An dieser Stelle stand einmal die Böblinger Sporthalle. Der Veranstaltungstempel und Schauplatz großer Konzerte und TV-Liveshows wurde 2008 abgerissen. Mehr Fotos in der Bildergalerie. Foto: Peter-Michael Petsch

Baustart auf dem Böblinger Sporthallengelände – Kirschgärten in Leonberg werden zum Levinpark.

Böblingen/Leonberg - Die Spatenstiche sind gefeiert, es kann losgehen: In Leonberg entstehen sieben Häuser mit 59 Eigentumswohnungen. Wer hier ab Anfang 2013 einzieht, lebt im Levinpark. So, in Anspielung auf Leonbergs historischen Namen Levinberch, nennt der Bauherr und Verkäufer – die Firma Wilma Wohnen mit Sitz im hessischen Kriftel – das Gelände. Besser bekannt ist es freilich als Kirschgärten.

In Böblingen heißt die vornehme Adresse Am Stadtgarten. Hier sind seit kurzem zwei Bauträger zugange, die Böblinger Baugesellschaft und das Siedlungswerk Stuttgart. Bis zum Jahr 2015 werden in zwei Abschnitten acht sogenannte Punkthäuser und ein länglicher Komplex gebaut. Die 200 Wohnungen stehen dann da, wo es früher großen Sport wie Handballspiele bei den Olympischen Spielen 1972 gab und sich Stars und Sternchen tummelten – auf dem Gelände der 2008 abgerissenen Sporthalle.

„In unseren Herzen bleibst du unvergessen“

Die Böblinger Halle war legendär. Als die Abrissbagger verschwunden waren und eine öde Leere gähnte, stellten bis heute unbekannte Menschen ein hölzernes Grabkreuz an den Bauzaun; samt ewiger Lichter, Blumengebinde und Erinnerungsschleife: „In unseren Herzen bleibst du unvergessen.“ Kein Wunder, denn als diese Halle 1966 eröffnet wurde, gab es noch keinen Glaspalast in Sindelfingen und keine Schleyerhalle in Stuttgart. Wer Rang und Namen hatte und in der Region Stuttgart ein großes Publikum erwartete, kam nach Böblingen.

Willy Brandt, Helmut Schmidt und Helmut Kohl waren da. Und auch einer, der wie sie gerne Bundeskanzler geworden wäre, es aber nie schaffte: Franz-Josef Strauß, der Ur-Bayer und CSU-Chef, wurde in Böblingen mit Eiern beworfen.

So ziemlich alle Größen der Musikszene waren da

Teenager himmelten hier Roy Black oder Rex Gildo an, Hardrockfans jubelten bei AC/DC. Von A wie Abba bis Z wie Zappa waren so ziemlich alle Größen der Musikszene da. Lustige Musikanten und die Kastelruther Spatzen fehlten so wenig wie die Liedermacher Hannes Wader und Georg Danzer. Ein Kontrastprogramm, das 2007 mit Rapper 50 Cent und Grusel-Rocker Marilyn Manson für immer endete.

Deutschlandweit bekannt aber wurde die Sporthalle durch TV-Liveshows. Thomas Gottschalk war mit „Wetten, dass . . .?“ von 1981 bis 2003 sechsmal in Böblingen. Frank Elstner und seine Vorgänger gastierten mit „Verstehen Sie Spaß“ 37-mal.

Der Kommune bleiben rund sechs Millionen Euro

Das Aus der legendären Halle hatte rein finanzielle Gründe: Etwa acht Millionen Euro wären nötig gewesen, um den alten Veranstaltungstempel (Baukosten 1966: 8,6 Millionen Mark) auf den Stand der Zeit zu bringen. Jetzt hat die Stadt das Grundstück für rund 9,5 Millionen Euro verkauft. Unterm Strich – abzüglich der Kosten für Abriss, Erschließung und einige andere kleinere Aufwendungen – bleiben der Kommune rund sechs Millionen Euro.

Auch Leonberg hat mit den Kirschgärten ein gutes Geschäft gemacht. Die Stadt hatte das 1,3-Hektar-Gelände 2006 für 4,1 Millionen Euro verkauft und später ein Drittel des Areals zurückbekommen – ohne etwas zu bezahlen. Der Grund: Der erste Bauträger hatte sich mit teuren Luxuswohnungen verspekuliert. Er konnte keine der 42 geplanten und bis zu 950.000 Euro teuren Suiten losschlagen.

Nun wird auf engerem Raum gebaut

Die Kirschgärten aber konnte das Unternehmen wegen eines städtebaulichen Vertrags mit der Kommune nicht einfach wieder verkaufen. So kam nach zähen Verhandlungen die Wilma Wohnen ins Spiel, die nun auf engerem Raum baut. Ein Stück Kirschgärten bleibt grüne Wiese.

Die Bäume freilich sind schon vom gescheiterten Investor gefällt worden. Dagegen – und gegen die Bebauung des Teilstücks des insgesamt zehn Hektar großen Naherholungsgebiets Leonberger Heide – hatten sich in den Jahren 2005 und 2006 viele Leonberger gewehrt. Doch rund 6000 Protestunterschriften, Demonstrationen und Petitionen an den Landtag konnten die Kirschgärten nicht retten. Die Stadt brauchte dringend Geld für die Sanierung von Schulen.

Die neuen Wohnquartiere in Leonberg und Böblingen werden autofrei. In Leonberg gibt es zudem keine privaten Freiflächen um die Häuser. Die Kirschgärten, nein der Levinpark, sollen weiter der Zugang zur Leonberger Heide bleiben.

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