Oberst Kirk Alexander hat seinen neuen Job vor einem halben Jahr übernommen. Foto: /Stefanie Schlecht

Seit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine ist die strategische Bedeutung der US-Garnison in Stuttgart gewachsen. Der neue Standortkommandeur Oberst Kirk Alexander erklärt, was das bedeutet. Die Beziehungen mit den deutschen Nachbarn will er ausbauen.

Viel Geld steckt die US-Garnison in die Region Stuttgart. Oberst Kirk Alexander, der vor einem halben Jahr neuer Standortkommandeur in Böblingen wurde, koordiniert viele dieser Investitionen. In seinem neuen Amt organisiert er die Dinge, die die US-Militärgemeinde zum Leben braucht. Wohnungen, Schulbusse, Kinderbetreuung und die Repräsentation nach außen – alles läuft über seinen Tisch.

 

Der neue Kommandeur

US-Oberst Kirk Alexander ist noch nie zuvor in Deutschland gewesen. Aufgefallen ist ihm, „mit welcher Wärme“ er, seine Frau und zwei seiner drei Kinder in der Region Stuttgart empfangen wurden, erzählt er bei einem Pressegespräch. Seit Ende Juni kommandiert der freundliche Artillerieoffizier aus dem Südstaat Georgia die Stuttgarter US-Garnison mit ihren fünf Militärstandorten. Von der Böblinger Panzerkaserne aus kümmert er sich wie der Chef einer deutschen Stadtverwaltung darum, dass die mehr als 28 000 Soldaten, Zivilbediensteten und ihre Familien Wohnungen, Schulen, Kindergärten, Banken und Fitnessstudios finden. Mit den Krisenherden in der Ukraine oder im Nahen Osten hat er direkt nichts zu tun.

Keine leichte Aufgabe für den 46-jährigen Soldaten, weil er mit dem Europa-Kommando Eucom in den Patch Barracks und dem für Afrika zuständigen Africom in den Kelley Barracks zwei höherrangige Kommandos zufriedenstellen muss. Doch Alexander sieht sich gut gerüstet. Eine ähnliche Ausgangslage kennt er von seiner letzten Verwendung als Divisionschef beim US-Zentralkommando (Centcom) in Tampa, Florida, das auch das Kommando für Spezialkräfte beherbergt. Alexander begann seine Laufbahn als einfacher Soldat in der Nationalgarde von Georgia, bevor er nach dem College Offizier wurde. Er hat Einsätze in Afghanistan, Irak und Katar absolviert.

Die Investitionen

Die Ausgaben der US-Garnison sind beträchtlich und wachsen weiter. Im gerade zu Ende gegangen US-Haushaltsjahr 2023 beliefen sich die Investitionen nach Angaben des US-Militärs auf umgerechnet 183 Millionen Euro. Das sind 17 Prozent mehr als im Vorjahr, wo sie auch schon kräftig gestiegen sind. Dazu zählten unter anderem 81 Millionen Euro für Infrastrukturprojekte und Gebäudereparaturen, von denen ein Großteil in die lokale Wirtschaft floss.

„Das Haus, in dem ich in den Patch Barracks wohne, ist 70 Jahre alt“, nennt Alexander ein Beispiel für den Sanierungsbedarf in allen Standorten. Viele ältere Kasernengebäude und Wohnhäuser müssten energetisch saniert und Kindergärten gebaut werden. Auch gebe es keine einzige Ladestation für E-Autos. Seit Jahren ist ein zweiter Supermarkt ist in der Böblinger Panzerkaserne geplant. Und was, wenn Donald Trump im Januar 2025 wieder ins Weiße Haus einzieht und er wie zuletzt Mitte 2020 verfügen sollte, die beiden US-Hauptquartiere aus Stuttgart abzuziehen? Da wird Oberst Alexander diplomatisch: Das wäre ein langwieriger Prozess, meint er. „Wir haben hier einen wichtigen Zweck zu erfüllen“, meint er mit Blick auf die Sicherheit Europas.

Der Austausch mit Rathauschefs

Rund um die Panzerkaserne in Böblingen hat das US-Militär in der Vergangenheit nicht immer einen positiven Eindruck hinterlassen: Schießlärm macht den Anwohnern zu schaffen, und das abgesperrte Trainingsgelände im Böblinger Wald hat Wanderer und Radfahrer den Weg abgeschnitten. Eine schnelle Lösung hat Oberst Alexander ebenso wie sein Vorgänger nicht parat. Deshalb will er sich während seiner zwei Jahre in Böblingen um gute Beziehungen mit den umliegenden Rathäusern bemühen. Ein solides Vertrauensverhältnis zu den Bürgermeistern in der Region sei entscheidend, wenn es um die Anliegen der Anwohner gehe, sagt der neue Oberst.

Das soziale Engagement

Was das Engagement in den Kommunen rund um die Panzerkaserne angeht, will Kirk Alexander in die Fußstapfen seines Vorgängers Oberst Matt Ziglar treten. „Ich bin ein großer Fan davon, die Kaserne zu öffnen“, sagt er. Er lobt die Aktivitäten der Marines, die in örtlichen Schulen Malerarbeiten übernommen und in einer Schönaich die Kinder im Sportunterricht überrascht haben. Zuletzt waren zwei Klassenstufen der Böblinger Eichendorff-Schule beim „Trunk or Treat“-Event in der Panzerkaserne eingeladen. Der Oberst will diese Bemühungen künftig noch weiter ausbauen. So soll es auch im kommenden Jahr wieder ein für die Öffentlichkeit zugängliches Fest zum amerikanischen Unabhängigkeitstag am 4. Juli geben. Im letzten Sommer strömten dazu rund 15 000 Menschen in die Panzerkaserne. Eine organisatorische Mammutaufgabe, betont Alexander. Deshalb werde wohl vor dem großen Event im nächsten Sommer keine andere Veranstaltung mehr anstehen, an dem Deutsche aus der Umgebung die Kaserne von innen sehen könnten.

Kommandowechsel in Böblingen

Stabswechsel
 Im Juni dieses Jahres hat Oberst Kirk Alexander seinen Vorgänger Matt Ziglar in der Böblinger Panzerkaserne abgelöst. Seit nunmehr sechs Monaten ist der Oberst in seinem Amt in Böblingen, davor hatte er mit seiner Familie in Florida gelebt.

Familie
 Gemeinsam mit seinen drei Kindern und seiner Frau Vanessa war er bereits an vielen Orten stationiert – unter anderem in Oklahoma, Kansas, Georgia und Virginia. In Europa lebt er nun zum ersten Mal.

Offenere Türen
 In den letzten zwei Jahren hat sich unter Kirk Alexanders Vorgänger Ziglar viel getan: Immer wieder fanden in der Panzerkaserne Feste statt, zu denen die deutsche Bevölkerung eingeladen war. Diese Bemühungen will auch Alexander in Zukunft weiter verfolgen.