Der neue Präsident von Gesamtmetall kommt aus Bayern und ist „OTler“: Udo Dinglreiter sieht den Flächentarif nicht für jedes Unternehmen als das passende Regelwerk an.
Die Geschicke des Arbeitgeberdachverbands Gesamtmetall sind in den vergangenen fünf Jahrzehnten allein von Industrievertretern aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen bestimmt worden. Nach zwei Präsidenten aus dem Südwesten, Rainer Dulger und Stefan Wolf, ist nun ein Bayer am Zug: Udo Dinglreiter wurde jetzt zum neuen ehrenamtlichen Chef von Gesamtmetall gewählt.
Erst der zweite bayerische Präsident
Der Mann ist Mitinhaber und Geschäftsführer des Maschinen- und Anlagenbauers R. Scheuchl im bayerischen Ortenburg und erst der zweite bayerische Präsident nach Anton von Rieppel (1911 bis 1919) sowie der erste aus einem nicht tarifgebundenen Unternehmen – was ein nunmehr auch öffentlich sichtbares Signal sein dürfte, dass der Erhalt der Tarifbindung nicht mehr höchste Priorität für Gesamtmetall hat.
Er habe großen Respekt vor der Tarifautonomie und gemeinsam erzielten Ergebnissen. „Der Flächentarif ist jedoch nicht für jedes Unternehmen das passende Regelwerk“, sagte Dinglreiter zu seiner Rolle als OT-Mitglied. „Als Präsident von Gesamtmetall vertritt man die Interessen von T- und OT-Unternehmen gleichermaßen.“ Für die Debatte, wie der Flächentarif attraktiver gemacht werden kann, „ist diese Perspektive sicher hilfreich“. Ein Gesamtmetall-Präsident müsse zudem für den Ausgleich verschiedener Interessen sorgen. Er „möchte, dass Deutschland wieder um seine Wettbewerbsfähigkeit beneidet wird, statt wie im Moment eher bemitleidet“.
„Mutig, wenn es keinen Beifall versprach“
Der 56-Jährige tritt das Amt zum 1. Januar 2026 an, nachdem sein Vorgänger Stefan Wolf Mitte Oktober mit sofortiger Wirkung seinen Rückzug verkündet hatte – zum Bedauern der IG Metall und womöglich von staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen ihn beeinflusst. Der Bayer attestiert dem Schwaben, er habe „Klartext gesprochen, auch dann mutig, wenn es keinen Beifall versprach, dabei aber mit Verständnis für die Handlungszwänge seiner Gesprächspartner in Politik wie Gewerkschaften“. Der gebürtige Bad Griesbacher Dinglreiter gehört dem Vorstand des Bayerischen Unternehmensverbands Metall und Elektro an und ist bundesweit bisher eher unbekannt.