Tilman Hepperle ist seit dem 1. Oktober der neue Chef des kreiseigenen Abfallbetriebes AVL Foto: factum/Granville

Der 38-jährige Tilman Hepperle ist der neue Leiter des kreiseigenen Abfallbetriebes AVL. Er könnte derjenige sein, der die bekannte „Rund-und-Flach“-Tonne reformiert oder abschafft.

Ludwigsburg - Nein, der neue Geschäftsführer der AVL ist kein Lautsprecher. Eher ein ruhiger, bedächtiger Mensch, der mit Argumenten und freundlicher Entschiedenheit überzeugen möchte. Ein deutlicher Kontrast zu seinem selbstbewussten Vorgänger Utz Remlinger, der als Vizelandrat einen Machtkampf mit Landrat Rainer Haas ausgefochten hat. Davon ist Tilman Hepperle (38) meilenweit entfernt. „Es gibt ein gutes und konstruktives Verhältnis zum Landrat“, betont er.

Die Strukturen sind auch andere. Remlinger war als Erster Landesbeamter sozusagen im Nebenberuf Geschäftsführer des Müllbetriebes mit 150 Mitarbeitern und musste sich mit Protesten gegen Atomschutt aus Neckarwestheim herumschlagen. Hepperle ist zu 100 Prozent bei der AVL angestellt, aber nicht Erster Landesbeamter. Der Streit um die Biovergärung ist geklärt: Eine Anlage in Bietigheim-Bissingen wird der Landkreis nach einem Bürgerentscheid nicht bauen, der Inhalt der Biotonnen kommt nach Rheinland-Pfalz.

Atomschutt kommt erst im neuen Jahr

Und die erste Lieferung von sogenanntem freigemessenen Abbruchmaterial aus dem Atomkraftwerk wird wohl erst im neuen Jahr auf den Kreisdeponien angeliefert werden – auch hier ist die Frage politische entschieden. „Ich muss mich an Recht und Gesetz halten“, sagt Hepperle dazu. Sprich: Der Kreis ist verpflichtet, den Atomschutt anzunehmen.

Gleichwohl will die AVL ein Konzept vorlegen, wie der umstrittene Abfall noch besser gesichert werden kann – etwa durch sogenannte Big Bag, das sind Plastiksäcke aus besonders reißfestem Material. Zudem soll das ablaufende Sickerwasser der Deponie gemessen werden. Doch das sind die Diskussionen aus der Vergangenheit. Tilman Hepperle kann also unbelastet ins Amt starten, das er seit 1. Oktober ausfüllt. Ein Karriereweg, der nicht unbedingt vorgezeichnet war. Ursprünglich stammt der 38-Jährige aus Kernen im Remstal und hat 1999 in Fellbach Abitur gemacht. Dann studierte er in Ludwigsburg bis zum Diplom-Verwaltungswirt und setzte ein Wirtschaftswissenschafts-Studium in Witten-Herdecke dran. Schon dabei ging es viel um Familienunternehmen.

Ein Netzwerker für Familienunternehmen

Und genau mit denen hat er sich dann von 2004 an beschäftigt: In Berlin war er bei einem Unternehmen angestellt, das sich um den Austausch von Familienunternehmen in Deutschland und arabischen Ländern gekümmert hat. So hat er Kongresse in Abu Dhabi oder Bahrain organisiert. „Meine wichtigste Erkenntnis war, dass wir trotz aller kulturellen Unterschiede viel gemeinsam haben.“

Doch es zog ihn zurück in die öffentliche Verwaltung – so kam er 2013 als Beteiligungsmanager ins Ludwigsburger Landratsamt. Dort hat er vier Jahre lang für die Verwaltungsspitze Sitzungen und Inhalte der Betriebe vorbereitet, an denen der Kreis beteiligt ist– von der AVL über die Kliniken bis zum Verkehrsverbund VVS.

Neues Gesetz zwingt Kreis zum Umdenken

Nun der Karrieresprung als Chef eines kommunalen Betriebes. Kein einfacher Job, schließlich steht der Abfallbetrieb stets im Fokus der Bürger. „Jeder Job hat seine Herausforderungen“, sagt er, „das öffentliche Interesse gehört mit dazu.“

Nein, aus der Ruhe bringen lässt der 38-Jährige sich so schnell nicht. Dabei könnte er sogar in die Geschichte als derjenige eingehen, in dessen Amtszeit das berühmte „Rund und Flach“-Mülltrennsystemin Ludwigsburg abgeschafft oder reformiert wird. Das hängt mit dem neuen Verpackungsgesetz zusammen, das im Sommer verabschiedet wurde. Denkbar wäre, eine Wertstofftonne einzuführen – diese würde die bisherigen zwei Tonnen ersetzen. „Wir prüfen das die nächsten zwei Jahre“, sagt Hepperle. Er wolle sich damit „kein Denkmal setzen“, schmunzelt der AVL-Chef.

Das dürfte jedenfalls noch so manche Debatte nach sich ziehen. Ebenso wie die Müllgebühren, die in den vergangenen zwei Jahren bereits kräftig angehoben wurden. Das hängt mit Rücklagen für die Deponien zusammen, die für die Zukunft angelegt werden müssen. Die AVL und der Landkreis haben dazu 51 Millionen Euro angespart – viel Geld, das jedoch zweckgebunden ist. „Wenn wir auf den Deponien mehr Sicherheit gewährleisten, kostet das mehr Geld“, erklärt Hepperle.

Steigen die Müllgebühren weiter?

Daher sei noch keine Prognose möglich, ob die Gebühren weiter steigen. Er will sich jedoch dafür einsetzen, dass sie stabil bleiben. Ansonsten hält er es mit einem Satz von Landrat Rainer Haas: „Die beste Abfallwirtschaft ist die, von der man wenig hört.“ Und wenn, dann nur Gutes. Hepperle ist aber nach den ersten Wochen im Amt überzeugt davon, dass die AVL besser sei als ihr Ruf: „Wir haben hervorragende Mitarbeiter, der Betrieb ist gut aufgestellt.“

Wenn der Job zu stressig wird, trifft sich der 38-Jährige, der in Stuttgart wohnt, gerne mit guten Freunden oder geht im Wald joggen. Oder er plant eine Reise – in der Vergangenheit ist er zum Beispiel in Australien oder Malaysia gewesen. Ein Ausgleich zur kommunalen Tätigkeit. Langweilig wird es Tilman Hepperle im neuen Amt nicht. Auch ohne Atomschutt.

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