Im Frühjahr 2024 soll der Hauptsitz der Stadtwerke Stuttgart bezogen werden. Nicht nur die rund 500 Mitarbeiter werden dann vor Ort sein, sondern auch das neue Kundencenter.
Es soll ein absolutes Vorzeigeprojekt werden: Für mehr als 26 Millionen Euro bauen die Stadtwerke Stuttgart (SWS) in der Kesselstraße 23 in Wangen ein „neues Zuhause für die Energiewende“. Auf dem einstigen Trost-Areal gegenüber dem Sportgelände der Sportkultur Stuttgart und in unmittelbarer Nähe zur B 10 werden die künftigen Räume der rund 500 Mitarbeiter bis zum Frühjahr 2024 in einen „Showroom unseres Know-hows“ verwandelt, sagt Peter Drausnigg, der Technische Geschäftsführer der SWS. Integriert ist auch das neue Kundencenter, die jetzige Anlaufstelle im Tagblattturm in der Stadtmitte wird aufgegeben.
Die Baustelle macht Fortschritte, aber nicht so schnell wie gewünscht. Zunächst war von einem Bezug Ende vergangenen Jahres, dann von Anfang und zuletzt von Oktober 2023 die Rede. Aber die knappen Ressourcen im Bauhandwerk und Materialengpässe haben einen Strich durch die Rechnung gezogen. Nun soll der neue Hauptsitz im Frühjahr 2024 bezogen werden. So lange müssen die rund 500 Angestellten der 2011 gegründeten SWS und ihrer Tochter Stuttgart Netze mit den Interimsbüros im benachbarten Gebäude in der Kesselstraße 21 Vorlieb nehmen, die auch im Anschluss weiter genutzt werden.
„Am neuen Unternehmenssitz werden wir die Nachhaltigkeit vorleben“
Durch die Verzögerung und die gestiegenen Preise in der Baubranche sind auch die geplanten Kosten auf mehr als 26 Millionen Euro geklettert, genau ließe sich dies aber noch nicht beziffern. Diese bittere Kröte schluckt die SWS aber bewusst, schließlich „werden wir an unserem neuen Unternehmenssitz Nachhaltigkeit vorleben“, verspricht Drausnigg.
Die 2011 gegründeten Stadtwerke Stuttgart und ihr Tochterunternehmen Stuttgart Netze setzen dabei konsequent auf erneuerbare Energien, statt auf Kern- und Kohlekraft für die Stromerzeugung. 80 Prozent der Wärme wird mit einer Wärmepumpe aus Abwasser gewonnen, die zu 100 Prozent klimaneutral betrieben wird. Für die restlichen 20 Prozent des jährliche Gesamtwärmebedarfs von 675 Megawatt sorgen weiter regenerative Quellen. „In unserem neuen Zuhause tragen auch viele kleine Maßnahmen dazu bei, Kilowattstunden zu sparen oder Energie intelligent zu nutzen. Die Lastenaufzüge geben zum Beispiel Energie ab, wenn sie nach unten fahren“, sagt Drausnigg. Auf dem begrünten Dach ist eine große Photovoltaik-Anlage vorgesehen. Dank der 900 Solarmodule können pro Jahr mehr als 84 000 Kilogramm Kohlendioxid vermieden werden. „Zudem testen wir vier kleine Windkraftanlagen. Damit sind wir Vorreiter in Stuttgart. Deren Gesamtleistung ist mit 3900 Watt zwar nur marginal, aber wir wollen damit zeigen, was machbar ist“, ergänzt der Geschäftsführer.
Neues Kundencenter macht Energieströme in Echtzeit sichtbar
Bereits Ende des Jahres soll der neue Mobilitäts-Hub fertiggestellt sein – ein Parkhaus mit begrüntem Dach. Auf 7500 Quadratmetern auf fünf Ebenen entsteht nicht nur Raum für Fahrzeuge, sondern auch die Möglichkeit, E-Autos zu laden, E-Roller und Fahrräder unterzustellen. Zudem sollen Sharing-Möglichkeiten umgesetzt werden. So sollen verschiedene Mobilitätsangebote miteinander verknüpft und damit Alternativen für die Mitarbeiter geschaffen werden.
Nicht zuletzt soll man das Energiekonzept des Hauses nachvollziehen können. „Wir werden alle Energieströme vom Keller bis aufs Dach in Echtzeit sichtbar machen oder durch dreidimensionale Darstellungsmöglichkeiten das Prinzip der Wärmegewinnung durch Abwasser veranschaulichen“, sagt Drausnigg. Im neuen Nachhaltigkeits-Kundencenter sollen die Gäste sprichwörtlich die Energiewende zum Anfassen und Ausprobieren erleben. Dieses entsteht auf 310 Quadratmetern im Erdgeschoss des Verwaltungsgebäudes. Mit der Fertigstellung im Frühjahr 2024 wird dafür die bisherige Anlaufstelle im Tagblattturm in der Eberhardstraße 61 geschlossen. Das bedeutet für die Kunden zum Teil deutlich weitere Wege – anstatt in die Innenstadt müssen sie nun in den kleinen Stadtbezirk im östlichen Teil des Stuttgarter Stadtgebiets fahren.