Der Leonberger OB Tobias Degode ist vielversprechend in sein Amt gestartet. Doch die harten Nüsse kommen erst, meint unser Redaktionsleiter Thomas K. Slotwinski.
Wer am Montag im Leonberger Rathaus unterwegs war, hat in lächelnde Gesichter geblickt. Viele der Beschäftigten waren in gespannter bis hoffnungsvoller Erwartung auf den neuen Chef. Tobias Degode hatte seinen ersten Arbeitstag. Und an dem nahm sich der Oberbürgermeister viel Zeit, um sein künftiges Team kennenzulernen.
Der OB Degode nimmt sich Zeit für sein Team in Leonberg
Der erste Schritt des von Degode versprochenen Neustarts, der sich auch auf das Innenleben der Stadtverwaltung bezieht, ist also gemacht. Der zweite folgte noch am Abend. Der neue OB traf sich mit den Fraktionen, um die Basis für einen konstruktiven Dialog zu legen. Dass die Chancen dafür gut stehen, war in den Ausschusssitzungen dieser Woche spürbar, auf die sich der junge Chef intensiv vorbereitet hatte.
Der gute Start des Rheinländers im Ländle ist deshalb erwähnenswert, weil er den Beginn einer neuen Ära markieren könnte. Sein Vorgänger Martin Georg Cohn wurde mit freundlichen Worten verabschiedet – für manchen zu freundlich angesichts der großen Spannungen der vergangenen Jahre. Gleichwohl war es richtig, den bisherigen OB in einem menschlich anständigen Rahmen Ade zu sagen. Die Auseinandersetzungen der Vergangenheit dürfen kein Maßstab für die Form des Umgangs miteinander sein.
Für einige hehre Wünsche wohl kein finanzieller Spielraum
Nun aber kann und muss der Blick nach vorne gerichtet werden. Auf das neue Leonberger Stadtoberhaupt kommen gewaltige Aufgaben zu. Zwar hat er nicht die ganz großen Finanzprobleme wie etwa sein Ditzinger Kollege Michael Makurath oder Christian Walter in Weil der Stadt. Doch wenn es gelingt, Schulen und Hallen zu sanieren und brach liegende Stadtentwicklungsprojekte wie die Berliner Straße und vor allem das Postareal endlich umzusetzen, ist schon viel gewonnen. Für weitere hehre Pläne dürfte es im Moment kaum Spielraum geben.
Leonberg hat als Große Kreisstadt im Kreis Böblingen die Aufgaben eines Mittelzentrums. Die Stadt ist Standort wichtiger Schulen, von bedeutsamem Arbeitgebern, sie ist Stadt für den Einkauf und die Freizeit. Das Kino-Center mit einer der größten Leinwände weltweit ist überregionaler Anziehungspunkt. Die hitzigen Diskussionen um die Parkplätze rund ums Leobad und der Sportanlagen des SV sind ein Indikator des hohen Stellenwerts, den der Freizeit- und Breitensport hier genießt.
Leonberger Krankenhaus – Großbaustelle für Degode
Die Funktionen einer Kreisstadt gelten auch für die medizinische Versorgung. Hier gibt es ein breites Spektrum an Fachärzten und das Krankenhaus. Wie entscheidend dessen Funktion als Regelversorger ist, zeigt sich in der Zentralen Notaufnahme, in der rund um die Uhr Betrieb herrscht. Hier gibt es zudem eine Notfallpraxis als Anlaufstelle bei kleineren Beschwerden am Wochenende. All das ist in anderen Städten nicht mehr selbstverständlich, wie das drastische Abbauprogramm in Herrenberg zeigt.
Doch die Zukunft der medizinischen Versorgung ist keineswegs gesichert. Wie sich die bisher so erfolgreiche Innere Medizin weiterentwickelt, bleibt abzuwarten. Der künftige Chefarzt Wolfgang Heinz kommt erst im März. Dann war dieser wichtige Bereich ein Jahr führungslos. Alarmieren muss zudem die Kündigung des Chef-Gynäkologen. Dessen Abteilung soll in rund vier Jahren in die Flugfeld-Klinik umziehen. Noch gibt es in Leonberg die Hoffnung, nicht zuletzt durch eine erfolgreiche Geburtshilfe, die Frauenheilkunde nicht ganz zu verlieren.
Tobias Degode hat gesagt, dass die Stadt „selbst aktiv“ werden müsse, um ein gutes medizinisches Angebot zu gewährleisten. Angesichts der Erfahrungen der vergangenen Jahre ist das eine der ganz harten Nüsse, die der junge OB knacken muss.