Fertig machen zur Einwechslung – das gilt in der Kreisliga B seit dieser Saison deutlich öfter als bisher. Foto: Günter Bergmann

Seit dieser Saison gilt in der Kreisliga B eine neue Wechselregel, die während Begegnungen den Rücktausch von Spielern erlaubt. Bei den Betroffenen scheiden sich die Geister, wie eine Umfrage bei den Filderclubs zeigt.

Filder/Stuttgart - Ein Sonntag im Oktober 2014. Auf dem Kunstrasenplatz am Kräherwald treffen in der Fußball-Kreisliga B der MTV Stuttgart III und die Spvgg Möhringen II aufeinander; es läuft die 32. Minute. Die Gäste liegen 0:1 hinten, als deren Trainer Sascha Schächer den einzigen Auswechselspieler bringt, der neben ihm auf der Bank sitzt: Johannes Lörcher ersetzt Sebastian Waibel – allerdings nur bis Erstgenannter in der zweiten Hälfte einen Schlag auf den Fuß bekommt, vom Platz humpelt und signalisiert: es geht nicht mehr. Möhringer Pech. Dumm gelaufen? Das Filderteam also bis zum Schluss in Unterzahl?

In der vorigen Saison hätte das noch gegolten. Aktuell war die Lösung des Problems schnell gefunden: Der Coach hat seine Tauschaktion einfach ein zweites Mal vollzogen, diesmal umgekehrt. Waibel kehrte für den verletzten Lörcher aufs Feld zurück. Erst aus-, dann eingewechselt – das neue Regelwerk macht es möglich. Was beispielsweise in Bayern bereits seit Jahren gängige Praxis ist, hat der Württembergische Fußball-Verband (WFV) zur jetzigen Runde eingeführt. Mit der Rückwechselmöglichkeit in der untersten Klasse reagieren die Verantwortlichen darauf, dass sich in der Vergangenheit immer mehr Mannschaften aufgrund mangelnder Spielerzahlen abgemeldet haben. „Wir wollen Vereinen Luft verschaffen, die von vornherein nur mit einem 15- oder 16-Mann-Kader in die Saison gehen und dann etwa durch Verletzungen geschwächt werden“, sagt José Macias aus der Abteilung Spielbetrieb des Verbands.

Konkret heißt das: spielen dürfen pro Partie nach wie vor maximal 14 Mann, diese aber in beliebigen wechselnden Etappen. Ein Aushilfskicker der Alten Herren kann etwa für eine halbe Stunde aufs Feld kommen und dann wieder runtergehen. Braucht ein Akteur eine Verschnaufpause, kann er sie sich nehmen. Der WFV-Sprecher Heiner Baumeister hält einen solchen Weg für besser als die Bildung von Spielgemeinschaften. Durch Letztgenannte verwässere das Vereinsleben.

Bei den betroffenen Filderclubs sind die Meinungen zum Thema nach den ersten praktischen Erfahrungen unterschiedlich, wie eine Umfrage unserer Zeitung zeigt. Tobias Wutzel, Zweite-Mannschaft-Trainer und Abteilungsleiter des TSV Jahn Büsnau, bewertet die Neuerung „sehr positiv“. Zwar habe er offiziell einen 20-Mann-Kader, doch der schrumpfe regelmäßig zusammen. Eine Partie musste er in dieser Saison schon absagen. „Ohne das Rückwechseln wären es noch mehr gewesen“, sagt er. Beim Nachbarn TSV Georgii Allianz herrscht keine personelle Not, macht man von der Option aber ebenfalls gern Gebrauch. „Das hat sich in der Jugend seit Jahren bewährt. Warum also nicht auch bei den Aktiven?“, sagt Holger Schroeder, der Fußballchef der Vaihinger.

Es gibt aber auch Skeptiker. Schroeders Leinfeldener Amtskollege Günther Pakai äußert „grundsätzlich Zweifel an der Überlebensfähigkeit von Mannschaften, die regelmäßig nur zwei Auswechselspieler auf der Bank sitzen haben“. Und Georgios Kalpakidis, der Trainer des TSV Sielmingen, sieht gerade in der Situation, eine Begegnung verletzungsbedingt auch einmal zu zehnt zu Ende spielen zu müssen, einen Reiz. „Ich bin ein Mann der alten Schule und kein Fan der Regelung“, sagt er. Zumal: diese verleite zur Faulheit. „Auch in der Kreisliga sollte ein Spieler fit genug für 90 Minuten sein.“

Fikret Boffo vom TSV Plattenhardt II steht derweil der Änderung nicht negativ gegenüber, sagt aber: „Ich fände es besser, wenn man die Wechsel insgesamt auf fünf erhöht.“ Dann könnten Clubs mit großem Kader mehr Akteure einsetzen und Mannschaften mit wenigen Auswechselspielern dennoch rückwechseln. In Pokalwettbewerben sind fünf Wechsel bereits erlaubt – was Jürgen Arnold, den Abteilungsleiter des TSV Harthausen, veranlasst, ein Regelwirrwarr zu monieren. „Ich vermisse eine klare Linie“, sagt er.

Es ist dies eine Kritik, die man beim Verband wahrnimmt. Auch Schiedsrichter täten sich nicht immer leicht, sich auf die unterschiedlichen Regularien in den Wettbewerben und Ligen einzustellen, berichtet Heiner Baumeister. Der WFV-Sprecher appelliert aber an die Kritiker, nicht aufgrund von Anpassungsschwierigkeiten in Abwehrhaltung zu gehen. „Das muss sich alles erst eine Zeit lang entwickeln“, sagt er. Frühestens am Ende der Saison lasse sich über Erfolg oder Misserfolg fair sprechen. Baumeister kündigt an, dass man im Verband bereits an einer Regelvereinheitlichung arbeite. „Bis zum nächsten Jahr wollen wir eine Lösung finden“, sagt er.

Ach ja, die Möhringer haben ihr eingangs erwähntes Spiel dann auch zu elft verloren, mit 1:2. Aber das nur am Rande.

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