Der DRK Ortsverband Esslingen hat eine neue Drohne angeschafft. Fünf Piloten können damit Rettungskräfte und Feuerwehr bei verschiedenen Einsätzen unterstützen.
Sie macht viel Wind. Beim Start dreht die Drohne voll auf. Ihre Rotorblätter pusten eine geballte Ladung Luft in die Gesichter der Umstehenden. Keine Frage: das De-Luxe-Gerät hat Power, die der Esslinger Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) für seine Zwecke zu nutzen weiß. Die fliegende Kamera ist ein Lebensretter.
Der Drohnen-Wind verzieht sich schnell nach dem Start. Der Apparat gleitet nach oben in Richtung Himmel. Der Flugroboter könnte laut Pilot Marvin Pfau fast 5000 Meter hoch in die Lüfte entschweben. Doch seine Flughöhe bleibt auf maximal 120 Meter beschränkt. Der Flughafen Stuttgart ist in der Nähe, und der reguläre Flugbetrieb darf durch Drohnen nicht beeinträchtigt werden. Es bestehen gute Beziehungen zum Tower, betont DRK-Gruppenführer Dominic Lang. Vor jedem Einsatz wird die Flugsicherung informiert, und sie sei sehr verständnisvoll.
Denn die Drohne kann nicht nur viel Wind machen, sie hat es wirklich drauf. Bei der Suche nach vermissten Personen sei sie ein wichtiger Helfer, sagt Sarah Schubert von der DRK-Drohnenstaffel. Suchhunde hätten ihre Stärken im Wald, doch im weitläufigen Gelände, wo die Tiere rasch ermüden, sei der Mini-Hubschrauber unschlagbar.
Der Newcomer als Alleskönner
Im Gegensatz zu dem bisher vom DRK Esslingen benutzten Fluggerät ist der Newcomer auch nicht wasserscheu. Er kann bei Regen, Schnee, Hagel und somit fast bei jeder Witterung aufsteigen. Sogar im Wasser treibende Personen kann es aufspüren. Und laut Lang könnte die Drohne auch mit einem Greifarm ausgerüstet werden, an dem ein Rettungsring befestigt wird. Im Bedarfsfall wird der Greifarm geöffnet, und der Schwimmring fällt nach unten ins Wasser zu der hilflosen Person. Diese Zusatzfunktion hat die DRK-Drohne noch nicht. Doch eine entsprechende Anschaffung sei möglich.
Das Bild ist gestochen scharf. Auf dem kleinen Display der Fernsteuerung und auf einem großen Bildschirm sind die von der Drohne übermittelten Aufnahmen zu sehen. Einzelne Details kann man dank des 32-fachen Zooms problemlos vergrößern. Koordinaten, Flughöhe und Flugzeit werden mit den Bildern übermittelt. Es gibt sogar einen Infrarotmodus, mit dem vermisste Personen nachts aufgespürt werden können. Lautsprecher und Scheinwerfer sind als Anbauteile vorhanden. Die fliegende Kamera kann bis zu 40 Minuten in der Luft bleiben. Dann müssen die beiden Akkus aufgeladen werden. Vier Akku-Paare sind im Besitz des DRK Esslingen. Bis der letzte Stromspeicher leer ist, ist der erste schon wieder aufgeladen. Längere Einsätze sind so möglich.
Gerade surrt die Drohne über die B 10. Jedes einzelne Auto auf der Bundesstraße ist klar auf Fernbedienung und Bildschirm erkennbar. Im Ernstfall sind ihre Bilder überlebenswichtig. Bei Bränden können Glutnester mit Hilfe des Fluggerätes ausfindig gemacht werden, bei Unfällen mit Gefahrgut kann es die Schadensausbreitung via Bild übermitteln. Bei Veranstaltungen leistet der Flugroboter zudem gute Dienste. Durch die Live-Übertragung zum Veranstalter oder der Einsatzleitung können Besucherströme aufgezeigt, Gefahren frühzeitig erkannt, Fluchtwege überwacht werden. Und der Verlauf von Übungen und Einsätzen kann mit Hilfe der Drohne dokumentiert und ausgewertet werden.
Wieder macht sie viel Wind. Nach ihrem Ausflug über Esslingen landet die Drohne dort, wo sie auch gestartet ist: bei der DRK-Bereitschaft in der Kurt-Schumacher-Straße in Esslingen. Mit Eleganz und leisem Surren setzt das Fluggerät auf dem Boden auf. Neben diesem Hightech-Gerät wirkt die bisherige DRK-Drohne winzig, veraltet, unmodern.
Im September 2022 hatte sich die Ortsgruppe ihre erste Drohne angeschafft, im März des Folgejahres wurde sie in den Dienst gestellt. Etwa 20 Einsätze sei sie geflogen, rechnet Dominic Lang vor. Während ihrer aktiven Zeit wurde die „alte Drohne“ zur Personensuche eingesetzt, und im Juli 2023 konnte auch mit ihrer Hilfe die vermisste Hündin Gunda in Wäldenbronn aufgespürt werden. Aber die Drohne hatte auch Nachteile: Bei Regen konnte sie wegen Wasserempfindlichkeit nicht eingesetzt werden. Bildqualität, Auflösung und Zoom waren lange nicht so ausgereift wie beim neuen Gerät.
De-Luxe-Gerät bewährt sich
Schon lange träumte die Drohnenstaffel des DRK Esslingen daher von einem zweiten Flugkörper. E-Mail-Anfragen wurden gestartet, mögliche Sponsoren angesprochen, Spender gesucht, die Werbetrommel gerührt. So kamen die nötigen 35 000 Euro zusammen, und im September letzten Jahres wurde die neue Premium-Drohne angeschafft. Schulungen waren zur Bedienung des Geräts nötig. Die sind laut Dominic Lang nun abgeschlossen. Fünf Piloten können und dürfen das neue Fluggerät steuern. Probeversuche bei bisherigen Einsätze seien zufriedenstellend verlaufen. Denn der Edel-Apparat macht zwar viel Wind beim Start – aber er kann auch etwas.
Mehr über die DRK-Drohenstaffel
Drohnenstaffel
Der DRK-Ortsverein Esslingen hat etwa 80 Mitglieder, von denen 15 Personen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren der Drohnenstaffel angehören. Die Mitglieder werden in Theorie und Praxis geschult.
Zukunft
Geplant ist laut Dominic Lang der Bau eines Drohnenanhängers, auf dem technisches Gerät und weitere Ausstattung dauerhaft verstaut werden können, sodass kein ständiges Be- und Entladen mehr nötig ist. Eine eingebaute Streamingtechnik ist angedacht. Mit einer Fertigstellung wird im Sommer diesen Jahres gerechnet. Mehr Informationen findet man unter https://www.drk-es.de.