Kaum hat sich die Deko-Kette Depot auf der Königstraße verabschiedet, steht die Nachfolge fest: Hugendubel eröffnet in diesen Räumen im Herbst seine zweite Buchfiliale in Stuttgart samt Tagesbar. Geht es aufwärts mit der Einkaufsmeile?
Die bereits totgesagte Königstraße lebt plötzlich auf: Kaum haben der französische Sportartikelanbieter Decathlon im Mittnachtbau und der holländische Käsegigant Henri Willig („Cheese & More“) im Marquardt-Gebäude Filialen eröffnet und damit Leerstand beendet, wird eine weitere Vertragsunterzeichnung für ein zentrales Gebäude der Einkaufsmeile bekannt: Nina Hugendubel, die Geschäftsführende Gesellschafterin des Buchhandelsunternehmens Hugendubel, bestätigt unserer Redaktion, dass die Münchner Kette im Herbst mit einer zweiten Stuttgart-Filiale (die erste befindet sich im Dorotheen-Quartier) eine Top-Lage der City ansteuert.
Depot hat am Freitag für immer an der Königstraße geschlossen
Schon einmal führte die inhabergeführte Firma Hugendubel eine Filiale auf der Königstraße – bis 2015 auf etwa 4000 Quadratmetern in der Nachbarschaft zum Haus der Katholischen Kirche. Die wachsende Onlinekonkurrenz machte damals dem stationären Buchhandel immer größere Probleme. Die Münchner Kette entschied sich, mit 400 Quadratmetern wesentliche kleine Räume als Ankermieter im Dorotheen-Quartier bei Breuninger zu übernehmen.
Dass sich die Deko-Kette Depot wegen finanzieller Probleme zu einem Kahlschlag in ihrem Filialnetz genötigt sieht und deshalb den Store an der Königstraße 56 am vergangenen Freitag für immer geschlossen hat, nutzt der Branchenriese Hugendubel prompt dazu, sich zu vergrößern und eine zweite Stuttgart-Filiale in 1-a-Lage voraussichtlich im Herbst auf zwei Etagen samt Tagesbar, Lesebereich und einer Kinderwelt zu eröffnen.
Der neue Hugendubel-Standort mit etwa 850 Quadratmetern soll nach einem „warmen, atmosphärischen Designkonzept“ umgebaut werden, teilt das Unternehmen mit. Man werde hochwertige Materialien und viel Holz verwenden. „Großzügige Fensterfronten“ sollten mit viel Tageslicht eine „freundliche, helle Atmosphäre“ schaffen und damit „zum Schmökern, Stöbern oder für eine entspannte Auszeit bei einem Kaffee“ einladen.
Für Chefin Nina Hugendubel sind Buchhandlungen „Wohlfühlorte“, in denen man gern verweilen wolle. „Mit der neuen Tagesbar schaffen wir einen weiteren Raum mit besonderem Ambiente“, kündigt die Geschäftsführende Gesellschafterin an. An der kleineren Filiale im Dorotheen-Quartier will das Münchner Unternehmen festhalten.
Platzhirsch der Königstraße bleibt Thalia/Wittwer mit 3100 Quadratmetern. Geschäftsführer Rainer Bartle freut sich „auf den Wettbewerb und die mögliche Aufwertung und Frequenzsteigerung auf der oberen Königstraße“. Auf Anfrage unserer Redaktion zeichnet Bartle ein positives Bild, trotz der Schließungen kleiner Buchhandlungen in den Stadtteilen, die er sehr bedauert. Der stationäre Buchhandel sei im Vergleich zu anderen Branchen des Einzelhandels „gut unterwegs“. Unternehmen wie Thalia profitierten seit Jahren von ihrer „Omni-Channel-Strategie“, sagt Bartle. Gemeint ist damit, dass Bücher auf verschiedenen Kanälen verkauft werden.