Gemeinsam mit den Nachbargemeinden (Aichtal-)Grötzingen, Wolfschlugen, Denkendorf und Köngen wurde die 44 Kilometer lange Route ausgearbeitet, die am Stück oder in Etappen befahren werden kann. Foto: dpa

Samstag wird in Nürtingen literarischer Radweg „Per Pedal zur Poesie“ eröffnet – Rundkurs zu Gedenkstätten.

Nürtingen - Ingrid Dolde ist der Motor des Vereins Hölderlin-Nürtingen. Sie hat bis zum Abwinken recherchiert, um genügend spannende Fakten für einen neuen literarischen Radweg „Per Pedal zur Poesie“ zu sammeln, der an diesem Samstag eröffnet wird. Er ist der achte seiner Art im Land.

Per Pedes sind viele Wanderfreunde bereits auf Hölderlins Spuren gewandelt: Im vergangenen Jahr weihte der Verein den Wanderweg „In Hölderlins Landschaft“ ein, auf dem nun schon Tausende spaziert sind: „Ein solches Interesse hätte ich selbst nicht für möglich gehalten“, sagt Ingrid Dolde. Jetzt kommen die Pedalisten zum Zug. Gemeinsam mit den Nachbargemeinden (Aichtal-)Grötzingen, Wolfschlugen, Denkendorf und Köngen wurde die 44 Kilometer lange Route ausgearbeitet, die am Stück oder in Etappen befahren werden kann. „Die Landschaft ist wunderschön und bietet oft Ausblicke auf die Alb“, sagt Dolde.

Die Idee für die Radwege „Per Pedal zur Poesie“ stammt von Thomas Schmidt, dem Leiter der Arbeitsstelle für literarische Museen, Archive und Gedenkstätten beim Literaturarchiv in Marbach (Kreis Ludwigsburg). Sie sollen – orientiert an bereits erschlossenen Routen – die Landkarte Baden-Württembergs neu erfahrbar machen. Sie führen zu den Literaturmuseen und Gedenkstätten des Landes, berühren aber auch Handlungsorte von literarischen Texten.

Sieben solcher Radwege wurden bereits eröffnet

Insgesamt 25 solcher Poesie-Radwege soll es einmal geben, sieben wurden bereits eröffnet. Zu jedem wird ein Leporello mit ausführlichem Text inklusive Wege-Karte herausgegeben, das es von Samstag an auch in den Städten und Gemeinden an der Nürtinger Route gibt. Die Kosten von 10.000 Euro für eine Auflage von zunächst 10.000 Stück haben sich das Literaturarchiv und die Kommunen aufgeteilt.

Die Eröffnungsfeier am Samstag beginnt um 10 Uhr im Stadtmuseum Nürtingen. Gegen 11 Uhr wird dann geradelt, die Strecke ist familienfreundlich und auch für nicht Geübte machbar. Allein in der Hölderlin­stadt gibt es mehrere Anfahrstellen: die Lateinschule Hölderlins etwa oder den Schweizerhof, das heute Hölderlinhaus genannte Gebäude Neckarsteige 1, in dem die Familie Hölderlin-Gock bis 1791 wohnte. Im Breunlin’schen Haus übersetzte der Dichter zwischen 1802 und 1804 Sophokles und verfasste theoretische Schriften zur Tragödie.

Aichtal-Grötzingen empfängt die Eröffnungsradler zwischen 12 und 12.30 Uhr in der Bücherei. Dort hat in der Schillerstraße 49 der Kinderbuchautor Paul Maar gelebt. Mörikes Verlobte Luise Rau wohnte im Grötzinger Pfarrhaus. Zwischen 13.30 und 14 Uhr ist Station in der Bücherei in Wolfschlugen. Sämtliche Werke von Friedrich Schiller wurden im Pfarrhaus von Fürchtegott Gustav Willibald Feuerlein ins Lateinische übersetzt. Zudem veröffentlichte der umtriebige Pfarrer und Vater von sechs Kindern Gedichte und Humoresken.

Zum sagenhaften Ulrichstein weiterfahren

In der Kelter von Denkendorf wird von 14.30 bis 15.30 Uhr Pause gemacht. Interessant ist dort Hölderlins Klosterschule und der von ihm beschriebene See. Im Römerpark in Köngen kommen die Pionier-Radler zwischen 16 und 16.30 Uhr an. Dort geht es um Eduard Mörike: Vom Pfarrhaus (Kiesweg 59) aus hatte er „die unbeschreiblich reizende und freye Aussicht auf den ganz nahen Neckar“.

In Nürtingen-Hardt bewirtet der SV Hardt die Radler, die dann noch zum sagenhaften Ulrichstein weiterfahren und über Nürtingen-Oberensingen, Geburtsstätte des Poeten Friedrich Glück, weitere Stationen in der Nürtinger Innenstadt erreichen.

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