Der Wochenmarkt am Mittwoch auf dem Marienplatz wird künftig durch einen Biomarkt ergänzt. Foto: Kathrin Wesely

Auf dem Stuttgarter Marienplatz gibt es von Ende April an jeden zweiten Freitag im Monat einen Bio-Markt. Er wird auch Kunden von außerhalb anziehen und soll bis in die Abendstunden geöffnet sein, damit Berufstätige hier bequem ihren Wochenendeinkauf erledigen können.

S-Süd - Stuttgart bekommt einen Bio-Markt. Von Ende April bis Ende September an soll er jeden zweiten und vierten Freitag im Monat auf dem Marienplatz im Süden abgehalten werden. Bislang sind 17 Beschicker aus der Region mit im Boot. Der Geschäftsführer der Märkte Stuttgart GmbH, Thomas Lehmann, stellte am Dienstagabend dem Bezirksbeirat Süd das Konzept vor.

In Köln und Hamburg klappt es gut

Lehmann ist überzeugt, dass die Landeshauptstadt durchaus noch einen weiteren Markt verträgt. Seiner Einschätzung nach ist selbst die direkte Konkurrenz der Märkte an Bihl-, Wilhelms- und Marienplatz kein Problem. Das Bio-Angebot dort liege – wie auch bei den übrigen Wochenmärkten – bei gerade mal zehn Prozent. Das bedeutet beispielsweise: Die Bio-Kartoffeln bekommt man zwar an einem Stand, aber für die Bio-Äpfel muss man sich wieder woanders anstellen. „Ein Ausbau des Bio-Angebots auf dem traditionellen Markt ist kaum möglich. Da findet zu viel Verwässerung statt“, sagt Lehmann. Daher dürfte ein reiner Bio-Markt gute Chancen haben. „Köln und in Hamburg, wo es die Bio-Märkte schon etwas länger gibt, haben gezeigt, dass das funktioniert.“

Der Marienplatz habe sich für den neuen Bio-Markt, der mutmaßlich auch Besucher von außerhalb anziehen wird, besonders geeignet, erläuterte Lehmann. Der großzügige Platz biete genügend Raum, und er sei optimal an die öffentlichen Verkehrsmittel angebunden. Besucher, die mit dem Auto kommen, könnten eines der beiden Parkhäuser in der Nähe nutzen. „Aber unsere Hoffnung ist, dass Kunden, die Wert legen auf Bioware, eher nicht mit dem Auto zum Einkaufen kommen.“

Die Händler hat die Stuttgarter Märkte GmbH in unmittelbarer Nähe rekrutiert. Nur einer kommt aus Heilbronn angefahren. Im Unterschied zum traditionellen Wochenmarkt hätten viele Händler ein gemischtes Angebot, was teils an Kooperationen zwischen Erzeugern liege, so Lehmann. Alle Ware, die angeboten wird, sei bio-zertifiziert. Außerdem wird es immer zwei Imbissstände geben. Und: „Der Markt wird weitgehend plastikfrei sein“, versprach Lehmann. An letzterer Formulierung störten sich die Grünen im Bezirksbeirat, denn sie vertreten die Meinung, dass der Markt komplett plastikfrei sein sollte.

Der Bio-Markt fand aber insgesamt bei den Bezirksbeiräten großen Anklang, und auch der Bezirksvorsteher Raiko Grieb sagte: „Toll, dass der Stuttgarter Süden ausgewählt wurde für diesen Markt, der sicher überregionale Wirkung entfaltet.“ Aber rein rechtlich könnten die Bezirksbeiräte den Bio-Markt auch gar nicht abwehren, wenn sie das wollten, weil sie dadurch das Grundrecht der Marktbeschicker auf freie Berufsausübung beschneiden würden.

Markt touchiert Wochenend-Party

Bedenken gab es nur im Hinblick auf die Marktzeiten. Diese sind an den fraglichen Freitagen von 11.30 bis 19 Uhr, wobei jeweils die Stunde davor und danach für An- und Abbau vorgesehen sind. „Dann haben auch Berufstätige Zeit, dort fürs Wochenende einzukaufen“, sagte Lehmann. Der Jugendrat Gregor Weber gab zu bedenken, dass am Freitagnachmittag das Wochenende beginne und dann viele junge Leute auf den Platz drängten. „Da ist 19 Uhr als Marktende schon ziemlich spät.“ Bezirksvorsteher Grieb teilt Webers Bedenken. Doch der Geschäftsführer der Märkte Stuttgart GmbH sieht darin keinen Widerspruch, zumal die jungen Leute meist sowieso auf den Treppen und Mäuerchen säßen, man sich also räumlich nicht in die Quere käme. Im Grunde, so Lehmann, fände er die Durchmischung von Marktgeschehen und junger Ausgehszene sogar reizvoll und interessant. „Wir müssen beobachten, wie sich das entwickelt.“ Wenn es nicht funktioniert, müsse man nachjustieren. Sicher ist: am Freitag, 23. April, geht’s los.

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