Thorsten Leibenath wechselt die Seiten: Neuer Job im „Orange Campus“ Foto: dpa

Thorsten Leibenath hört im Sommer bei Ratiopharm Ulm auf – und doch wieder nicht. Der Trainer schlüpft in eine Doppelrolle: Als Sportdirektor und Chef des neuen Nachwuchszentrums, das knapp 23 Millionen Euro kostet.

Ludwigsburg/Ulm - Man kennt sich. Wenn die MHP Riesen am Sonntag (15 Uhr) in der Basketball-Bundesliga auf Ulm treffen, wird es bereits das 14. Duell der Trainer John Parick und Thorsten Leibenath sein. Doch Freunde werden die beiden nicht mehr werden. Das liegt an zu vielen Auseinandersetzungen nicht nur auf dem Feld, sondern auch abseits davon. Wie in den Play-offs 2017 in Ulm, als die Gäste Protest eingelegt hatten, weil Patrick es während der Partie nicht erlaubt wurde, sich beim Spielkommissar zu beschweren. Das Anliegen wurde abgeschmettert, so dass die Ulmer ins Halbfinale einzogen. So weit ist es jetzt noch nicht, im Gegenteil: Am Sonntag steht ein vorentscheidendes Duell an, wer es in die Play-offs schafft. Das ist den Riesen unter Patrick zuletzt fünfmal gelungen, doch dieses Jahr droht das Aus. Die Ulmer kamen schon im Vorjahr nicht unter die besten acht, und das nach der Wahnsinnssaison 2016/17 mit zunächst 27 Spielen ohne Niederlage, was Leibenath (43) zum Trainer des Jahres machte.

Komplettpaket für Talente

Am Saisonende ist Schluss, der dienstälteste Liga-Coach hört auf: als Trainer, aber nicht in Ulm. Dort wird er einen neuen Job übernehmen, eine Doppelrolle: als Sportdirektor und Nachwuchschef. Gemeinsam mit Ex-Profi Chris Ensminger soll er den Orange Campus zu einem führenden Leistungszentrum in Europa machen. Der Spatenstich ist für 18. Mai terminiert, die Finanzierung des 22,8-Millionen-Euro-Projekts inzwischen gesichert, nachdem sich die Städte Ulm und Neu-Ulm mit zehn Millionen beteiligen.

In erster Linie gilt es, Spieler für die eigene Mannschaft hervorzubringen. Das Programm will aber ein Komplettpaket sein mit Schule und sozialer Integration: „Es geht darum, dass wir die Spieler zu mündigen und intelligenten Menschen erziehen“, nennt Geschäftsführer Thomas Stoll die hehren Ziele des Projekts, das für die Spieler gewissermaßen eine Herzensangelegenheit sein soll, damit sie so lange wie möglich dem Club treu bleiben. Doch Stoll macht sich nichts vor: „Wir werden auch weiter Spieler an andere Clubs verlieren“, sagte er. Geld regiert die Welt, gerade im sehr internationalen Basketball. Aber es soll eine gewisse Trendwende herbeigeführt werden, die auch den noch zu findenden neuen Trainer betrifft. Leibenath hat das in der „SüdwestPresse“ so formuliert: „Es muss jemand sein, der die Bereitschaft hat, jungen Spielern Einsatzzeiten zu geben.“

Auch Riesen setzen auf Nachwuchs

John Patrickdürfte also kaum infrage kommen, nicht nur wegen den Animositäten aus der Vergangenheit. Der 51-Jährige gilt eher als Mann, der fertige Spieler auf sein Defensivsystem trimmt, auch wenn er in dieser Saison den eigenen Talenten Quirin Emanga Noupoue und Ariel Hukporti relativ viel Spielzeit einräumte. Denn auch die Riesen betreiben intensive Nachwuchsarbeit mit der Porsche-Basketball-Akademie (BBA), bei der nicht nur die Autobauer, sondern auch andere Sponsoren wie de Sparda-Bank involviert sind. Zu diesem Projekt zählen zwölf Partnervereine und 55 Partnerschulen, mit der Otto-Hahn-Schule an der Spitze, die zum Beispiel auch Hukporty besucht. Zudem gibt es ein Internat mit rund 15 Plätzen für auswärtige Basketball-Talente. Und sämtliche Trainer der Nachwuchsteams sind eng ins Konzept eingebunden. „Wir sind hier gut aufgestellt“, sagt der Riesen-Vorsitzende Alexander Reil, „aber ohne Frage ist das in Ulm ein tolles Projekt, weil die gesamte In­frastruktur an einem Ort zusammengefasst ist.“ Das schafft kurze Wege. „So etwas hilft.“ Allerdings noch nicht am Sonntag. Da hilft den Riesen im Play-off-Rennen nur ein Sieg.

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