Wolfgang Lissak hat das Biotop Rohrwasen ständig im Blick. Foto: Ines Rudel

Das ökologisch wertvolle Feuchtgebiet Rohrwasen zwischen Heiningen und Eschebach droht zuzuwachsen. Robuste Rindviecher könnten das Schilf in Zaum halten.

Heiningen - Zwischen Heiningen und Eschenbach liegt ein ökologisches Kleinod. Das 1,6 Hektar große Feuchtgebiet im Gewann Rohrwasen dient mehr als einhundert Vogelarten, vielen Fröschen, Schlangen, Insekten und Molchen als Heimat, Brut- oder Rückzugsort. „Der Schutz der biologischen Vielfalt wird hier exemplarisch hervorragend praktiziert“, sagt Wolfgang Lissak, der Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Süßen und Umgebung. Doch das Feuchtgebiet, das der Gemeinde Heiningen gehört, droht durch das Wachstum von Wasser- und Sumpfpflanzen zu verlanden, weil sich dadurch die Wasserfläche verringert. Eine Beweidung mit Wasserbüffeln könnte helfen, die Vegetation im Zaun zu halten.

Der Nabu pflegt die im Jahr 2003 eingerichtete Heininger Naturschutzfläche und unterhält eine Vogelbeobachtungsstation am Rande des Areals. Neben den Tieren profitiert auch die Pflanzenwelt von dem Schutzgebiet. Dort wachsen die Gelbe Schwertlilie und der Wasserschlauch. Doch wo einst ein großer See war, ist inzwischen nur noch ein Meer aus Schilf zu sehen. „Das ist das Hauptproblem“, sagt Lissak. Die Rodungsversuche der Naturschützer sind stets nur von kurzfristigem Erfolg gekrönt. In 15 Jahren könnte das Gebiet vollkommen verlandet sein.

Gemeinde zeigt sich aufgeschlossen

Zur Lösung des Problems schlagen die Naturschützer vor, das Gelände mit Wasserbüffeln zu beweiden. „Die Tiere würden ständig offene Bereiche schaffen“, erklärt Lissak. Die Büffel fressen, stampfen und suhlen sich durch das Feuchtgebiet. Dadurch entstehe eine Dynamik, die gut für die Tierwelt sei, sagt er. Zunächst sei geplant, im September 2018 die Fläche mit Baggern vom Schlamm zu befreien. „Dann ist die Brutzeit vorbei und der Herbst noch nicht da.“ Im Anschluss müsste das Gebiet mit einem elektrischen Zaun gesichert werden, bevor die Büffel einziehen können.

Im Rathaus stoßen die Pläne des Nabu auf offene Ohren. „Die Gemeinde wäre bereit, zu investieren“, sagt Bürgermeister Norbert Aufrecht. Immerhin könnten die Wasserbüffel als Maschinenersatz dienen. Ansonsten befürchtet der Schultes, dass das Feuchtgebiet alle paar Jahre mit schweren Baggern von Schlamm und Schilf befreit werden muss. „Langfristig würden wir davon profitieren“, meint der Schultes. Allerdings seien die Pläne noch weitgehend „ungelegte Eier“. Offen sei etwa die Frage, von wo die Wasserbüffel herkommen sollen. Die bis zu 500 Kilogramm schweren robusten Rinder könnte entweder ein Landwirt aus dem Salacher Ortsteil Bärenbach heranschaffen, der auf der Suche nach weiteren Flächen ist. Darüber hinaus gibt es einen Heininger Bauern, der über einen Umstieg von der Milch- auf die Fleischwirtschaft und eine damit verbundene Anschaffung von Wasserbüffeln nachdenkt.

Förderanträge sind gestellt

Auf der Fläche in Heiningen könnten fünf bis sieben Tiere das ganze Jahr weiden, wenn noch zwei angrenzende Wiesen mit insgesamt rund zwei Hektar Fläche hinzugenommen werden. Was die Büffel in dem Schutzgebiet genau bewirken würden, lasse sich heute nicht mit Gewissheit sagen, meint Lissak. Es müsse beobachtet werden, wie sich alles entwickle. In anderen Gebieten, in denen Wasserbüffel als Landschaftspfleger bereits im Einsatz seien, habe man aber positive Erfahrungen gesammelt.

In jedem Fall seien bereits Förderanträge gestellt worden, sagt Lissak. Allein für die Baggerarbeiten rechnet er mit Kosten von 7500 Euro. Der Zaun würde mit weiteren 7000 Euro zu Buche schlagen. Allerdings könnte das Land, sollte die Beantragung positiv beschieden werden, zwischen 50 und 70 Prozent davon übernehmen.

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