Seit Montag ist der 29-jährige Jan Hambach im Amt. Doch schon davor hat er gezeigt, wie wichtig ihm die Stadt und seine Bürger sind. Für die schickt er sogar einen subtilen Gruß an den belgischen Fußballverband.
Im Büro des Freiberger Bürgermeisters ist der Übergang von Dirk Schaible zu Jan Hambach noch sichtbar. Bilderrahmen mit Urkunden sind abgehängt und lehnen an der Wand – bereit für die Abholung. Auch eine hüfthohe Skulptur und ein großes, abstraktes Wandgemälde tragen die Handschrift des scheidenden Bürgermeisters. Hambach selbst hat erst zwei Gegenstände mitgebracht. Er zeigt auf einen Ehrenteller, türkische Keramikkunst aus Freibergs Partnerstadt Erzin, und auf eine kleine Porzellanschildkröte. „Die ist ein Willkommensgeschenk des Teams, sie soll aber nicht die Geschwindigkeit der neuen Rathausspitze widerspiegeln“, sagt Hambach und lacht.
Ein Appell an den Belgischen Fußballverband
Der 29-Jährige startet mit einem großen Vertrauensvorschuss in seine Amtszeit. Bürger und städtische Mitarbeiter freuen sich auf den neuen Schultes. Freiberg am Neckar ist aber kein einfaches Pflaster für Bürgermeister. Die Erwartungen sind hoch, wenn den Bürgern etwas nicht passt, wird das unmissverständlich angesprochen. Im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt Jan Hambach, wie er auf die kritischen Blicke reagieren will – und schickt am Rande eine Botschaft an den belgischen Fußballverband.
Schon in den vergangenen Wochen hielt ihn sein neuer Job auf Trab, berichtet Hambach. Beispielsweise zog der Bürgermeister mit seinem Lebenspartner nach Freiberg und veranstaltete ein Kennenlernfest mit den Nachbarn. Dann kam das Hochwasser. Eher zufällig traf Hambach den Freiberger Feuerwehrkommandanten am Neckar und begleitete diesen spontan für den Rest des Tages. „Es war total wichtig mitzubekommen, was da alles so passiert.“
Auch beim öffentlichen Training der belgischen Nationalmannschaft vergangene Woche war Hambach dabei. „Das ist für die Stadt super cool und sorgt dafür, dass Freiberg ein bisschen bekannter wird.“ Er sei froh, dass am Ende des Trainings noch einige Fußballer den Kindern und Jugendlichen Autogramme gegeben haben. Alles andere hätte ihn doch verärgert. Aktuell sei keine weitere Aktion mit den Belgiern geplant, „aber wir würden uns natürlich freuen, wenn es noch mal eine Veranstaltung mit den Spielern gibt“.
Die Anekdoten der vergangenen Wochen sagen viel über den neuen Freiberger Bürgermeister aus. Hambach zog schon vor Amtsantritt nach Freiberg, er hat Respekt vor der Aufgabe und bringt eine „Aufopferungsbereitschaft“ mit, wie er es selbst nennt. Er fährt nicht aus Gefälligkeit bei der Feuerwehr mit, er hat ehrliches Interesse am Hochwasserschutz. Und den Besuch der Belgier nutzt er nicht etwa, um sich selbst in den Vordergrund zu spielen. Hambach denkt in dem Moment an die Bürger und schickt eine subtile Botschaft an die Belgier, die den Freibergern gern eine weitere Freude bereiten könnten.
Die Bevölkerung schaut genauer aufs Rathaus als früher
Es sind mühevolle Zeiten für Bürgermeister, das ist Hambach bewusst. Viele Menschen fühlen sich von der Politik auf Bundes- und Landesebene nicht mehr verstanden, der Frust und die Gereiztheit wachsen. Das merkt man nicht nur in den aufgeheizten Kommentarspalten der Sozialen Medien, sondern auch im gesellschaftlichen Umgang mit Politikern und Amtsinhabern.
Die Bevölkerung schaue genauer aufs Rathaus als früher, sagt Hambach. Den kritischen Blicken wolle er aber nicht ausweichen, sondern mit gnadenloser Transparenz antworten. Die Stadt werde in Zukunft besser erklären, was sie macht, sagt Hambach. Egal ob Bürgermeister oder Bürgerservice-Mitarbeiter: Den Menschen soll dargelegt werden, was möglich ist und was nicht. „Und wir zeigen auch ganz klar Grenzen auf, wenn respektlos mit uns umgegangen wird.“ Hambach nennt das „Erwartungsmanagement“.
Social Media hilft ihm bei der Reflexion
Zur Transparenz gehört für ihn auch sein Auftritt auf Facebook und Instagram, wo er jetzt schon mehr Follower hat als Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht. Auf seinen Kanälen nimmt Hambach die Bürger mit zu Terminen, teilt Gedanken und private Momente. Die Social-Media-Kanäle würden ihm helfen, seine Arbeit zu reflektieren, sagt Hambach. „Wenn ich einen Post schreibe, muss ich Projekte oder Termine zusammenfassen. Dabei merke ich, ob das für die Bürger überhaupt wichtig ist. Es hilft mir, Prioritäten zu setzen.“
Neben der Offenheit will Hambach das Rathaus moderner und effizienter machen. Die Stadtverwaltung sei dabei aber kein Dienstleister, die Bürger keine Konsumenten. Mitmenschen, die einfach nur Erwartungen stellen und die Hand aufhalten, sieht Hambach kritisch. „Die Stadt funktioniert nur als Ganzes, wenn die Bürgerschaft auch mitzieht.“
Jan Hambachs Weg ins Rathaus
Zur Person
Jan Hambach wurde 1994 in Leonberg geboren und hat an der Universität Hohenheim studiert. Schon früh engagierte sich der 29-Jährige ehrenamtlich für die SPD, als Zeltlager-Betreuer oder Karate-Trainer. Beruflich war Hambach zuletzt Leiter des OB-Stabs bei der Großen Kreisstadt Calw. Hambach wohnt mit seinem Partner Christian Zielinski im Freiberger Stadtteil Geisingen.
Zur Wahl
Am 17. März bekam Jan Hambach im ersten Wahlgang der Bürgermeisterwahl in Freiberg 79,1 Prozent der Stimmen und beerbt damit Dirk Schaible. Sein Konkurrent Matthias Beck landete mit 15,7 Prozent auf Rang zwei. Axel Müller erreichte fünf Prozent.