Nach der überraschenden Trennung von Audi-Vertriebsvorständin Hildegard Wortmann rückt ein Manager aus Stuttgart nach. Die Liste der beruflichen Aufstiege, die über Porsche laufen, wird länger.
Mit Porsche geht’s nach oben. Was für die Skulptur vor dem Museum in Zuffenhausen gilt, wo drei 911er-Sportwagen symbolträchtig himmelwärts streben, trifft häufig auch fürs Führungspersonal zu. Jetzt ist die Liste der Leitungskräfte, die von Stuttgart aus auf höhere Posten im Konzern gelangen, um einen Namen länger geworden.
Marco Schubert, bisher Vertriebsleiter Europa bei Porsche, rückt nach der überraschenden Trennung von Vertriebschefin Hildegard Wortmann in den Vorstand der Schwestermarke Audi auf. Die Personalie wurde am Freitagnachmittag vom Audi-Aufsichtsrat besiegelt. Schubert bringe „mit seiner internationalen Erfahrung genau die Fähigkeiten mit, die Audi jetzt braucht, um die komplexen Herausforderungen in den Märkten weltweit zu meistern“, so Aufsichtsratschef Manfred Döss.
Schubert war vor Porsche schon einmal bei Audi
Für Schubert ist es eine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte. „Es fühlt sich für mich an wie nach Hause kommen“, sagt er. Länger als beim Sportwagenhersteller in Stuttgart war er nämlich früher schon bei Audi beschäftigt – erst in Schweden und nach einer Zwischenstation bei Skoda als Audi-Vertriebsleiter für China, ehe er 2021 zu Porsche kam. Keine untypische Laufbahn in einem Multimarkenkonzern, in dem es häufig zur Karriereplanung gehört, sich in unterschiedlichen Firmen, Märkten und Funktionen zu bewähren.
Auch Audi-Chef Gernot Döllner, ein enger Vertrauter des Porsche- und VW-Chefs Oliver Blume, kennt die Konzernerfolgsleiter. Von VW in Wolfsburg kam er 1998 zu Porsche, wo er sich bis zum Leiter Produkt und Konzept emporarbeitete. 2021 wurde er Konzernstratege im VW-Konzern, zwei Jahre später Nachfolger des geschassten Audi-Chefs Markus Duessmann.
Namhafte Manager mit Porsche-Historie
Seit Blume vor zwei Jahren von den tonangebenden Eigentümerfamilien Porsche und Piëch als doppelter Dax-Vorstandschef installiert wurde, wird in der Branche genau beobachtet, welche Getreuen er in wichtige Funktionen hievt. Neben Döllner hat eine ganze Reihe von kürzlich beförderten Managern auch eine Porsche-Historie.
- Der langjährige Porsche-Designchef Michael Mauer wurde 2022 in zusätzlicher Funktion als Koordinator für das Design aller Konzernmarken reaktiviert. Er hatte die Doppelfunktion auch schon von 2015 bis 2020 inne.
- Auch der Porsche-Vorstand für Forschung und Entwicklung, Michael Steiner, ist seit 2022 doppelt engagiert. Er trägt seither auch auf Konzernebene die Verantwortung für F+E.
- Sebastian Rudolph leitet seit Blumes Aufstieg zum Konzernchef parallel die Unternehmenskommunikation der Porsche AG wie auch des VW-Konzerns.
- Zum September 2023 wechselte Stefan Weckbach von Zuffenhausen nach Wolfsburg. Bei Porsche war er zuletzt Leiter der Fahrzeugstudie „Mission X“, bei VW ist er nun Leiter der Konzernstrategie.
- Auch für Frank-Steffen Walliser ging es nach oben. Vormals Motorsportchef und Leiter der Baureihen 911 und 718, verantwortete er bei Porsche zuletzt die Gesamtfahrzeug-Entwicklung. Seit Juli 2024 steht er der Nobelmarke Bentley vor.
Wie füllt Porsche die entstehenden Lücken?
Führen in der Ära Blume also alle Erfolgswege über Porsche? Das wäre wohl zu weit gegriffen, schon deshalb, weil der Doppelchef selbst an unterschiedlichsten Stationen im Einsatz war und vielerorts Weggefährten gefunden hat. Blume stand außer bei Porsche auch schon in Diensten von Audi, Seat und VW. Und es gibt auch andere Beispiele für die Besetzung von Top-Positionen wie den neuen Volkswagen-Vertriebschef Martin Sander, der von Ford kommt.
Für Porsche stellt sich eher die Frage, wie die in Doppelfunktionen eingeschränkte oder bei Weggängen verloren gehende Manpower adäquat ersetzt werden kann. Im Unternehmen heißt es, man habe es schon immer als Stärke gesehen, dass die Ebene unter den Führungsjobs gut besetzt sei. Demzufolge dürfte auch bei der Nachfolge von Marco Schubert mit einer internen Besetzung zu rechnen sein.
Für Hildegard Wortmann (57), eine der bekanntesten Managerinnen der deutschen Autoindustrie, ist dagegen die Zeit bei Audi zu Ende. Es war ein Abschied auf Raten, nachdem ihr Oliver Blume gleich nach seiner Bestellung zum VW-Konzernchef das Konzernvorstandsressort genommen und sie lediglich bei einer „erweiterten Konzernleitung“ eingegliedert hatte.
Wie auch Döllner ist die bisherige Audi-Vertriebschefin für eine robuste Amtsführung bekannt. Nachdem sie noch vor wenigen Monaten vom Branchenmagazin „Automobilwoche“ zur Managerin des Jahres gekürt wurde, krachte es jetzt wohl auch wegen der Absatzschwäche von Audi. Der Rückgang lag bei minus acht Prozent im ersten Halbjahr, während der bayerische Konkurrent BMW sogar zulegen konnte.
Unruhe bei Audi
Chefwechsel
Der Vorstandsvorsitzende Gernot Döllner ist bereits der dritte Audi-Chef innerhalb von fünf Jahren. Auf den Niederländer Bram Schot (2018 bis 2020) folgte der frühere Mercedes- und BMW-Mann Markus Duessmann, der von Döllner im September 2023 abgelöst wurde.
Trennung
Hildegard Wortmann war die erste Frau im Vorstand von Audi. Seit 2019 war sie für den Vertrieb verantwortlich. Ihr Abschied erfolge „auf eigenen Wunsch und in bestem beiderseitigem Einvernehmen“, teilte Audi am Freitag mit.