Harald Schaber (links) übernahm die Verpflichtung von Tobias Pokrop als neuem Bürgermeister von Rutesheim. Foto: Simon Granville

In Rutesheim ist Tobias Pokrop nun offiziell als Bürgermeister vereidigt worden. Vor ihm liegen große Projekte – und auch personelle Herausforderungen.

Entscheidungen musste der Gemeinderat bei dieser „ganz besonderen Sitzung“, wie sie der Erste Beigeordnete Martin Killinger bezeichnete, nicht treffen. Das haben die Wählerinnen und Wähler getan, als sie am 22. Februar im zweiten Wahlgang Tobias Pokrop zu ihrem neuen Bürgermeister bestimmten. Die öffentliche Amtseinsetzung fand am Freitagabend in der Aula des Schulzentrums statt – in feierlichem Rahmen mit Begleitung des Musikvereins Rutesheim.

 

Harald Schaber übernahm als erster stellvertretender Bürgermeister die Vereidigung auf das Grundgesetz und die Landesverfassung sowie die Verpflichtung von Tobias Pokrop als neues Mitglied des Gemeinderats. Der Bürgermeister ist Vorsitzender des Gemeinderats, leitet die Stadtverwaltung und vertritt die Stadt. Tobias Pokrop bringe reichlich Erfahrung mit und sei für dieses Amt hoch qualifiziert, sagte Schaber. Er wies auf die engagierten Beschäftigten der Stadtverwaltung hin, erinnerte aber daran, dass in diesem Jahr zwei Führungskräfte in den Ruhestand gehen: der langjährige Stadtbaumeister Bernhard Dieterle-Bard ist es seit Kurzem, am Jahresende folgt der Erste Beigeordnete Martin Killinger.

Drei große Projekte beschäftigen Rutesheim

Schaber nannte Projekte, die Gemeinderat und Verwaltung derzeit bewegen. „Das größte und spannendste ist unser Wärmenetz.“ Die Energiezentrale sei gebaut und in Betrieb, nun müsse entschieden werden, wie es weitergeht. Ebenfalls eine Herausforderung sei die weitere Vermarktung der Bosch-Bauflächen. Einen ersten Bauträger für ein Quartier habe man gefunden, man hoffe, die weiteren Bauplätze in den nächsten ein bis zwei Jahren zu vergeben. Dann führte Schaber noch das Gewerbegebiet Gebersheimer Weg an, für das es viele Bewerbungen gebe, doch die Firmen müssten zu Rutesheim passen. Man sollte, auch mit Blick auf den Gemeindehaushalt, in den nächsten ein, zwei Jahren die Weichen stellen.

Landrat Roland Bernhard gratulierte Tobias Pokrop. Foto: Simon Granville

Es gibt also einiges zu tun für den Diplomverwaltungswirt (FH) Pokrop, der 13 Jahre lang Bürgermeister in der 4200-Einwohner-Gemeinde Riederich (Kreis Reutlingen) war. Da traf es sich gut, dass Landrat Roland Bernhard dem 48-Jährigen, der Heimwerken als Hobby nennt, einen Werkzeugkoffer überreichte, damit er stets die passenden Zangen parat habe. Es stiegen die Erwartungen an Bürgermeister, so der Landrat, die Anforderungen seien „riesengroß“. Ein Bürgermeister müsse Alleskönner, Manager, Finanzjongleur, Blitzableiter und Influencer sein.

Bernd Dürr, Bürgermeister von Bondorf, sagte für den Kreisverband Böblingen des Gemeindetags und die Bürgermeistervereinigung, dass Pokrop als ehemaliger Kämmerer und Bürgermeister „ein extrem gutes Fundament“ habe. „Trotzdem werden Sie nicht alle Erwartungen der Bürger erfüllen können.“ Dürr appellierte an die Gäste: „Lassen Sie Ihrem Bürgermeister auch die Freizeit, die er braucht, für Familie, Gäste und Freunde.“

Wollen Vorgesetzten, der „zuhört, mitnimmt und wertschätzt“

Stephan Wensauer vertritt als Personalratsvorsitzender die Interessen der 347 städtischen Beschäftigten. Er hieß den Verwaltungschef „voller Freude“ willkommen und betonte das große Engagement der Mitarbeitenden, die das Rückgrat der Verwaltung seien. Wensauer machte deutlich, „was sich das Kollegium wünscht“: Zusammenarbeit mit Respekt auf Augenhöhe, Offenheit im Miteinander und einen Vorgesetzten, der bei Bedarf zuhört, mitnimmt und wertschätzt.

Sein neues Amt erfülle ihn mit Stolz, sagt Tobias Pokrop

Für die Schulen in der Stadt mit rund 2500 Schülerinnen und Schüler sprach der Leiter des Gymnasiums, Jürgen Schwarz. Er lobte Tobias Pokrop, der sich schon zu Beginn der Kandidatur in der Schule vorgestellt, viel gefragt und Interesse gezeigt habe. „Wir wollen als Schulleiter gar nicht mehr, wir wären froh, wenn es so bliebe, wie es jetzt ist.“ Die Pfarrerin Angelika Rühle von der evangelischen Kirchengemeinde sprach über die Facetten von Macht: „So viel Macht wird Ihnen nicht gegeben, aber mit Ihrem Anteil auf diesem Stückle Erde hier haben Sie großen Einfluss.“ Der Sprecher der Vereine, Günter Dums vom Kreis Junger Christen, überreichte Tobias Pokrop eine Aktentasche: Darin waren etwa Arbeitshandschuhe und ein Handtuch für den Schweiß auf der Stirn des neuen Bürgermeisters.

Sein neues Amt erfülle ihn mit Stolz, so Pokrop, aber auch mit Ehrfurcht vor der Herausforderung. Rutesheim könne aufgrund seiner funktionierenden Stadtgesellschaft positiv nach vorne blicken. „Lassen Sie uns die Stadt zum Motor für die ganze Region machen.“