Die Panoramastraße in Gerlingen hat auch in dem 282 Seiten umfassenden Kriminalroman ihren Platz. Foto: factum/

Rudolf Georg ist vom Fach. Der Jurist ist unter die Krimiautoren gegangen. „Sünde des Schweigens“ heißt sein Debütroman. Darin geht es um mehr als die Aufklärung eines Todesfalls. Rudolf Georg wirft andere Fragen auf.

Korntal-Münchingen - Rudolf Georg ist ein Pseudonym. Der 59-Jährige will seine Autorenexistenz klar erkennbar von seinem Berufsalltag trennen – und deswegen auch nicht mit Klarnamen in der Zeitung genannt werden. Bei genauer Betrachtung indes ist deutlich, dass die Geschichte, die er in „Sünde des Schweigens“ erzählt, gar nichts mit dem Alltag eines Verwaltungsrechtlers zu tun haben kann. Mit Strafrecht habe er sich nie so recht anfreunden können. „Eine Wasserleiche muss ich nicht täglich haben“, sagt Georg. Ein Blick in die Gerichtsmedizin gehörte einst zum Referendariat des angehenden Volljuristen in Speyer.

Nicht dort, sondern in Stuttgart und im Strohgäu spielt nun der erste Krimi des Mannes, der heute in Korntal lebt. Darin erzählt Georg die fiktive Geschichte von Margarete Schönfelder und deren Familie.

Tod in Geiselhaft

Schönfelder und ihr Mann geraten während eines Urlaubs in Mali in Geiselhaft. Ihr Mann kommt frei, sie stirbt. Als der Anwalt Jean-Jacques Seltenreich, genannt Joja, den Witwer in einer Rechtssache vertritt, keimt in ihm ein Verdacht auf, der ihm keine Ruhe lässt. Er geht diesem nach, dabei unterstützt von seinem Mentor. Der ist ein alter Hase und eben deshalb auch ein gewiefter Fuchs auf seinem Gebiet. Letztlich behält Seltenreich Recht: Margarete Schönfelder, die der „pietistischen Sparsamkeit ihres Vaters zum Trotz ausgefallene Kleider trug“ – starb nicht in Geiselhaft. Ihr Vater hatte es vermutet. Der war „ein schwäbischer Schaffer im besten Sinn“, ein Ingenieur, der „gegen die anfängliche Skepsis und den Widerstand seines Vaters aus dessen Handwerksbetrieb in harten Jahren mit unermüdlichem Einsatz eines der führenden Unternehmen der Branche“ machte.

Protagonist Joja Seltenreich

Rudolf Georg zeichnet ein Bild der Schönen und Reichen in der Gesellschaft. Von denen, die Macht, Geld und Einfluss haben. Aber auch von denen, die sich im Licht der anderen sonnen. Dem entgegen stellt er seinen Protagonisten Seltenreich. Und trotz des bunten Panoramas einer vielfältigen Gesellschaft bleibt Georg konsequent bei der Geschichte, die sich letztlich nicht allein in der Frage der Todesumstände zuspitzt.

Im Buch bleibt viel Raum für den kriminalistischen Spürsinn des Protagonisten. Doch dem Autor, im wahren Leben berufspolitisch aktiv, geht es auch um Recht und Gerechtigkeit. Und er zeigt auf, dass ein Anwalt der Wahrheit verpflichtet ist. „Das gehört zum Beruf“ sagt Georg.

Zehn Jahre von der Idee zur Umsetzung

Zehn Jahre sind seit den ersten Überlegungen bis zur Umsetzung des Buchs vergangen. Zwischendurch sei die Idee auch mal in Vergessenheit geraten, des Berufs wegen. Aber auch weil er Turniersportler war. Den Sport gab er auf – so hatte er wieder Zeit. Vergangenes Jahr präsentierte er sich dann auf der Leipziger Buchmesse, das Buch war da noch gar nicht fertig. Ein Verlag zeigte bereits Interesse, aus dem Interesse wurde ein Projekt.

Letztlich entstand das Buch nachts, abends – und tagsüber, weil er in seinem Beruf kürzer getreten war. Georg wusste, auf was er sich einließ: er ist Fachautor.

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