Der neue Hemminger Gemeinderat. Hinten links: der Bürgermeister Schäfer. Foto: Simon Granville

Im neuen Gemeinderat von Hemmingen sind mehr weibliche als männliche Mitglieder. Der Bürgermeister findet die Rolle des Spitzenreiters vorteilhaft.

Sieben neue Gesichter sitzen nun im Gemeinderat der kleinsten Strohgäu-Kommune Hemmingen – und mit Maya Stelzner sind nach 25 Jahren die Grünen wieder vertreten. Die Partei ist raus. Neben Maya Stelzner hat der Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU) in der konstituierenden Sitzung Adrian Betz, Aline Breuninger, Tanja Huber (CDU), Björn Gerlach, Klaus Huber (Freie Wähler) und Kathrin Anandasivam (FDP) verpflichtet. Damit ist der Rathauschef jetzt Vorsitzender eines Gemeinderats, der in der Region Stuttgart als einziger mehr Frauen als Männer hat. „Dass wir wohl die einzige Gemeinde mit 55 Prozent Frauenanteil sind, steht uns gut zu Gesicht und zeigt, dass Politik nicht nur was für ‚alte weiße Männer’ ist“, meint Thomas Schäfer. Zehn der 18 Sitze haben Frauen inne, bisher waren es fünf. Er freue sich auf die Zusammenarbeit sowohl mit den ‚alten Hasen’ als auch neuen Kolleginnen und Kollegen, sagt Thomas Schäfer. „Damit ist eine solide Basis gelegt für Konstanz auf der einen Seite, aber auch frischen Wind auf der anderen Seite.“

 

Und noch etwas ist künftig anders: Auf Antrag der CDU-Fraktion hat der Bürgermeister nur noch zwei statt drei Stellvertreter. Geheim wählte das Gremium Ute Freitag (CDU) und Sabine Waldenmaier (Freie Wähler). Die Hauptsatzung der Gemeinde sieht lediglich vor, mehrere Stellvertreter aus der Mitte des Gemeinderats zu wählen – der bislang ein Trio ins Rennen schickte. Zum Haushalt hatte die CDU beantragt, den dritten Stellvertreter zu streichen. „Der Bürgermeister ist quasi immer im Amt, und wenn nicht, dann doch digital erreichbar“, begründet der Fraktionschef Walter Bauer den Vorstoß. In der vergangenen Wahlperiode habe Ute Freitag kaum die Notwendigkeit gehabt, eingesetzt zu sein. Außerdem nehme man mit der Streichung niemandem etwas weg. Drei Mitglieder enthielten sich.

Zwei Frauen als Stellvertreterinnen

Walter Bauer verzichtet auf das Amt des ersten Stellvertreters. Zwar sei es in Hemmingen Gewohnheit, dass der Stimmenkönig der stärksten Fraktion den Posten erhält. Aufgrund seines Berufs als Landwirt verfüge er jedoch nicht über eine gewisse zeitliche Flexibilität, die dieses Amt erfordere, um auch kurzfristig Termine wahrnehmen zu können. „Ute Freitag genießt in der Bevölkerung allerhöchstes Ansehen“, so Bauer. Auch die Besetzung der Ausschüsse, Verbandsversammlungen und sonstigen beratenden Gremien und Kommissionen ging ohne Diskussion über die Bühne. Die Fraktionschefs hatten zuvor im Gespräch mit der Gemeindeverwaltung Einigung erzielt.

Der Bürgermeister Schäfer sagt, er hoffe „doch sehr“, dass die Veränderungen im Gemeinderat nicht mit parteipolitischen Veränderungen einhergehen. „Kommunalpolitik ist Sachpolitik, und die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte werden aufgrund ihrer Persönlichkeit gewählt – und weniger wegen der politischen Couleur.“