Anthony D’Alessandro erzählt im Winter etwas über Käse und Wein. Foto: Nina Ayerle

Neuer Pop Up-Store am Marienplatz: Aus der Eisdiele Gelateria wird über den Winter die Latteria.

S-Süd - Schokolade oder Vanille bestellen längst nur noch die Ewiggestrigen, die auch glauben, als die Eiskugel noch 50 Pfennig gekostet hat, war sowieso alles besser. Eiscafés, die im Sommer so lange Schlangen vor der Tür haben wollen wie die Gelateria im Kaiserbau, verkaufen jedoch Kreationen wie Avocado-Limetten, Rhabarber-Gin und Karamell-Fleur de Sel. Wie das letztlich schmeckt ist bestimmt egal, Hauptsache es klingt exotisch.

Seit dieser Woche ist aus der Gelateria eine Latteria geworden. Eis gibt es nicht mehr. Auch keine Milch, wie der Name vielleicht erahnen ließe. Vielmehr gibt es in der Eisdiele am Marienplatz künftig Käse und Wein, am Samstag wilde Blumensträuße. Allerdings nur für kurze Zeit. Der Pop-up-Store ist nur zur Winterüberbrückung gedacht. Die Idee dazu stammt von Martina Schneider. Die Geschäftsführerin des L.A. Signorina und des Café Kaiserbau hat letztes Jahr an Heiligabend, als sie auf dem Weg zur Familienfeier war und alle Geschenke im Auto verpackt hatte, in selbigem ihren Autoschlüssel eingeschlossen. Bei fast sommerlichen Temperaturen habe sie auf den ADAC gewartet. „Irgendwie schade, dass die Eisdiele zu hat“, habe sie gedacht.

Sommelier Bernd Kreis hat die Weine ausgewählt

Dieses Jahr ist also alles anders: Über den Winter ist die Gelateria ein Laden für eigens von Spitzensommelier Bernd Kreis ausgewählte Weine und passendem Käse dazu. „Wir wollen unsere Geschmacksnerven wieder sensibilisieren, testen wie ein bestimmter Wein zu einem bestimmten Käse schmeckt“, sagt sie.

Auch umgestaltet wurde die Latteria: Die bepflanzte Wand hat Designerin Miriam Köpf, die vor kurzem den temporären Pflanzenladen Phyllis im Heusteigviertel betrieben hat, gestaltet, die Auswahl der Zeitschriften wie „Schluck“ oder „The Gourmand“ hat das Forum Paperness von Matthias Straub, Sabine Marinescu und Janina Poesch übernommen. Anthony D’Alessandro, 27 Jahre, wiederum „schmeißt den Verkauf“ bis Ende Februar – am 1. März macht die Eisdiele wieder auf – und erzählt den Gästen viel über die Käsereien. „Einige haben eine interessante Philosophie“, sagt er.

Wissen über Käse spielt keine Rolle

Nicht das er viel Ahnung habe von Käse. „Aber wir wollen uns ja mit den Leuten auf Augenhöhe treffen hier“, sagt er. Der Charme der Latteria sei, mit den Leuten zusammen zu sitzen, Käse zu probieren und zu reden. D’Alessandro arbeitet als Pizzabäcker im L.A. Signorina nebenan. „Die Latteria ist für mich wie ein kleiner Urlaub in einer anderen Stadt.“ Für Regine Fasshauer sind es die Samstage dort: Die 40-jährige Kunsthistorikerin bringt sich mit ihren Blumensträußen ein. Immer samstags gibt es von hier fünf „wilde Bouquette“.

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