So sieht es im Inneren einer der alten, denkmalgeschützten Speicherkammern aus. Foto: Jürgen Brand

Mit der Rodung von Bäumen und Büschen beginnen in den kommenden Tagen die Vorarbeiten für den Bau des neuen Trinkwasserhochbehälters Kanonenweg am Ameisenberg unterhalb der Uhlandshöhe im Stuttgarter Osten. Von dort aus werden rund 100 000 Stuttgarter mit Wasser versorgt.

S-Ost - In der kommenden Woche könnte es in der Ameisenbergstraße etwas lauter werden. Dann sollen auf der Grünfläche oberhalb des Urachplatzes Bäume gefällt und Büsche entfernt werden. Die Rodungsaktion gehört zu den Vorarbeiten für den Neubau des Trinkwasserspeichers Kanonenweg. Die eigentlichen Bauarbeiten an einem der wichtigsten Knotenpunkte des Stuttgarter Wasserversorgungsnetzes beginnen im April und werden rund drei Jahre dauern. Am Mittwochabend hat die Netze BW GmbH die Anwohner rund um den Trinkwasserhochbehälter auf das Gelände eingeladen, um sie über die geplanten Arbeiten zu informieren. Rund 100 kamen trotz der frostigen Temperaturen – und durften auch einen Rundgang durch einen der denkmalgeschützten Wasserspeicher machen.

Ein Besuch in so einem unterirdischen Trinkwasserspeicher ist eine beschwerliche und durchaus heikle Angelegenheit. Erst muss man steile Treppen nach unten in den Vorraum der Kammer bewältigen. Dann heißt es trotz der Kälte Jacken und Mäntel ausziehen und sich in einen dünnen, überhaupt nicht kleidsamen Overall mit Kapuze zwängen. Die schwere, tresorähnliche Stahltür mit mehreren dicken Sicherheitsbolzen öffnet sich erst, wenn dann noch alle blaue Plastiküberzieher über ihre Schuhe gestülpt und die Kapuze aufgesetzt haben.

26 000 Kubikmeter Wasser pro Tag

Drinnen in der Gewölbehalle ist es ähnlich kalt, glitschig und dunkel. Normalerweise steht das Wasser hier bis zur Decke. Und zwar genau jenes Wasser, mit dem sich dann später rund 100 000 Menschen in Teilen der Stadtbezirke Stuttgart-Mitte, Stuttgart-Ost, Wangen, Hedelfingen, Ober- und Untertürkheim sowie Bad Cannstatt und Münster waschen oder duschen.

Die Versorgungszone Kanonenweg ist die größte Zone, die ein Hochbehälter in Stuttgart abdeckt. Mit Wasser aus den Speichern dort oben am Ameisenberg wird ein durchschnittlicher Tagesverbrauch von mehr als 26 000 Kubikmetern Wasser abgedeckt, an heißen Sommertagen können es in der Spitze auch einmal 54  000 Kubikmeter sein. Auch das Daimler-Werk Untertürkheim beispielsweise wird von dort oben mit Wasser versorgt. Deswegen sollte keiner der Besucher bei dem Rundgang ausrutschen und sein Handy oder seine Kamera fallen lassen. Die Geräte würden auf dem Steinboden in tausend Stücke zerspringen, die Kammer müsste aufwendig gereinigt und desinfiziert werden. Zum Glück geht bei diesem Rundgang alles gut.

Der Neubau kostet 10,5 Millionen Euro

Die Kammern des Hochbehälters Kanonenweg stammen aus den Jahren 1881 und 1926, sind denkmalgeschützt – und sehen auch so aus. Schon Ende 2013 hat die Netze BW beschlossen, dass ihre Zeit um ist und sie durch einen neuen Speicher ersetzt werden sollen. Der neue Behälter wird unter der Grünfläche direkt neben die bestehenden Kammern gebaut. Die beiden neuen Kammern werden mit einem Fassungsvermögen von 7500 Kubikmetern Wasser etwas kleiner als die bestehenden, was durch den heute geringeren Wasserverbrauch in Spitzenzeiten möglich wird.

Die Netze BW investiert in den kommenden drei Jahren rund 10,5 Millionen Euro in den Neubau. „Diese Maßnahme ist unsere derzeit wichtigste Investition in das Stuttgarter Wassernetz“, sagte der Leiter des Regionalzentrums Stuttgart der Netze BW, Harald Hauser, bei der Informationsveranstaltung am Mittwochabend.

Nach der Fertigstellung der neuen Kammern wird die Grünfläche auf dem Hochbehälter wieder hergestellt. Mit der Inbetriebnahme der neuen Behälter haben die alten unterirdischen Speicherhallen ausgedient – und können anders genutzt werden. Bis jetzt haben sich aber offenbar noch keine Interessenten für eine Nachnutzung welcher Art auch immer bei dem Versorgungsunternehmen gemeldet.

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