Die ersten Radfahrer testen in Bad Cannstatt die neue Brücke über den Neckar. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die neue Neckarquerung ermöglicht den Neubau von zwei Brücken nacheinander. Nächste Woche sperrt die Stadt die Wilhelmsbrücke, doch den Freien Wählern geht es nicht schnell genug.

Die neue Behelfsbrücke über den Neckar ist eröffnet. Radfahrern und Fußgängern steht in Bad Cannstatt auf Höhe der im Sommer 2024 abgerissenen Rosensteinbrücke ein neuer, barrierefreier Überweg zur Verfügung. Das Bauwerk aus vollverzinktem Stahl ist 70 Meter lang und rund fünf Meter breit. Zieht man die Streben ab, beträgt die Verkehrsfläche in der Breite 4,2 Meter. „Es ist ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer für den Stadtbezirk“, sagte Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler in Anlehnung an das legendäre Zitat des amerikanischen Raumfahrers Neil Armstrong am Freitagvormittag, als der Schultes gemeinsam mit Jürgen Mutz, Leiter des Tiefbauamts, den Neckarsteg einweihte. „Es ist immens wichtig für Bad Cannstatt, nicht nur abgehängt zu werden, sondern auch wieder neue Verbindungen zu eröffnen“, so Löffler.

 

Neubau der Wilhelmsbrücke bietet mehr Platz

Das Provisorium ist notwendig, um in Bad Cannstatt gleich zwei große Brückenbauprojekte nacheinander realisieren zu können, ohne die direkte Verbindung zwischen der Altstadt und der Neckarvorstadt kappen zu müssen. Denn die Einweihung des Stegs ist zugleich der Startschuss für den Abriss der 1949 errichteten Wilhelmsbrücke, die rund 150 Meter flussabwärts liegt. Sie hat Korrosionsschäden und wird voraussichtlich bis 2029 durch einen Neubau ersetzt. Er bietet mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer, die weitläufigen Freitreppen sollen mit mehr Sitzflächen die Aufenthaltsqualität am Ufer erhöhen. Die alte Wilhelmsbrücke wird bereits im Laufe des kommenden Dienstags, 16. Dezember, für vorbereitende Arbeiten gesperrt werden.

Bezirksvorsteher Bernd-Marcel Löffler (links) und Jürgen Mutz vom Tiefbauamt durchschneiden das Band. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

Tiefbauamtsleiter Mutz zeigte sich bei der Einweihung der Behelfsbrücke zufrieden, dass man sich nach dem Abriss der maroden Rosensteinbrücke für das Provisorium entschieden hat. „Auch an der Wilhelmsbrücke geht der Alterungsprozess rasant voran“, sagt er. „Für die Cannstatter ist es eine Umgewöhnung. Sie müssen einen anderen Weg gehen. Die Wilhelmsbrücke ist in Verlängerung zur Marktstraße eine schöne Verbindung. Wir werden uns aber darum kümmern, dass die große Kreuzung vor der Behelfsbrücke, die in dieser Größe bis 2029 keiner braucht, fußgängerfreundlicher wird und die Brücke von der Altstadt aus besser erreichbar ist. Das werden wir nächstes Jahr angehen.“

Sobald die neue Wilhelmsbrücke fertiggestellt ist, macht die Behelfsbrücke Platz für den Neubau der Rosensteinbrücke, die dann auch von Stadtbahnen und Bussen befahren werden kann. Autos sollen sie nach städtischer Planung ebenfalls nutzen können, allerdings nur vom Wilhelma-Theater aus in Richtung Cannstatter Altstadt. Dieser Punkt sei aber noch nicht abschließend geklärt, so Mutz. „Im Gemeinderat ist man zwiegespalten, wie viel Verkehr über die neue Rosensteinbrücke fahren soll.“

Stadtrat fordert Autoverkehr in beide Richtungen

Gerhard Veyhl, Stadtrat der Freien Wähler, setzt sich beispielsweise dafür ein, dass künftig Autos in beide Richtungen über die neue Rosensteinbrücke rollen dürfen. „Durch die Sperrung und den Abriss der Rosensteinbrücke wurde ein sehr wichtiger, direkter und stark frequentierter Verkehrsweg gekappt“, sagt der Cannstatter Lokalpolitiker. „Handel und Gewerbe leiden nach wie vor unter den Auswirkungen der fehlenden Verbindung und für Autofahrer haben sich weite Umwege ergeben, die immer wieder überlastet sind.“

Kritisch sieht die fünfköpfige Fraktion die lange Dauer zwischen Sperrung, Abriss und Neubau der Rosensteinbrücke. „Bei allem Verständnis dafür, dass die Stadtverwaltung vom schlechten Zustand der Rosensteinbrücke überrascht wurde, wäre es ihrer Bedeutung angemessen gewesen, sie schnell neu zu errichten.“ Veyhl spricht von „zeitraubenden Diskussionen“, die mit der Neuplanung verbunden seien. „Dass die neue Brücke erst Anfang der 2030er-Jahre nutzbar sein soll, trifft in der Bevölkerung auf viel Unverständnis.“

Tiefbauamtsleiter Mutz kann die Ungeduld verstehen. „Wir wären auch gerne schneller, aber es dauert eben seine Zeit, solche Projekte zu planen.“ Er hofft, dass im Lauf des kommenden Jahres die Diskussionen zum Aussehen der Rosensteinbrücke abgeschlossen sein werden. „Es macht eben einen Unterschied, ob auf dem Bauwerk eine Stadtbahnhaltestelle sein soll oder eben nicht.“ Zu den Gesamtkosten für die beiden Brücken-Großprojekte machte Mutz keine Angaben und verwies auf die noch anstehenden Planungen. Sie werden sich jedoch im zweistelligen Millionenbereich bewegen. Zum Vergleich: „Bei der Behelfsbrücke haben wir das Budget von fünf Millionen Euro eingehalten.“