Martin Harnik (links) und Daniel Ginczek gemeinsam mit ihrem Freund und Geschäftspartner Christian Hartmann Foto: Herbert Rudel

Martin Harnik und Daniel Ginczek, aus gemeinsamen Zeiten beim VfB Stuttgart dicke Kumpels, gehen unter die Metzger und eröffnen einen Fleisch-Laden in Stuttgart. In dem Meat Club gibt es gleich mehrere Besonderheiten.

Stuttgart - Lässig lehnt sich Martin Harnik an den Tresen, sein Kumpel Daniel Ginczek lässt fröhlich das Paket mit Steaks vom ­Wagyu-Rind in der Hand hüpfen. „Ist das aus Kobe?“, fragt er seinen Partner Christian Hartmann. Der verneint, Kobe gibt’s derzeit nicht, aber die Steaks aus einen anderen Dorf aus Japan seien dennoch etwas ganz besonderes. Und genau darum geht es dem Trio: Gemeinsam mit dem Experten eröffnen die beiden Fußball-Profis Martin Harnik (30) und Daniel Ginczek (27) in der Stuttgarter Innenstadt an der Eberhardtstraße einen neuen Fleisch-Laden, den Meat Club. Im Prinzip gehen die Fußballer also unter die Metzger, allerdings mit einem komplett neuartigen Konzept.

Angefangen hat die Geschichte vor drei Jahren, als der Österreicher Martin Harnik und Daniel Ginczek noch gemeinsam für den VfB Stuttgart auf Torejagd gegangen sind. Damals grillten sie gemeinsam mit ihrem Freund Christian Hartmann – und waren erstaunt über die Qualität des Fleisches, das dieser anschleppte, durch seine jahrelange Tätigkeit bei Feinkost Böhm kannte er die entsprechenden Bezugsquellen. Bei einer solchen Gelegenheit kam ihm schließlich der Gedanke, dies in ein neues Konzept einfließen zu lassen – und die beiden Fußballer brauchten keine Minute zum Nachdenken und waren sofort mit dabei. „Ich bin einfach völlig überzeugt davon“, sagt Martin Harnik, „wenn mir der Laden nicht gehören würde, dann wäre ich ganz sicher Stammkunde hier!“

Der Verkäufer steht nicht hinter dem Tresen

Das Neue an der Metzgerei: Das bisherige Prinzip des Einkaufs wurde neu erfunden. Das Ganze ist ein bisschen wie die Einführung der ballorientierten Raumdeckung im Fußball. Eine Revolution.

Im Meat Club steht der Metzger nämlich nicht hinter dem Tresen, schneidet die Wursträdchen runter und sagt: „Darf es ein bisschen mehr sein?“ Im Meat Club gesellt sich der Verkäufer zum Kunden und berät ihn. „Dafür haben wir wirklich ein tolles Team“, sagt Christian Hartmann. Die Crew berät nicht nur zum Fleisch, sondern auch zur Zubereitung. „Ich kann wirklich nicht kochen“, sagt Daniel Ginczek, „aber ich ­habe das mit der Beratung hingekriegt.“

Zweite Besonderheit: Der Kunde kann probieren. Wer sich nicht sicher ist, lässt ein Stück vom favorisierten Fleisch gegen einen Unkostenbeitrag auf einem Spezialgrill zubereiten und testet. So erfährt der Kunde, ob das Dry-age-Stück ihm vielleicht doch ein bisschen zu heftig schmeckt oder nicht. Der Meat Club soll deshalb zwar nicht zum Mittagslokal werden, aber das Prinzip ist klar – wie bei einem guten Winzer. Dort probiert man schließlich auch den Wein bevor man kauft und erfährt etwas über Herstellung und Hintergrund. „Wenn man dieses Stück dann abends genießt, dann schmeckt das doch gleich ganz anders“, glaubt Harnik.

Nur Fleisch aus artgerechter Haltung

Dritte Besonderheit der edlen Fußball-Metzgerei: Das Fleisch kommt in jedem Fall aus einer artgerechten Haltung. Ob nun das Dry aged aus Schottland oder das Wagyu aus Japan – Massentierhaltung ist komplett ausgeschlossen. „Wir sind alle drei absolute Tierliebhaber“, sagt Martin Harnik, „das war uns ausgesprochen wichtig.“ Das Motto lautet: Lieber ­weniger Fleisch essen und ­dafür aber unter anständigen Bedingungen erzeugtes. Diese Qualität hat natürlich ihren Preis, das Angebote hebe sich schon vom normalen ab. Aber abgehoben seien die Preise deshalb nicht, „wir verkaufen auch ganz normale Steaks, sagt Christian Hartmann. Vom ­Wagyu-Filet für über 300 Euro das Kilo bis zum normalen Hüftsteak für 25 Euro das Kilo sei alles dabei.

Für Harnik und Ginczek ist das Geschäft eine absolute Herzensangelegenheit. Hier haben nicht zwei Profis ihren Namen und ein bisschen Geld gegeben, sie stünden hinter dem Laden. „Wir haben auch alles probiert", sagt Martin Harnik, der ja im Augenblick bei Hannover 96 unter Vertrag steht, „das war der schönste Teil an dem Projekt: Wie die Fleischpakete durch die Republik geschickt wurden.“ Der Stürmer sieht darin sogar ein mögliches Aufgabenfeld nach der aktiven Laufbahn: „Das operative Geschäft macht natürlich Christian, aber wir stehen voll ­dahinter.

Der Meat Club in der Eberhardtstraße 31 startet am 25. Mai und hat Montag bis Donnerstag von 10 bis 19 Uhr geöffnet, ­Freitag und Samstag von 9 bis 19 Uhr.

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