Der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth (li.) und sein Sportdirektor Christian Gentner halten nach einer Verstärkung für die Position vor der Viererkette Ausschau. Foto: Pressefoto Baumann/Alexander Keppler

Beim VfB wird für die kommende Saison ein erfahrener Spieler für die Defensive mit Leaderqualitäten gesucht: Dabei geht der Blick weniger auf die Innenverteidiger- und mehr auf die Sechserposition.

Wenn der SV Werder Bremen wie am Sonntag (15.30 Uhr) in der Stadt ist, dann liegen rund um den Neckar Tore in der Luft. Legendär torreiche Partien haben sich beide Clubs, die Nummer drei (Werder) und vier (VfB Stuttgart) der ewigen Bundesliga-Tabelle, schon mehrfach geliefert. Heimsiege mit 6:3, 6:0 oder 4:1 waren in den letzten 15 Jahren allein für den VfB dabei – aber auch ein aus Stuttgarter Sicht bitteres 2:6 am Bremer Osterdeich in der Abstiegssaison 2016.

 

Das letzte 0:0 zwischen dem VfB und Werder liegt dagegen bereits 20 Jahre zurück. Und auch diesmal könnte das ein oder andere Törchen mehr rausspringen: denn beide Teams lieben den Vorwärtsgang – mit 44 sowie 53 Gegentoren stellen die Stuttgarter und Bremer die sechst- sowie viertschlechteste Abwehr der Bundesliga. Das entspricht bei weitem nicht den eigenen Ansprüchen.

Beim VfB, der beim 4:0 in Bochum zuletzt ohne Gegentreffer blieb, hat man das Problem längst erkannt – und ist mit Blick auf die neue Saison dabei zu handeln: Denn im Vergleich mit der Offensive, die mit Nick Woltemade nach den goldenen Zeiten mit Deniz Undav und Serhou Guirassy auch den Shootingstar der laufenden Runde herausgebracht hat, hinkt die Defensive von der individuellen Reife her ein wenig hinterher.

Auch wenn sich hinten drin nach den Abgängen von Waldemar Anton und Hiroki Ito am Wasen zuletzt vieles in die richtige Richtung gewendet hat, indem etwa die beiden Winterzugänge Finn Jeltsch (als klarer Kandidat für die Startelf) und Luca Jaquez (als ernst zu nehmende Alternative in der Innenverteidigung) gut eingeschlagen haben.

Weil es mit Ex-Kölner Jeff Chabot und dem belgischen Nationalspieler Ameen Al-Dakhil weitere gestandene Innenverteidiger gibt – und mit Dan-Axel Zagadou ein international erfahrener Routinier im Reha-Prozess kontinuierliche Fortschritte macht, gilt das Abwehrzentrum in Bezug auf die Planungen für die kommende Saison clubintern nicht als die größte Baustelle.

Zudem sind hier aktuell alle Planstellen besetzt. Wir halten aber die Augen offen – lautet daher ganz offensichtlich die VfB-Devise. Für prompte Rochaden auf der Innenverteidiger-Position wie im Falle des Transfers von Anthony Rouault im Januar will man schließlich auch künftig vorbereitet sein.

Weil das defensive Kerngeschäft bereits vor der Viererkette beginnt, ist die Sechser-Position in den Fokus der Arbeit des Sportvorstands Fabian Wohlgemuth und seines Sportdirektors Christian Gentner gerückt. Gesucht wird beim VfB für die kommende Saison so etwas wie ein Abteilungsleiter Defensive. Ein erfahrener Mittelfeldspieler mit robusten Qualitäten im Zweikampf, der aber auch ein Auge für den Spielaufbau besitzt. Etwa nach dem Vorbild des Leverkuseners Granit Xhaka.

Atakan Karazor spielt nicht auf dem Niveau der Vorsaison. Foto: I/MAGO/Gladys Chai von der Laage

Schließlich ist der VfB-Kader auf den Positionen vor der Viererkette nicht allzu üppig bestückt. Bespielt wird die Doppel-Sechs aktuell fast ausnahmslos von Angelo Stiller und dem Kapitän Atakan Karazor. Wobei Letzterer deutlich der Form der Vorsaison hinterher hinkt. Mit Yannik Keitel hat die Alternative der ersten Wahl hier in der Bundesliga nur zweimal mehr als 20 Minuten gespielt. Der Ex-Freiburger agierte zuletzt in Bochum als Ersatz für den gesperrten Stiller solide, aber nicht überragend. Klar ist also, dass ein erfahrener Neuzugang den Konkurrenzkampf im defensiven Mittelfeld anheizen soll – Führungsaufgaben auf dem Platz gibt es dabei inklusive, weshalb er entweder deutsch- oder fließend englischsprachig sein soll.

Allerdings hatte der VfB im Falle des zum FC Liverpool abgewanderten Wataru Endo zuletzt auch mit einem stillen Leader gute Erfahrungen gemacht. Die große Zeit der exzentrischen Regisseure à la Stefan Effenberg ist in der Bundesliga ohnehin vorbei.

Doch auch der Trainer Sebastian Hoeneß, das ist längst kein Geheimnis mehr, wünscht sich als Ergänzung zum vorhandenen Personal eine Prise mehr Erfahrung für seinen Kader. Auch, weil sein Team nach 28 Spieltagen mit einem Durchschnittsalter von 23,8 Jahren dicht hinter Eintracht Frankfurt und RB Leipzig das drittjüngste Team der laufenden Bundesligarunde ist.

Finn Jeltsch gehört die Zukunft

Parallel zur Verpflichtung eines gestandenen Sechsers sollen sich unter der Führung von Hoeneß in der Abwehr des VfB neue Hierarchien entwickeln. Linksfuß Chabot ist aktuell die Säule der Stuttgarter Viererkette, aber kein allzu großer Kommunikator – anders als Linksfuß Zagadou, der aber erst physisch wieder Fuß fassen muss. Finn Jeltsch gehört auch mit Blick auf defensive Führungsaufgaben die Zukunft. Doch für die Aufgabe des Abteilungsleiters Defensive ist der Ex-Nürnberger mit gerade mal 18 Jahre noch zu jung.