Ein neuer Hingucker: in der Motorworld können betuchte Kunden jetzt auch ein Flugmobil kaufen Foto: factum/Simon Granville

Der Hersteller Pal-V eröffnet seine erste deutsche Dependance in Böblingen. Die Lizenz zum Abheben fehlt noch. Gefragt sind vermögende Kunden.

Böblingen - Seine Flügel kann der Pal-V in der Motorworld zwar nicht ausbreiten, aber abheben soll er in Böblingen trotzdem. Die niederländischen Hersteller des Autos, das fliegen kann, hoffen auf viele Abnehmer in dem für sie so wichtigen Markt. „Über die Eröffnung unseres ersten externen Verkaufspunktes sind wir sehr glücklich“, sagt Marco van den Bosch am Freitag in der Werkstatthalle. Denn in der Motorworld rechnet er mit Kundschaft, die „ein großes Herz für Automobile und Abenteuer“ hat. Ein großes Vermögen sollte sie auch haben: Der Einstiegspreis für das Flugauto liegt bei knapp 300 000 Euro, die ersten 90 Modelle kosten eine halbe Million, weil sie als Sammlerstücke gelten.

Erste Auslieferung im Jahr 2022

Seit zwölf Jahren tüfteln die Niederländer an ihrer Konstruktion herum, im Jahr 2012 fanden die ersten Testflüge statt. „Wir sind die ersten auf der Welt, die ein solches Fahrzeug anbieten können“, sagt Marco van den Bosch stolz. Ihm zufolge verfügt es seit kurzem über die Zulassung für das öffentliche Straßennetz, die Lizenz zum Fliegen ist noch in Arbeit. Aber die erste Auslieferung eines Pal-V wird sowieso erst im Jahr 2022 sein. Einen normalen Führerschein benötigen die Fahrer dafür. Wer damit in die Luft gehen möchte, muss allerdings zuerst die Pilotenlizenz erwerben. Dieses Papier bietet die Firma in der eigenen Akademie an – laut ihrem Geschäftsführer für rund 20 000 Euro. Rund 45 Stunden müssten sie dafür rechnen, dann dürften die Kunden in ganz Europa herumfliegen.

Eher ein Flugzeug, das fahren kann, ist der Pal-V auch bei Start und Landung: Beides darf der Pilot natürlich nur auf einem Flughafen machen. Start- und Landeplätze sollen neben den Ausfahrten von Autobahnen angelegt werden, sagt Marco van den Bosch. In den Niederlanden sei es auch möglich, einen Privatflughafen zu eröffnen. Dafür sei nur eine Wiese in der Größe von 300 Meter mal 30 Meter notwendig. Denn bei der Maschine handelt es sich um einen Gyrocopter, dessen Rotoren nicht wie beim Helikopter durch ein Triebwerk in Gang gesetzt, sondern vom Fahrtwind gedreht wird. Dadurch sei es eines der sichersten Fluggeräte.

Der Prototyp bleibt nur kurz in Böblingen

Durch einen Knopfdruck wechselt der Pal-V innerhalb von fünf Minuten die Rolle: Dann klappt er seine Flügel aus, das Lenkrad verschwindet im Armaturenbrett, und aus dem Fahrersitz fährt der Steuerknüppel aus. „Wir fliegen von Stadt zu Stadt, und in der Stadt fahren wir dann“, erläutert der frühere Hubschrauberpilot der niederländischen Luftwaffe den Vorteil des Pal-V. Von Stuttgart nach Genf daure es mit dem Auto beispielsweise fünfeinhalb Stunden, mit dem Flugmobil etwa die Hälfte der Zeit.

Mehr Auto als Flugzeug ist der Pal-V beim Thema Treibstoff: Er kommt mit gewöhnlichem Benzin vorwärts, der 100-Liter-Tank reicht für 500 Kilometer in der Luft. Dank der zusammenklappbaren Rotoren passt das Gefährt in die Garage oder ein Parkhaus. Insgesamt sei er mindestens vier Mal günstiger als ein Hubschrauber. Die 140 Investoren, die die Entwicklung des Pal-V finanziert haben, rechnen bis 2040 für fliegende Autos mit einem Marktpotenzial von zwei Billionen Euro. Auch Mercedes-Benz und Hyundai arbeiten an solchen Fortbewegungsmitteln.

„Es ist die Zukunft der Mobilität“, ist sich Marco van den Bosch sicher. Damit im Luftraum nicht das Chaos ausbricht, müssten sie bis in 15 Jahren autonom gesteuert sein. Wenn Batterien mit weniger Gewicht mehr Reichweite bieten, könnten sie eines Tages auch mit Strom fliegen.

Noch bis Sonntag, 11. Oktober, ist der Prototyp der Maschine in Böblingen zu sehen, bevor er in die Münchner Motorworld verfrachtet wird. Danach wird dei Maschine durch ein Modell ersetzt.

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