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Christoph 51 hebt künftig vom Flugplatz in Pattonville ab. Der bisher am Stuttgarter Flughafen stationierte Helikopter der DRF-Luftrettung zieht in den Kreis Ludwigsburg.

Kornwestheim - Christoph 51 hebt künftig vom Flugplatz in Pattonville ab. Der bisher am Stuttgarter Flughafen stationierte Helikopter der DRF-Luftrettung zieht im Oktober in den Kreis Ludwigsburg. Am Montag wurde auf dem Flugplatz der Grundstein für den Hubschrauber-Hangar gelegt.

Der Zahn der Zeit hat seine Spur hinterlassen: Am Maschendrahtzaun um den Landeplatz wuchert hohes Gras, die Blechfassaden der Flugzeughallen haben Rost angesetzt. Einsam und verlassen steht der alte Kontrollturm am Rand des Airfields von Pattonville, das einst vom USMilitär genutzte Gelände strahlt maroden Charme aus. Regelmäßigen Flugbetrieb kann man sich auf dem ausgedienten Rollfeld zwischen Remseck, Stuttgart und Kornwestheim nur mit Mühe vorstellen.

Doch genau das plant die Deutsche Rettungsflugwacht (DRF). Im Herbst soll der Rettungshelikopter Christoph 51 seinen Dienst in Pattonville aufnehmen. Für knapp eine Million Euro wird derzeit am Rand des Rollfelds eine Hubschrauber-Landebasis aus dem Boden gestampft.

Neben dem sieben Meter hohen Hangar für den Helikopter entsteht ein einstöckiges Gebäude fürs Personal - zwei Piloten und acht Rettungsassistenten sollen von acht Uhr morgens bis zum Einbruch der Dunkelheit für schnelle Hilfe aus der Luft sorgen. Außerdem sind 24 Notärzte des Ludwigsburger Klinikums abwechselnd in Alarmbereitschaft - im Umkreis von 50 Kilometern soll Christoph 51 binnen 15 Minuten am Unfallort sein. Durch verkürzte Rettungszeiten profitiert deshalb neben dem Kreis Ludwigsburg vor allem der Rems-Murr-Kreis von dem Umzug. Weitere Nutznießer sind Hohenlohe und Heilbronn. Schwäbisch Hall, bisher ein weißer Fleck auf der Landkarte der Luftretter, kommt als Zielort hinzu. "Für den Landkreis und alle Patienten ist es eine rundum gute Sache, dass der bisherige Standort optimiert wird", freute sich Ludwigsburgs Landrat Rainer Haas bei der Grundsteinlegung über den Wechsel.

Dass die DRF bereits seit 2006 mit einem neuen Startplatz für ihren Helikopter liebäugelt, liegt allerdings nicht nur am vergrößerten Einsatzradius. Durch die enorm gestiegene Zahl der Starts und Landungen am Stuttgarter Flughafen haben die Luftretter immer größere Mühe, im Notfall überhaupt abheben zu können - im Ernstfall muss der Hubschrauber auf eine Lücke im Flugplan warten. Hinzu kommen die zum Schutz vor Terroranschlägen verschärften Sicherheitsauflagen in Echterdingen. Die Ausrüstung des Einsatzteams muss laut DRF-Sprecherin Petra Hentschel genauso kontrolliert werden wie das Handgepäck der Passagiere - neben dem Zeitverlust sind in Stuttgart auch die Betriebskosten höher.

Neben der größeren Flexibilität hat der neue Hangar in Pattonville auch technische Vorteile. Die Hubschrauberplattform fährt auf Schienen aus der Halle und erhält eine Drehscheibe, die je nach Windrichtung ausgerichtet werden kann. Außer einer Handvoll Hobbyflieger hätte noch vor wenigen Jahren niemand damit gerechnet, dass das ausgediente Rollfeld eine Zukunft haben könnte. Nach dem Abzug der US-Truppen im August 1992 war völlig unklar, wie es mit der Militärbrache weitergehen soll.

"Die Schließung war zum Greifen nahe", erzählt Wolfgang Winkler, Chef der Flugbetriebsgemeinschaft Pattonville. Der Club hat nach zwei Sondergenehmigungen erst Ende 2008 eine unbefristete Erlaubnis für Starts und Landungen erhalten. Gegen die Stationierung des Helikopters hatten 140 Anwohner eine Einwendung eingereicht, das Regierungspräsidium begrenzte die Zahl der Einsätze deshalb auf 2400 Flüge jährlich. Nachts ist höchstens eine Landung zulässig. "Ich kann nur hoffen, dass diese Anwohner den Hubschrauber nicht eines Tages selbst brauchen", erklärte Landrat Haas zu Beschwerden über Ruhestörung. Bernd-Marcel Löffler, Bezirksvorsteher in Stuttgart-Mühlhausen, wurde am Montag ebenfalls deutlich: "Es ist höchst egoistisch, wenn das Mittagsschläfchen als höchstes Gut gesehen wird. Jeder Hubschrauberflug ist ein Sieg der Technik über den Tod."

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