. Beim Ticketskandal während der Fußball-WM vor zwei Jahren war bereits ein hochrangiger THG-Mitarbeiter festgenommen worden. Gegenstand der aktuellen Ermittlungen soll auch die Firma Pro 10 sein, an der Hickeys Sohn beteiligt sein soll.

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Die brasilianischen Behörden hatten zuvor bereits Haftbefehle gegen vier Funktionäre des Hospitality-Anbieters THG Sports mit Sitz in London erlassen. Der irische Geschäftsführer Kevin James Mallon wurde inhaftiert. Begründung war eine „Beteiligung an einem System illegaler Ticketverkäufe zu Preisen weit über dem Wert“. Wegen vermeintlicher Unregelmäßigkeiten bei der Ticketverteilung über das Irische Olympische Komitee hatte der irische Sportminister Shane Ross in Rio bereits das Gespräch mit OCI-Boss Hickey gesucht. Das OCI hatte eine interne Untersuchungskommission eingerichtet.

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