Bundesforschungsministerin Anja Karliczek. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

In der Medizin kann Schnelligkeit Leben retten. Dabei sollen in Zukunft Licht und Computer helfen. Die Bundesregierung unterstützt die Forschung daran mit Millionenbeträgen.

Berlin - Wie gefährlich Infektionskrankheiten sein können, hat das Coronavirus der ganzen Welt vor Augen geführt. Um künftig Viren-, Bakterien- und Pilzinfektionen nicht nur schneller behandeln zu können, sondern auch die passgenaue Behandlung anzuwenden, setzt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) auf den Einsatz von Licht und Künstlicher Intelligenz. Gemeinsam mit einem Team aus Wissenschaftlern und Ärzten stellte Karliczek in einer Pressekonferenz am Mittwoch in Berlin neue Diagnose- und Behandlungsmethoden vor, die bislang noch erforscht werden, für die Praxis somit noch nicht zugelassen sind. Für die Zukunft erhoffen sich Politik und Wissenschaft aber, im Kampf gegen Krankheiten dadurch wesentlich schneller als bisher neue Erkenntnisse gewinnen zu können.

Schnelltest per Laser

Mithilfe eines laserbasierten Schnelltests genügten etwa wenige Tropfen einer Patientenprobe, um Krankheitserreger zu ermitteln, so Karliczek. Dabei werde zunächst mithilfe einer Laserspektroskopie ein molekularer Fingerabdruck der Erreger genommen. Mittels Künstlicher Intelligenz können Mediziner dann erkennen, mit welchem Keim sie es zu tun haben.

Mit den lichtbasierten Verfahren kann nach Angaben von Ute Neugebauer vom Leibniz-Institut in Jena nicht nur der Immunstatus eines Patienten schnell analysiert, sondern auch der Krankheitserreger direkt erkannt und charakterisiert werden. Gerade für die Behandlung sei es wichtig zu erkennen, ob ein Virus oder eine Bakterie die Krankheit verursache, sagte Neugebauer.

Unterschied zwischen Leben und Tod

Ein großer Vorteil gegenüber bisherigen mikrobiologischen Methoden sei der Zeitgewinn, sagte Forschungsministerin Karliczek. Während bei bisherigen mikrobiologischen Methoden bis zu drei Tage auf das Ergebnis gewartet werden musste, liefere die neue Methode bereits nach drei Stunden Erkenntnisse. „Bei einer lebensbedrohlichen Infektion kann diese Beschleunigung den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten“, betonte Kar­liczek. Ziel sei, das neue Verfahren in ­absehbarer Zukunft sehr breit zur Bekämpfung von Krankheitserregern anzuwenden.

Um die neuen Techniken zu unterstützen, fördert Karliczeks Ministerium die Forschung daran mit dem Aufbau des neuen Leibniz-Zentrums für Photonik in der Infektionsforschung (LPI) mit 124 Millionen Euro. Fertiggestellt werden soll das LPI-Zentrum bis zum Jahr 2027. Dort sollen Experten aus Medizin, Forschung und Technik dann Hand in Hand arbeiten. Das neue Zentrum sei kein Forschungsinstitut im klassischen Sinne, sagte die CDU-Politikerin. „Es ist eine bislang auf der Welt einzigartige Transferinfrastruktur“, die Werkzeuge und Wissen anbiete, um innovative Diagnoseverfahren und neuartige Therapien zu erforschen. Bis die neuen Technologien Forschung, Industrie und Medizin zur Verfügung stehen, dauert es aber noch. Im Labor existiere die neue Methode bereits, sagte LPI-Sprecher Jürgen Popp. Allerdings könne der Prozess, bis er klinisch getestet, validiert und zertifiziert sei, bis zu 20 Jahre dauern. In der Praxis ist das neue Verfahren daher bisher noch nicht zum Einsatz gekommen, sagte Michael Bauer vom Universitätsklinikum Jena. Eine Therapie mit nicht zugelassenen diagnostischen Verfahren sei schließlich nicht möglich. Stattdessen werden sie parallel getestet und intensiv mit den herkömmlichen Verfahren verglichen.

Neue Technologie noch nicht im Praxiseinsatz

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