Ralf Rangnick schwärmt schon seit vielen Jahren vom englischen Fußball. Foto: dpa/Jan Woitas

Medienberichten zufolge soll Ralf Rangnick bis Saisonende Trainer bei Manchester United werden. Warum sich für den ehemaligen Coach des VfB Stuttgart ein Kreis schließen würde.

Stuttgart - Die Fußballsaison 1979/80 ist schon ein paar Jahre her – blickt man auf die bewegte Karriere, die Ralf Rangnick seitdem hingelegt hat im Business der Profikicker, ist sie eigentlich kaum mehr eine Erwähnung wert. Doch nun schließt sich mit Blick auf dieses Jahr womöglich ein Kreis.

 

Als Rangnick, heute 63 Jahre alt, einst an der University of Sussex studierte, kickte er für den FC Southwick – und entdeckte seine Liebe für den englischen Fußball, die er stets betont. Später, als Rangnick längst anerkannter Fußballlehrer war, gab es immer wieder Gerüchte, es würde ihn auf die Insel ziehen. Konkret wurde das nie – bis jetzt.

Erst Trainer, dann Berater

Nach Informationen von „The Athletic“ soll Rangnick bis zum Saisonende keinen geringeren Club als den englischen Rekordmeister als Interimscoach betreuen. Also das ruhmreiche Manchester United, das sich vor einigen Tagen, nach dem 1:4 gegen den FC Watford, von Chefcoach Ole Gunnar Solskjaer getrennt hatte. Beim 2:0 am Dienstag in der Champions League beim FC Villarreal hatte Micheal Carrick die Red Devils betreut. Wer ab Sommer 2022 Cheftrainer bei Manchester United sein wird, steht noch nicht fest. Nach entsprechenden Berichten wird Ralf Rangnick das mitentscheiden.

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Das Engagement auf der Insel soll demnach nicht auf eine mehrmonatige Tätigkeit als Trainer beschränkt sein. Zwei weitere Jahre in einer beratenden Funktion sollen zum Paket gehören, das ManU geschnürt hat. Was angeblich noch fehlt: die Freigabe von Lokomotive Moskau.

Mit Weggefährten in Moskau

Dort ist Rangnick als „Head of Sports and Development“ tätig, nachdem er sich nach seinem Abschied aus dem Red-Bull-Kosmos selbstständig gemacht hatte. In Moskau scharte er einige Weggefährten um sich – etwa Markus Gisdol, der in der russischen Hauptstadt nun Trainer ist. Oder Lutz Siebrecht, der von den Stuttgarter Kickers (Sportlicher Leiter) nach Moskau (Co-Trainer) wechselte. In Manchester würde Rangnick auf Superstars wie Cristiano Ronaldo oder Paul Pogba treffen. Und auch wenn ManU in der Premier League als aktuell Achter nicht zu den Titelkandidaten zählt, wäre das Engagement beim Weltclub wie eine späte Krönung von Rangnicks Trainerlaufbahn.

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Die begann als Spielertrainer in der Bezirksliga bei Viktoria Backnang. In der Bundesliga coachte er den SSV Ulm, den VfB Stuttgart, Hannover 96, 1899 Hoffenheim, Schalke 04 sowie RB Leipzig. In Hoffenheim und Leipzig war er viel mehr als Trainer, baute Personal und Infrastruktur auf und etablierte die Clubs mithilfe potenter Geldgeber im Eiltempo im Oberhaus. Seinen einzigen Titel holte Rangnick mit dem FC Schalke 04 – den Pokalsieg 2011.

Zumindest den Ligapokal kann er mit ManU in dieser Saison nicht mehr gewinnen – das Team scheiterte bereits an West Ham United. Doch wer Ralf Rangnick kennt, weiß: Sein Blick geht ohnehin nach vorn. Sein Debüt könnte er am nächsten Donnerstag im Duell mit dem FC Arsenal geben. Viereinhalb Autostunden nördlich von Southwick.