Das Gebiet rund um den Schillerplatz könnte attraktiver werden. Foto: Google Earth Pro

Durch die neue Tiefgarage der Kreissparkasse könnte zwischen Wilhelm- und Schillerstraße ein autofreies Stadtviertel mit Parks und Aufenthaltsmöglichkeiten entstehen. Doch CDU und Freie Wähler sind dagegen.

Ludwigsburg - Es ist ein Umbruch in der Stadtentwicklung, ausgelöst durch den Plan der Kreissparkasse, im so genannten Regler-Areal entlang der Schillerstraße neu zu bauen und eine Tiefgarage zu errichten. Damit könnte ein Quartier entstehen, in dem man sich trifft und flaniert – von der Schillerstraße über den gleichnamigen Platz bis zum Arsenalplatz, der ein urbaner Stadtpark werden soll.

So stellt man sich das im Ludwigsburger Rathaus vor. Doch an einem Punkt scheiden sich die Geister – und legen ein grundsätzlich anderes Verständnis davon offen, wie sich die Innenstadt entwickeln soll. Eine weitgehend autofreie, begrünte Erlebniszone? Oder eine Shoppingmall, die gut mit dem Auto erreichbar ist?

Da gibt es die „grüne Fraktion“, die tatsächlich angeführt wird von den Grünen, der SPD, den Ökolinken und Elga Burkhardt (Lubu). In ihrer Vision würden Autos nur noch auf der Mathilden- und Schillerstraße fahren und am anderen Ende auf der Wilhelmstraße. Der Schillerplatz könnte völlig neu gestaltet werden, der autofreie Arsenalplatz würde mit Bäumen aufgewertet, die Arsenalstraße davor wäre nur noch für Busverkehr benutzbar oder für eine große Fahrradautobahn durch die City. Auch der Stadtplaner Martin Kurt spricht von einem „Wendepunkt in der Stadtentwicklung“. Der Baubürgermeister Michael Ilk empfindet „Freude und Dankbarkeit“ in Richtung Kreissparkasse – mit ihrem Vorschlag entfällt die ursprünglich geplante Tiefgarage unter dem Schillerplatz.

„Die Besucher sollen ihre Autos am Rande der doch überschaubaren Innenstadt abstellen“, erklärt Christine Knoß von den Grünen am Mittwoch im Gemeinderat die Idee. Etwa in einem neuen Parkhaus an der Bärenwiese. Denkt man sich noch Gärten im Innenhof des Staatsarchivs und im Rathaus-Innenhof dazu, würde das Viertel sein Gesicht völlig verändern. Doch für CDU und Freie Wähler ist die Vision der Gegenseite allenfalls die „zweitbeste Lösung“, wie Fraktionsvize Reinhold Noz erklärte. „Wir brauchen Parkplätze mit direkter Anbindung an die Einkaufszentren“, sagt er sein Mantra in der Ratsdebatte auf. Zwar freue man sich über die Tiefgarage unter der Sparkasse, aber das reiche ihnen nicht.

Die Autofraktion will noch nicht aufgeben

Die Freien Wähler haben dazu einen Antrag eingebracht – wonach auf dem Arsenalplatz weiter Autos parken dürfen sollen. Damit wäre die Vision einer weitgehend autofreien Zone obsolet. CDU und Freie Wähler halten die Parkplätze im Zentrum für den Einzelhandel unverzichtbar.

Am markantesten bringt es der parteilose Ex-Republikaner-Stadtrat Harald Lettrari auf den Punkt: „Man kann nicht überall Rasen säen und Bäume pflanzen. Wir sind hier nicht in der freien Natur, sondern in der Stadt.“ Damit prallen die beiden Weltsichten einmal mehr aufeinander – es muss mit einer Kampfabstimmung zum Antrag der Freien Wähler gerechnet werden. Der Ausgang ist offen, alleine haben CDU und Freie Wähler noch keine Mehrheit, die FDP könnte das Zünglein an der Waage werden. Bis zur Sommerpause sollen die Weichen gestellt sein – und auch die Grundsatzfrage entschieden werden, ob und wie viele Autos in dem Areal fahren sollen.

Wie tief der Graben zwischen beiden Lagern ist, davon zeugt eine vergleichsweise harmlose Personalie am Ende der Ratssitzung: Der Freie-Wähler-Rat und Gastronom Andreas Rothacker soll in den wenig bedeutsamen Beirat „Innenstadt-Offensive“ nachrücken. Die Grünen sprechen sich dagegen aus, so Christine Knoß: „Die Diskussion im Beirat entwickelt sich sonst in die falsche Richtung.“ Die Fraktion der Freien Wähler solle doch lieber ein anderes Ratsmitglied vorschlagen.

Rothacker ist den Grünen schon länger ein Dorn im Auge, weil er ein wortgewaltiger Fürsprecher des Autoverkehrs ist. Vergangenes Jahr kam es sogar zu einem Eklat wegen scharfer grüner Kritik an ihm. Doch auch dieser Angriff perlt an Rothacker ab, die Mehrheit beruft ihn in das Gremium.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: